Gesellschaft

Pubertäre Geschichten aus dem "Neandertal"

FRANKFURT/MAIN (Smi). "Neandertal" läuft derzeit in den Kinos. Der Spielfilm zeigt, wie es ist, mit einer Hautkrankheit leben zu müssen. Es geht um die Atopische Dermatitis.

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Schuppende Ekzeme und quälender Juckreiz - der 17-jährige Guido (Jacob Matschenz) leidet seit seiner frühesten Kindheit an Neurodermitis. Nach einem schweren Schub wird Guido ins Krankenhaus eingeliefert. Hier, losgelöst von seinem Elternhaus, beginnt er, seine Umwelt zu hinterfragen. Er entdeckt, dass die vermeintlich heile Welt seiner Eltern auf Lügen aufgebaut ist. Nach seiner Entlassung kehrt er nicht mehr nach Hause zurück, sondern flieht in die Wohngemeinschaft seines Bruders.

Der Drehbuchautor und Regisseur Ingo Haeb hat in dem Spielfilm "Neandertal" einen Teil seiner eigenen Biografie verarbeitet. "Neurodermitis ist für mich der körperliche Ausdruck mangelnder seelischer Abgrenzungsfähigkeit", sagt der Filmemacher. "‚Neandertal‘ umkreise dieses Thema in Form einer Geschichte vom Erwachsenwerden, "basierend auf meinen eigenen Erfahrungen und Erlebnissen als Jugendlicher."

In Haebs Film wird die Haut des Protagonisten Ausdruck einer als krank erlebten Umwelt, die sowohl das gestörte Familienleben als auch die Enge der Provinz umschließt. Erzählt wird die Geschichte eines Ausbruchversuchs und die Suche nach einer selbst bestimmten Identität.

In diesem Sinne setzt "Neandertal" buchstäblich die Häutungsprozesse des Erwachsenwerdens ins Bild.

In der Wohngemeinschaft seines Bruders lernt Guido den charismatischen, aber auch rücksichtslosen Tagelöhner Rudi (Andreas Schmidt) kennen. Er beneidet den Älteren um seine Unabhängigkeit und seinen Lebensmut und lernt von ihm, egoistischer zu sein. Je selbstbestimmter sich sein Leben gestaltet, desto weniger Probleme macht ihm seine Krankheit. Doch dann stürzt seine Mutter (Johanna Gastdorf) im Alkoholrausch und verletzt sich dabei schwer. Guidos neu gewonnene Zuversicht wird auf eine Probe gestellt.

Der Spielfilm "Neandertal" feierte seine Premiere auf den 40. Internationalen Hofer Filmtagen und lief unter anderem auf dem Max-Ophüls-Festival und der Berlinale. Seit seinem Bundesstart vergangene Woche ist der Film vor allem in Programmkinos zu sehen.

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