Ohrkerzen und Kanonenkugeln gegen das Schnarchen

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Von Petra Albers

Es sorgt für Streit im Schlafzimmer, treibt Partner zur Verzweiflung und soll sogar schon Ehen entzweit haben: das Schnarchen. Seit Jahrhunderten suchen Menschen nach Methoden gegen nächtliche Sägekonzerte - etwa 400 mehr oder weniger wirksame Mittel sind in Alfeld bei Hildesheim in Niedersachsen ausgestellt. Der Internist und Schlafforscher Joseph Alexander Wirth hat sie zum nach eigenen Angaben einzigen "Schnarchmuseum" der Welt zusammengetragen.

Da gibt es "Schnarchmasken" aus dem 19. Jahrhundert - Lederriemen, die sich die Menschen um das Kinn schnallten, um den Mund geschlossen zu halten. "Richtige Folterinstrumente", meint Wirth schmunzelnd. Schnarchenden Soldaten im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg wurde eine Kanonenkugel auf die Rückseite der Uniform genäht, damit sie sich nicht auf den Rücken drehten und die Kameraden am Schlafen hinderten. Diese Methode wird in ähnlicher Form noch heute angewendet - mit einem dicken Schaumstoffkissen im Rücken oder eingenähten Tennisbällen.

Auch eine "Ohrkerze" ist zu sehen, die sich Schnarcher in Seitenlage ins Ohr stecken können. Aus dem brennbaren Hohlröhrchen ziehen ätherische Öle in die Atemwege und sollen so angeblich das lästige Sägegeräusch stoppen.

Wie jemand allerdings in dieser Haltung überhaupt einschlafen soll - das läßt der Erfinder offen. In einer anderen Vitrine liegen Mundprothesen, die den Unterkiefer nach vorne schieben, und Nasenspangen, die die Nasenflügel weiten, damit der Schnarcher besser Luft bekommt. Elektrische Geräte, die an Arm oder Bein geschnallt werden, beginnen beim Schnarchen zu vibrieren - oder geben als brutale Variante sogar Stromschläge ab.

Schnarchen entsteht bekanntlich, wenn die Nasenatmung eingeschränkt ist und die schlaffe Muskulatur im Rachenraum in Schwingungen versetzt wird. Am häufigsten tritt es beim Schlafen in Rückenlage auf, weil der Zungenmuskel nach hinten fällt.

Nach Angaben des VdK-Fachverbands Schlafapnoe in Bonn schnarchen etwa die Hälfte aller Menschen in Deutschland. Etwa vier Prozent leiden an Schlafapnoe. Ihnen hilft oft nur ein Beatmungsgerät, das die Atemwege ständig mit Luft füllt. Auch solch seriöse Behandlungsmethoden werden im Museum gezeigt.

Viele der Kuriositäten hat Wirth im Laufe der Jahre von Patienten geschenkt bekommen. "Ich bewahrte das alles im Keller auf und dachte dann: Warum nicht ein Museum daraus machen?" Über das Internet sammelte der 55jährige weitere Ausstellungsstücke und eröffnete 2000 schließlich das Schnarchmuseum, unterstützt von der Alfelder Schlafapnoe-Gesellschaft.

Nun kommen jährlich etwa 1000 Besucher in das kleine Häuschen mitten in einem Alfelder Wohngebiet. "Die Menschen sollen lächelnd ins Museum hineingehen und belehrt wieder heraus", sagt Wirth, der Leiter des Instituts für Schlafdiagnostik in Alfeld ist.

Schnarcher können sich damit trösten, daß im Laufe der Geschichte auch viele Prominente nachts fleißig Bäume gesägt haben: Der frühere britische Premierminister Winston Churchill, der Komponist Johannes Brahms, der Physiker Albert Einstein, aber auch der griechische Weingott Dionysos sollen dazu gehören.

Viele Erzählungen und Karikaturen beschäftigen sich ebenfalls mit dem Thema. Und in der Vitrine neben diesen Büchern und Bildern stehen eine ganze Reihe von Puppen und Stofftieren, die beim Drücken oder Aufziehen selig vor sich hin schnarchen.

Öffnungszeiten des Schnarchmuseums: Mittwoch, Samstag und Sonntag, 15 bis 18 Uhr. Informationen im Internet unter: www.schnarchmuseum.de

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