Patientinnen sexuell missbraucht? Pfleger droht Knast

Ein verbeamteter Pfleger soll in einem Bezirksklinikum in Niederbayern zwei psychisch kranke Patientinnen sexuell missbraucht haben. Den Job ist er erst mal los, es drohen ihm fünf Jahre Haft.

Thorsten SchaffVon Thorsten Schaff Veröffentlicht:
Schauplatz Bezirksklinikum Mainkofen: Dort soll ein Pfleger zwei Patientinnen sexuell missbraucht haben. Insgesamt hat das Klinikum 1404 Beschäftigte, darunter 100 Ärzte.

Schauplatz Bezirksklinikum Mainkofen: Dort soll ein Pfleger zwei Patientinnen sexuell missbraucht haben. Insgesamt hat das Klinikum 1404 Beschäftigte, darunter 100 Ärzte.

© Bezirksklinikum Mainkofen

DEGGENDORF. Missbrauchsvorwürfe schockieren Niederbayern: Ein Pfleger des Bezirksklinikums Mainkofen in Deggendorf wird verdächtigt, zwei psychisch kranke Patientinnen sexuell missbraucht zu haben. Zu den Vorfällen soll es Anfang 2011 gekommen sein.

Gegen den Beschuldigten wird ermittelt, nachdem der Bezirk Niederbayern als Träger des Klinikums einen Vorfall zur Anzeige gebracht hat.

"Die Ermittlungen sind weitgehend abgeschlossen", sagte die leitende Oberstaatsanwältin Kunigunde Schwaiberger im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Der Tatverdächtige ist verbeamtet

Anfänglich seien die Ermittler nur von einem Vorfall mit einer Patientin ausgegangen. Während der Untersuchung hätten sich aber Hinweise auf einen weiteren Übergriff auf ein zweites Opfer ergeben, so Schwaiberger. Der Tipp kam "aus dem Umfeld der Patientin".

Bei dem Tatverdächtigten handelt es sich nach Auskunft der Staatsanwaltschaft um einen 55-Jährigen.

Der Krankenpfleger ist verbeamtet, wie Walter Ragaller, Sprecher des Bezirks Niederbayern, gegenüber der "Ärzte Zeitung" bestätigte. Derzeit ist der Beschuldigte vom Dienst freigestellt, gegen ihn läuft ein Disziplinarverfahren.

In welcher Fachklinik er gearbeitet hat, darüber wollten weder Bezirk noch Staatsanwaltschaft oder Klinikleitung Auskunft geben. Das Bezirksklinikum Mainkofen verfügt über die Fachkliniken Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Forensische Psychiatrie, Neurologie und Neurologische Frührehabilitation.

Patientin informiert Klinikleitung

Im Januar hatte sich nach Auskunft des Bezirks-Sprechers eine 63 Jahre alte Patientin der Klinikleitung anvertraut und berichtet, von dem 55-jährigen Pfleger sexuell missbraucht worden zu sein.

Der Beschuldigte räumte den Vorfall ein, erzählte aber eine andere Entstehungsgeschichte. "Der Pfleger sagte, es sei von der Dame ausgegangen", berichtete Ragaller.

Das zweite vermeintliche Opfer ist laut Staatsanwaltschaft 30 Jahre alt. Sie behauptet ebenfalls, einmal vom 55-Jährigen missbraucht worden zu sein.

In welcher Fachklinik die Patientinnen untergebracht waren und ob sie auch jetzt noch im Bezirksklinikum behandelt werden, dazu wollten sich Klinik und Träger nicht äußern.

Zumindest bei der 63-Jährigen konnte Bezirks-Sprecher Ragaller davon berichten, dass sich ihre Erkrankung nach dem vermeintlichen sexuellen Übergriff nicht verschlimmert habe.

Es drohen fünf Jahre Haft

Sind die Ermittlungen abgeschlossen, wird Anklage erhoben. Der Tatvorwurf lautet "Sexueller Missbrauch unter Ausnutzung eines Beratungs-, Behandlungs- oder Betreuungsverhältnisses".

Nach Auskunft von Oberstaatsanwältin Schwaiberger droht dem Pfleger bei einer Verurteilung bis zu fünf Jahre Haft.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Situation im Gesundheitswesen

Umfrage: Große Bedenken wegen hausärztlicher Versorgung

Das könnte Sie auch interessieren
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Innovationsforum für privatärztliche Medizin

© Tag der privatmedizin

Tag der Privatmedizin 2025

Innovationsforum für privatärztliche Medizin

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer und Vizepräsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, hofft, dass das BMG mit der Prüfung des Kompromisses zur GOÄneu im Herbst durch ist (Archivbild).

© picture alliance / Jörg Carstensen | Joerg Carstensen

Novelle der Gebührenordnung für Ärzte

BÄK-Präsident Reinhardt: Die GOÄneu könnte 2027 kommen

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Detailansicht eines Windrades: Bringt eine ökologisch nachhaltige Geldanlage auch gute Rendite? Anleger sollten auf jeden Fall genau hinschauen.

© Himmelssturm / stock.adobe.com

Verantwortungsbewusstes Investment

„Nachhaltig – das heißt nicht, weniger Rendite bei der Geldanlage!“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank)
Protest vor dem Bundestag: Die Aktionsgruppe „NichtGenesen“ positionierte im Juli auf dem Gelände vor dem Reichstagsgebäude Rollstühle und machte darauf aufmerksam, dass es in Deutschland über drei Millionen Menschen gebe, dievon einem Post-COVID-Syndrom oder Post-Vac betroffen sind.

© picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt

Symposium in Berlin

Post-COVID: Das Rätsel für Ärzte und Forscher

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: vfa und Paul-Martini-Stiftung
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Ein Netzwerkkabel

© tbcgfoto / stock.adobe.com

Abrechnung in Gefahr

TI: Alte Konnektoren müssen bis Ende 2025 ausgetauscht sein!

Ein Mädchen wird geimpft.

© KMPZZZ / stock.adobe.com

Cochrane Reviews

HPV-Impfung schützt vor Gebärmutterhalskrebs und Krebsvorstufen