90. Geburtstag

Marianne Koch – lieber Ärztin als Filmstar

In den 1950er und 1960er Jahren war Marianne Koch ein Leinwandstar und stand mit Clint Eastwood vor der Kamera. Doch für die Medizin verließ sie Hollywood. Als Ärztin, Moderatorin und Autorin setzte sie ihre Karriere in der Heimat fort. Nun wird Marianne Koch 90.

Von Ute Wessels Veröffentlicht:
Radio Bremen 3nach9 Talkshow am 18.09.2020 mit Marianne Koch

Marianne Koch vor knapp einem Jahr.

© patrick becher / radio tele nord / picture alliance

München. Ihre Hollywood-Karriere hat Marianne Koch einst für die Medizin aufgegeben. Als Autorin und Moderatorin klärt sie über Gesundheitsthemen auf und gibt Tipps für eine gesündere Lebensweise. Dabei geht sie mit gutem Beispiel voran - dass Marianne Koch am Donnerstag (19. August) ihren 90. Geburtstag feiert, sieht man ihr so ganz und gar nicht an. Ruhestand ist ein Fremdwort für die umtriebige Medizinerin. Gerade hat sie ein neues Buch geschrieben mit dem passenden Titel „Alt werde ich später“.

Sie selbst gehe mit dem Älterwerden gelassen um, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur kurz vor ihrem Ehrentag. Ein wenig komisch fühle sich die Zahl 90 aber dennoch an. Mit Familie und Freunden will sie am Geburtstag abends in ihrem Lieblingslokal essen gehen.

Kochs wichtigste Tipps, um auch im Alter fit zu bleiben? Ausgewogene Ernährung, wenig Zucker, kaum Alkohol und stattdessen viel Bewegung und vor allem soziale Kontakte. Denn: „Einsamkeit macht krank, körperlich und seelisch.“ Auf der anderen Seite bringe das Alter durchaus auch positive Seiten mit sich, sagt die Ärztin. „Zeit für Reisen, Zeit für Dinge, die man eigentlich immer schon gerne gemacht hätte, aber wegen Beruf und Geldverdienen-Müssen und Alltagsproblemen nie realisieren konnte.“

Filmkarriere eher nebenbei

Mit der Schauspielerei Geld zu verdienen, war nicht der Plan von Marianne Koch, als sie 1949 in München Abitur machte. Sie begann ein Medizinstudium und startete ganz nebenbei eine Karriere beim Film, und zwar mit kleineren Rollen während der Semesterferien. Nach dem Physikum 1952 unterbrach sie das Studium, um sich auf den Film zu konzentrieren. Ohne Schauspielunterricht wurde sie für Millionen Kinogänger ein Idol der Wirtschaftswunderjahre.

Marianne Koch

  • Geboren am 19. August 1931 in München
  • Eltern sind die Pianistin Mathilde Aumüller und der jüdische Arzt Rudolf Schindler
  • Medizinstudium und während der Semesterferien Jobs in Bavaria-Filmstudios. Wegen Karriere beim Film Unterbrechung des Studiums
  • 1971 Wiederaufnahme Medizinstudium , 1978 Promotion, Bis 1997 arbeitete sie als Internistin in eigener Praxis in München
  • Schirmherrin Deutsche Hochdruckliga seit 1995, Ehrenpräsidentin Deutsche Schmerzliga, seit 2020 Kuratorin in der Stiftung Allgemeinmedizin

Marianne Koch stand an der Seite von Curd Jürgens, Heinz Rühmann, O.W. Fischer und Gregory Peck vor der Kamera. Mit ihrem Lächeln und ihrem Charme bezauberte sie das Publikum. In Helmut Käutners „Ludwig II.“ gelang ihr der Durchbruch.

Mit Bundesfilmpreis geehrt

Für ihren Auftritt in „Des Teufels General“ wurde sie mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet. Es folgen bis 1970 rund 70 Kinofilme. In dem Sergio-Leone-Klassiker „Für eine Handvoll Dollar“ spielte sie mit Hollywoodstar Clint Eastwood.

Erfüllung brachte ihr der Glanz der Filmwelt nicht. 1973 kehrte sie – inzwischen Mutter zweier Söhne – an die Uni zurück und schloss wenige Jahre später ihr Studium mit der Promotion ab. 1985 eröffnete sie in München eine internistische Praxis. Rückblickend sieht sie die Schauspielerei nur als eine langjährige Episode in ihrem Leben an.

Ihre große Bekanntheit beim deutschen TV-Publikum verdankt Koch besonders auch dem ARD-Ratespiel „Was bin ich?“ mit Gastgeber Robert Lembke. Sie gehörte seit den 60er Jahren mit treffsicheren Fragen genauso fest zu der Sendung wie das Schweinderl, in dem damals die Fünf-Mark-Stücke für die Kandidaten schepperten. Koch moderierte überdies die Talk-Sendung „III nach Neun“, wofür sie 1976 mit einem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde.

Ratgeber zum Älterwerden

Ihre Passion ist aber die Medizin. Seit mehr als 20 Jahren gehört Marianne Koch zum Team der „Gesundheitssprechstunde“ im Bayerischen Rundfunk. Bis 2011 stand sie 14 Jahre lang als Präsidentin der Deutschen Schmerzliga vor und ist ihr als Ehrenpräsidentin weiterhin verbunden. 2019 bekam Koch für ihr Engagement die Paracelsus-Medaille verliehen, die höchste Auszeichnung der Bundesärztekammer. Und ihr Engagement geht weiter: Nach einem Buch über das Immunsystem im vergangenen Jahr erscheint nun ihr Ratgeber zum Älterwerden. (dpa)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Vergleich der Kreise

Wo sich besonders wenige Senioren gegen Pneumokokken impfen lassen

Bessere Rahmenbedingungen von Politik gefordert

Experten alarmiert: Social Media verdrängt wichtiges Spielen bei Kindern

Das könnte Sie auch interessieren
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Influenza-Saison 2026/27

Bestellung von Grippe-Impfstoffen: jetzt!

Lesetipps
Tablette, auf der GLP-1 steht

© THIBNH / Generated with AI / Stock.adobe.com

Neuer GLP-1-Rezeptoragonist

Orforglipron: Bekommt Semaglutid jetzt Konkurrenz?

Ein Stempel mit der Aufschrift "Regress"

© Gina Sanders / stock.adobe.com |

Interview zum Vertragsarztrecht

Regress-Prävention: Wie Ärzte Formfehlern aus dem Weg gehen