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Emotional gefährdet

Kratzen kann ansteckend sein

Wenn du dich kratzt, kratz ich mich auch! In den USA sind jetzt Ergebnisse einer bemerkenswerten Studie über den Juckreiz publiziert worden.

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Kratz mal wieder: Frau mit juckender Haut.

Kratz mal wieder: Frau mit juckender Haut.

© Imcsike / shutterstock

WASHINGTON. Emotional labile Menschen lassen sich besonders leicht vom Kratzen anstecken. Sobald sie jemandem dabei zuschauen, verspüren sie selber einen Juckreiz, berichten Forscher um Henning Holle von der britischen Universität Hull.

Allein das Beobachten des Kratzens aktiviere Regionen des Gehirns, die auch bei der Tätigkeit selbst eingeschaltet sind.

Möglicherweise sei eine übermäßige Aktivierung dieses Netzwerks im Gehirn - einer Art "Kratz-Matrix" - verantwortlich für den dauernden Juckreiz, den einige Menschen verspüren, obwohl Ärzte keine organische Ursache dafür finden können.

Die Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse in den "Proceedings" der Nationalen Akademie der Wissenschaften in den USA.

Dass Kratzen ähnlich wie Lachen oder Gähnen ansteckend ist, wissen Forscher seit langem. Allerdings sind nicht alle Menschen gleich anfällig dafür. Holle und seine Kollegen untersuchten das Phänomen nun genauer.

Sie zeigten zunächst einer Reihe von Probanden Videos, in denen sich Menschen entweder kratzten oder nur auf bestimmte Körperteile klopften. Dabei filmten die Forscher die Testpersonen heimlich. Nach jedem Video fragten sie die Teilnehmer zudem, wie stark es sie jucke.

Beobachten aktiviert die Kratz-Matrix

Es zeigte sich, dass die Probanden nach den Kratz-Filmen grundsätzlich einen stärkeren Juckreiz verspürten als beim Anschauen der Klopf-Videos. Die Mehrheit ließ sich zudem vom Jucken anstecken: Mehr als 60 Prozent der Versuchspersonen kratzten sich mindestens einmal, während sie die Videos sahen.

Jene, die einen sehr starken Juckreiz verspürten, kratzten sich am häufigsten. Vor allem das Kratzen am linken Oberarm schien einen starken Juckreiz beim Beobachten auszulösen, so die Forscher.

Die Auswertung eines psychologischen Fragebogens zur Persönlichkeit ergab weiter, dass vor allem Menschen mit einem Hang zum Neurotizismus anfällig für ansteckendes Jucken waren.

Wissenschaftler definieren dieses Persönlichkeitsmerkmal als Tendenz, negative Emotionen stark wahrzunehmen. Besonders empathische, also mitfühlende, Menschen waren hingegen nicht übermäßig anfällig für das ansteckende Jucken.

Schließlich zeigten die Forscher einigen Probanden die Videos, während sie dabei im CT die Hirnaktivität scannten.

Es zeigte sich, dass das Beobachten des Kratzens viele Bereiche der "Kratz-Matrix" aktivierte. Bei den neurotischen Probanden war eine Region besonders aktiv. Diese sei auch bei der Simulation von Handlungen aktiv, so die Forscher. (dpa)

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