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Studie

Mama leckt den Schnuller ab – kein Tabu

Botschaft einer neuen US-Studie: Das Ablutschen kann Vorteile fürs Immunsystem der Kinder haben.

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Schnullerkind: Fällt der Schnuller auf den Boden, könnte laut einer Studie aus den USA das Ablutschen durch die Mutter durchaus Vorteile für das Immunsystem des Kindes haben.

Schnullerkind: Fällt der Schnuller auf den Boden, könnte laut einer Studie aus den USA das Ablutschen durch die Mutter durchaus Vorteile für das Immunsystem des Kindes haben.

© Kurhan / stock.adobe.com

DETROIT/BERLIN. Darf der Schnuller zum Säubern abgelutscht werden? Für viele Eltern ist ganz klar: Nein. Schließlich haben auch Zahnärzte lange davon abgeraten. Doch laut einer Studie aus den USA könnte das Ablutschen sogar Vorteile für das Immunsystem der Kinder haben. Von der Empfehlung, den Schnuller von Säuglingen wegen der befürchteten Übertragung von Karieskeimen nicht abzulecken, habe man sich ohnehin schon vor einigen Jahren distanziert, sagt Stefan Zimmer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Präventivzahnmedizin.

Die Forscher aus Detroit kommen in ihrer bei einer Konferenz vorgestellten Studie zu dem Ergebnis, dass die Mikroben im Speichel der Eltern das Immunsystem der Babys beeinflussen, wenn sie über abgeleckte Nuckel aufgenommen werden. Solche Kinder hätten weniger von einem Antikörper im Blut gehabt, der mit der Entwicklung von Allergien und Asthma in Verbindung stehe.

Die Studie berücksichtigt allerdings nur eine kleine Anzahl von Kindern, zudem lässt sich aus den Ergebnissen nicht ableiten, ob das kleinere Allergierisiko tatsächlich auf die abgeleckten Schnuller oder aber andere Faktoren im Leben der Babys zurückgeht. „Es muss noch weiter geforscht werden, um den potenziellen Zusammenhang zu untersuchen“, betonte Studienautorin Eliane Abou-Jaoude vom Henry Ford Health System in Detroit.

Auch der Sprecher des Berufsverbands der Kinder und Jugendärzte, Josef Kahl, ist vorsichtig. Er hält die Zahl der Studienteilnehmer für zu gering. „Damit lassen sich keine gesicherten Aussagen über die Wirkung auf das Immunsystem treffen“, sagt Kahl. Er rät Eltern, den Schnuller höchstens dann abzulutschen, wenn es keine anderen Reinigungsmöglichkeiten gibt.

Schnuller-Sterilisation versus Abspülen oder Ablutschen geprüft

Für die Studie waren 128 Mütter gefragt worden, wie sie die Schnuller ihrer Babys reinigen. 30 von ihnen sterilisierten die Nuckel, 53 reinigten sie mit Wasser und Spülmittel, neun lutschten sie ab. Die Forscher verglichen bei den Babys jeweils nach der Geburt, nach sechs Monaten und im Alter von 18 Monaten die Menge an Immunglobulin E im Blut. Der Wert habe zum Schluss bei Kindern mit abgelutschten Nuckeln niedriger gelegen als bei den anderen, berichteten die Forscher.

Die Studie habe damit ähnliche Ergebnisse erbracht wie eine Untersuchung aus Schweden von 2013.

„Bereits aus dieser Studie haben wir die Schlussfolgerung abgeleitet, uns von der mancherorts ausgesprochenen Empfehlung, den Schnuller von Säuglingen wegen der befürchteten Übertragung von Karieskeimen nicht abzulecken, zu distanzieren“, sagte Zimmer. Die jetzige Studie bestätige diese Haltung. Er habe die Empfehlung, den Schnuller nicht abzulecken, ohnehin nie geteilt, weil Karies keine Infektionskrankheit sei und der Effekt der Maßnahme nicht nachhaltig nachgewiesen wurde.

Sinnvolle Koexistenz mit Keimen in der Mundhöhle

In der Mundhöhle eines Menschen seien mehrere Hundert Keimspezies zu Hause, erklärte Zimmer. Mit Karies hänge nur ein Bruchteil davon zusammen. „Die Rolle der meisten Keime ist nicht geklärt, aber offenbar hat sich im Laufe der menschlichen Evolution eine sinnvolle Koexistenz mit diesen Keimen in unserer Mundhöhle etabliert, so dass es keinen Sinn macht, sie alle zu bekämpfen“, so der Experte. „Wie wir jetzt sehen, könnte man es sogar als fahrlässig bezeichnen, weil es das Risiko von Allergien erhöht.“ (dpa)

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