Deutschland

Neuer Höchststand: Über 9.500 Syphilis-Fälle 2024 gemeldet

Während der Pandemiejahre sank die Zahl der Neuinfektionen mit dem Syphilis-Erreger Treponema pallidum. Seit 2022 steigen sie wieder an. Mit über 9.500 gemeldeten Fällen im vergangenen Jahr wurde laut dem Epidemiologischen Bulletin ein neuer Höchststand erreicht.

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Eine Hand mit dem bekannten Syphilis-Ausschlag.

Bekannterweise erfolgt Syphilis in vier Stadien. Ein Exanthem tritt in der Regel ab Stadium 2 auf. (Symbolbild)

© Stock Media Labs / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell(en))

Berlin. Die Anzahl der Syphilis-Fälle stieg im Jahr 2024 gegenüber dem Vorjahr um 3,9 Prozent und im Jahr 2023 um 9,6 Prozent an. Dies geht aus dem Epidemiologischen Bulletin (Epid Bull 39/2025) des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor.

Bundesweit lag die Syphilis-Inzidenz im Jahr 2024 mit 11,2 Fällen pro 100.000 Einwohner über der Inzidenz des Jahres 2023 (10,8) sowie über dem Median der fünf Vorjahre (9,5). Insgesamt wurden 9.529 Fälle (Stand: 25. September 2025) an das RKI gemeldet (siehe nachfolgende Grafik).

Neu diagnostizierte, behandlungsbedürftige Syphilis-Infektionen werden seit Inkrafttreten des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) 2001 nichtnamentlich an das RKI gemeldet.

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Syphilis-Konzentration in den Ballungsräumen

Wie in den Vorjahren sind auch dieses Mal große Unterschiede in der Syphilis-Inzidenz zwischen den Bundesländern zu beobachten. Die mit Abstand höchsten Inzidenzen wurden in den Stadtstaaten Berlin (35,7 Fälle pro 100.000 Einwohner) und Hamburg (30,3 Fälle pro 100.000 Einwohner) registriert.

Etwas höher als der Bundesdurchschnitt lag die Inzidenz auch in Bremen (14,0 Fälle pro 100.000 Einwohner). In allen anderen Bundesländern lagen die Inzidenzen unter dem Bundesdurchschnitt. Die niedrigsten Werte wurden in Sachsen-Anhalt (6,7 Fälle pro 100.000 Einwohner), Thüringen (6,6 Fälle pro 100.000 Einwohner) und Brandenburg (4,5 Fälle pro 100.000 Einwohner) registriert.

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Den größten Zuwachs an Fällen gab es im Jahr 2024 im Saarland mit 72,2 Prozent. Am geringsten war der Zuwachs in Nordrhein-Westfalen mit 0,3 Prozent. Auch zwischen den Bundesländern mit zurückgegangenen Inzidenzen gab es deutliche Unterschiede: Der Rückgang betrug zwischen -1,0 Prozent in Hessen und -27,3 Prozent in Brandenburg.

Relative Anstiege von über 50 Prozent zwischen 2023 und 2024 wurden aus Städten mit 30 oder mehr gemeldeten Infektionen berichtet, darunter Trier, Oberhausen, Karlsruhe, Ulm, Fürth, Mönchengladbach, Halle, Mainz und Saarbrücken.

Syphilis: Männer deutlich häufiger infiziert

Der Frauenanteil bei den gemeldeten Syphilisfällen lag im Jahr 2024 bei 7,6 Prozent und damit leicht über dem Niveau der Vorjahre (2023: 6,7 Prozent).

Die Syphilis-Inzidenz unterschied sich damit erheblich zwischen den Geschlechtern: Sie lag bei Männern mit 20,8 Fällen pro 100.000 Einwohner um das Zwölffache höher als bei Frauen mit 1,7 Fällen pro 100.000 Einwohner. Im Jahr 2023 wurden 17 Fälle mit der Geschlechtsangabe „divers“ gemeldet, im Jahr 2024 waren es 35.

Mit 42,8 Fällen pro 100.000 Einwohner wiesen 30- bis 39-jährige Männer die höchste Inzidenz auf. Ebenfalls besonders hoch waren die Inzidenzen in den Altersgruppen der 25- bis 29-Jährigen (37,3) und der 40- bis 49-Jährigen (36,5).

Bei Frauen war die höchste Inzidenz bei den 20- bis 24-Jährigen mit 4,5 Fällen pro 100.000 zu verzeichnen, gefolgt von den 25- bis 29-Jährigen mit 4,2 und den 30- bis 39-Jährigen mit 3,8. Diese Altersverteilung entsprach sowohl bei Frauen als auch bei Männern der der Vorjahre. Dreiviertel der gemeldeten Personen gaben Deutschland als Herkunftsland an.

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Für drei Viertel der Fälle lagen Angaben zum Infektionsweg vor: 82 Prozent wurden durch Männer, die mit Männer Sex haben (MSM) übertragen, 17,09 Prozent über heterosexuelle Transmissionswege. Acht Fälle berichteten von kongenitaler Syphilis.

Damit ging der Anteil von Fällen, die vermutlich über sexuelle Kontakte zwischen Männern übertragen wurden, im Vergleich zu den Vorjahren leicht zurück, während der Anteil heterosexuell erworbener Infektionen leicht anstieg.

Aus den Daten lässt sich ebenfalls ablesen, dass die Infektionen in unterschiedlichen klinischen Stadien festgestellt wurden. So wurde bei MSM ein hoher Anteil der Diagnosen verhältnismäßig früh gestellt, während es bei heterosexuellen Männern und insbesondere Frauen deutlich häufiger zu später gestellten Diagnosen kam.

Das RKI schreibt, dass dies den unterschiedlichen Zugang zu Präventions-, Beratungs-, Test- und Behandlungsangeboten widerspiegelt. (eb)

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