Drei Wochen höchstens

Anspruch auf schnellen Facharzttermin: SPD-Vorstoß lässt KBV zürnen – und scherzen

Wie lange sollen gesetzlich Versicherte auf einen Termin beim Facharzt warten? „Angemessen wären drei Wochen“, meint SPD-Fraktionschef Matthias Miersch – und fordert einen gesetzlichen Anspruch. KBV-Chef Andreas Gassen reagiert prompt.

Veröffentlicht:
Ein Wartezimmer einer Arztpraxis, in dem drei leere Stühle stehen.

„Politische Wunschträume“: Blick in ein leeres Wartezimmer einer Arztpraxis. (Symbolbild)

© Jennifer - stock.adobe.com

Berlin. Die bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz hart abgestraften Sozialdemokraten versuchen ihr gesundheitspolitisches Profil zu schärfen – und gehen erneut in die Vollen: Der Chef der SPD-Bundestagsfraktion, Matthias Miersch, möchte einen Anspruch auf einen zeitnahen Termin beim Facharzt gesetzlich verankert wissen.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion warten gesetzlich Krankenversicherte im Schnitt 42 Tage auf einen Facharzttermin. „Angemessen wären drei Wochen“, sagte Miersch jetzt dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“.

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Für eine schnellere Terminvergabe will Miersch die Fachärztinnen und Fachärzte in die Pflicht nehmen. Wer keine Termine anbiete, dessen Budget solle sinken. Krankenhäuser könnten mit ambulanten Arztterminen einspringen.

„Termine nach medizinischer Notwendigkeit“

Die Reaktion aus der Vertragsärzteschaft fällt eindeutig aus. „Termine werden nach medizinischer Notwendigkeit vergeben – nicht nach politischen Wunschträumen“, kontert der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Gassen. Er macht bei „führenden Politikvertretern“ eine „Unkenntnis der realen Versorgungssituation“ sowie eine „unerträgliche Regelungswut“ aus. Damit aber laufe man „ins Leere“.

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Gassen rechnet vor: „Eine Milliarde Arzt-Patienten-Kontakte und rund 600 Millionen Behandlungsfälle jährlich sprechen eine beredte Sprache und bilden 97 Prozent des Versorgungsgeschehens ab.“ Mehr als 40 Millionen Termine erbrächten die fachärztlichen Kolleginnen und Kollegen umsonst, sozusagen „aufs Haus“.

Hinter der Forderung, das ohnehin nicht ausreichende ärztliche Budget mit einem „Bonus-Malus-System“ zu versehen, stecke offenbar die „Erwartung, dass die Praxen bei immer weniger finanziellen Mitteln für die Patientenversorgung trotzdem immer mehr leisten“, so Gassen. Jüngste Wahlergebnisse zeigten aber, „dass auch die Menschen in unserem Land solche Vorschläge nicht mehr ernst nehmen oder gar goutieren“.

40 Millionen Termine für umme

Für SPD-Mann Miersch hat der Ärztechef noch einen „nicht ernst gemeinten Tipp“ parat: „Bitte auch die Zahl der Sonnenscheintage in Deutschland per Gesetz verbindlich regeln. Das wird das Wetter mächtig beeindrucken.“

Neu ist der Vorstoß für eine schnellere Terminvergabe nicht. Vor ein paar Wochen hatte der frühere Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) gefordert, dass sich gesetzlich Versicherte, die bei Bedarf binnen drei Wochen keinen Termin in der Facharztpraxis erhielten, in Krankenhäusern behandeln lassen sollten. (hom)

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