Neuer Fernsehdoktor

Neue Serie um Chefarzt Ballouz: Vergnüglich und nicht ganz platt

Schon wieder eine neue Arztserie – dieses Mal mit einem Chefarzt, der trotz oder gerade wegen persönlicher Schicksalsschläge viel Empathie für seine Patienten hat.

Von Christoph FuhrChristoph Fuhr Veröffentlicht:
Filmfigur Dr. Armin Ballouz arbeitet als Chefarzt in der Uckermark-Klinik und fährt ganz unstandesgemäß einen Trabant.

Dr. Armin Ballouz arbeitet als Chefarzt in der Uckermark-Klinik und fährt ganz unstandesgemäß einen Trabant.

© Stefan Erhard / ZDF

Mainz. Echte Fans von Arztserien haben oft ein ganz spezielles Bild vom Krankenhausalltag. In ihrer idealisierten Klinik-Welt sind engagierte Ärzte unermüdlich im Einsatz, sie beherrschen jede medizinische Disziplin, haben nie Feierabend und immer reichlich Zeit für ihre Patienten.

Dr. Ballouz (Merab Ninidze), Titelfigur der in der vergangenen Woche gestarteten gleichnamigen ZDF-Arztserie, wird den Erwartungen dieser Fans gerecht. Er ist ein medizinischer Überflieger, der im Provinzkrankenhaus Uckermark als Neurochirurg ebenso überzeugt wie als Kardiologe, Notfallmediziner, Gynäkologe und Pädiater. Und Ballouz hat weitere Qualitäten, die das Herz erfreuen. Er ist uneitel, empathisch, hilfsbereit und alles andere als ein Besserwisser.

Filmfigur mit echtem Vorbild

Das Leben hat es mit diesem Mann nicht wirklich gut gemeint. Er hat als Kriegsflüchtling schlimme, traumatische Erfahrungen gemacht. Und genau dieses dramaturgische Detail ermöglicht es den Drehbuchschreibern, dem Friede-Freude-Eierkuchen-Charakter anderer Arztserien zu widerstehen – wenn auch mit Ach und Krach, denn die Niederungen dieses Filmgenres sind ab und an verdächtig nah zu erkennen. Dem Schauspieler Merab Ninidze gelingt es aber, Ballouz als eine glaubwürdige Figur zu entwickeln. Ninidze ist ein international bekannter Star, der einst zum Beispiel die männliche Hauptrolle im Oscar-gekrönten Film „Nirgendwo in Afrika“ gespielt hat.

Der echte Landarzt Amin Ballouz diente als Vorlage für den Fernsehdoktor. Er hat eine Praxis in Schwedt in der Uckermark und geht auch mit dem Trabbi auf Hausbesuch.

Der echte Landarzt Amin Ballouz diente als Vorlage für den Fernsehdoktor. Er hat eine Praxis in Schwedt in der Uckermark und geht auch mit dem Trabbi auf Hausbesuch.

© Rolf Kremming / picture alliance

Bemerkenswert, dass es den Namensgeber der Serie tatsächlich gibt. Dr. Amin Ballouz floh als Jugendlicher aus dem kriegszerrütteten Libanon, arbeitete in Kliniken in London und Paris und schließlich als Landarzt in der Uckermark. Die Macher der ZDF-Serie haben sich von diesem Arzt inspirieren lassen.

Auch die Filmfigur Ballouz ist laut Drehbuch geflüchtet vor einem Krieg, der in seiner Heimat wütete. Um welches Land es sich dabei handelte, erfahren die Zuschauer nicht, und es ist für die Dramaturgie auch nicht wichtig. Ballouz hat einst seine Eltern und Geschwister verloren. Und er hat erst vor einigen Wochen von seiner Frau Mara unter tragischen Umständen Abschied nehmen müssen. Mit all seiner Erfahrung konnte er ihr nicht helfen, als sie schwer verletzt in die Klinik eingeliefert wurde, in der er als Chefarzt arbeitet.

Um das Vertrauen der kleinen Patientin Flori zu gewinnen, macht Filmfigur Dr. Ballouz er in einer Folge ein Röntgenbild von Emil dem Stoffhasen.

Um das Vertrauen der kleinen Patientin Flori zu gewinnen, macht Dr. Ballouz in einer Folge ein Röntgenbild von Emil dem Stoffhasen.

© Stefan Erhard / ZDF

Und so liefert die Serie Geschichten aus dem (Filmklinik)-Leben, die viel Raum für Emotionen lassen. Da ist die hochschwangere Christine, die nach einem schweren Fahrradunfall zurecht um das Leben ihres ungeborenen Babys fürchtet. Da ist die kleine Flori, die Angst hat, wieder im Waisenhaus zu landen, weil die Adoptiveltern ein leibliches Baby bekommen. Und da ist der junge Vater, der mit seinen Kindern in die Klinik kommt, weil er sich beim Ballspielen den Arm gebrochen hat. Die Diagnose ist niederschmetternd: es handelt sich um ein Osteosarkom mit multiplen Lungenmetastasen. Hier kann es kein Happy End geben.

Wenn Ballouz morgens im verknitterten Trenchcoat mit einem hellblauen Trabant deluxe auf seinen Klinikparkplatz fährt, dann steht meist direkt nebenan ein protziges Porsche-Sportcabriolet. Besitzer ist der ehrgeizige und gut aussehende Oberarzt Dr. Mark Schilling (Daniel Fritz), der Ballouz lieber heute als morgen als Klinikchef beerben möchte.

Schilling ist ein Tausendsassa, und seinem Charme kann sich auch Assistenzärztin Dr. Michelle Schwan (Nadja Bobyleva) nicht entziehen. Nach einer Nacht mit Schilling vertraut sie sich Oberschwester Irina (Monika Wojtyllo) an und erhält eine harsche Botschaft fürs Leben: „Never fuck the company!“

Vergnüglicher Feierabend-Stoff

Sind das Szenen aus den Niederungen des Klinikalltags? Egal, richtig gute Fernsehunterhaltung ist es allemal. Wer also auf der Flucht ist vor Karl Lauterbach und anderen üblichen Verdächtigen, die Abend für Abend in einschlägigen TV-Talkformaten immer wieder neu die Corona-Welt im Wandel erklären, der ist in der Uckermark-Klinik gut aufgehoben. Bitte umschalten aufs ZDF. Die Serie hat sechs Teile, Dr. Ballouz steht am Donnerstagabend vor neuen Herausforderungen. Der Mann hat keinen Feierabend.

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