Glücksatlas 2020

Klimawandel sorgt Deutsche mehr als Corona

Der erste Lockdown in der Corona-Pandemie hat der Lebenszufriedenheit der Deutschen einen kleinen Dämpfer verpasst. Der „Glücksatlas“ zeigt, wie wichtig sozialer Zusammenhalt und Familie in der Krise sind.

Von Helmut LaschetHelmut Laschet Veröffentlicht:
Familie als emotionaler Anker in der Pandemie: 83 Prozent der Deutschen meinen, die Krise habe gezeigt, wie wichtig Familie und Freunde sind.

Familie als emotionaler Anker in der Pandemie: 83 Prozent der Deutschen meinen, die Krise habe gezeigt, wie wichtig Familie und Freunde sind.

© JenkoAtaman/stock.adobe.com

Bonn. Die Lebenszufriedenheit der Deutschen ist nach einem Spitzenwert im vergangenen Jahr im Frühjahr 2020 leicht um 0,4 auf 6,74 Punkte auf einer Skala von 0 bis 10 zurückgegangen. Erstmals in einem zehnjährigen Beobachtungszeitraum liegen die Werte für Ost- und Westdeutschland auf gleichem Niveau. Dies geht aus dem am Mittwoch in Bonn veröffentlichten „Glücksatlas 2020“ der Deutschen Post AG hervor. Zwischen den Spitzenreitern Schleswig-Hostein/Hamburg mit 6,92 und den Schlusslichtern Thüringen/Rheinland-Pfalz und Saarland (6,5) haben sich die Unterschiede angeglichen.

Die jetzt zum 10. Mal erhobenen Daten stammen aus einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach zwischen März und Juni 2020 unter 4660 repräsentativ befragten Bürgern ab 16 Jahren.

Gesellschaftlicher Zusammenhalt gestärkt

Ein Schwerpunkt der Befragung in diesem Jahr waren die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Lebenszufriedenheit. Danach sind 50 Prozent der Auffassung, dass die Krise den Zusammenhalt in der Gesellschaft gestärkt hat. 80 Prozent sind danach froh, in einer Gesellschaft wie Deutschland zu leben, 83 Prozent meinen, die Krise habe gezeigt, wie wichtig Familie und Freunde sind.

Beobachtet wurde im Rahmen der Befragung, wie sich die Lebenszufriedenheit im Zeitablauf der ersten Pandemiewelle verändert hat: Sie sank von 7,1 Punkten Anfang März auf 6,6 zu Beginn des Lockdowns Anfang April und erreichte in der zweiten Maiwoche, als die ersten Lockerungen angekündigt wurden, mit einem Wert von 6,55 einen Tiefpunkt. Schon Anfang Juni hatte sich der Wert wieder auf 6,65 Punkte erholt.

Frauen büßten mehr Lebenszufriedenheit ein

Auf die verschiedenen Bevölkerungsgruppen haben sich die Pandemie und der darauf folgende Lockdown unterschiedlich ausgewirkt: Frauen büßten mit minus 0,47 Punkten deutlich stärker Lebenszufriedenheit ein als Männer (minus 0,33 Punkte), wahrscheinlich, so Studienleiter Professor Bernd Raffelhüschen, weil die Schließung von Schulen und Kitas Frauen in ihrer familiären Rolle weitaus stärker belastete.

Von den Alterskohorten sind die 45- bis 59-Jährigen mit minus 0,48 Punkten am stärksten belastet, bei den Jungen (16 bis 29 Jahre) sind es minus 0,32 Punkte. Ältere über 60Jahre verloren nur 0,25 Punkte beim Zufriedenheitsindex.

Deutliche Unterschiede zeigen sich bei der Entwicklung der Bereichszufriedenheiten. Am stärksten sinkt die Arbeitszufriedenheit: Knapp 42 Prozent sehen sie unverändert, 23,2 Prozent eine Entwicklung zum Besseren, aber 32,2 Prozent eine Entwicklung zum Schlechteren.

Anders bei der Familienzufriedenheit: Für fast 50 Prozent ist sie unverändert, bei 26,1 Prozent besser und nur bei 21,6 Prozent schlechter. Insgesamt stabil ist die Gesundheitszufriedenheit: Bei 57 Prozent hat sich nichts verändert, 16,5 Prozent sind mit ihrer Gesundheit zufriedener, 21,7 Prozent sehen eine Verschlechterung.Klimawandel sorgt Deutsche mehr als Corona

Die Corona-Pandemie hat aber, auch das zeigt die Umfrage, das wichtige Thema „Umwelt und Nachhaltigkeit“ nicht verdrängt. 70 Prozent der Deutschen machen sich langfristig mehr Sorgen um den Klimawandel als um die Bekämpfung des Corona-Virus. Ebenfalls 70 Prozent der Befragten geben an, dass es ihnen ein gutes Gefühl gibt, ein nachhaltig hergestelltes Produkt zu kaufen. Allerdings existiert noch immer eine kognitive Dissonanz: Trotz der Sorgen um den Klimawandel sind nur 14 Prozent der Deutschen bereit, für nachhaltige Lebensmittel mehr Geld auszugeben, nur neun Prozent berücksichtigen Umweltaspekte bei ihrer Urlaubsplanung.

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