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Querschnittgelähmte radeln mit eigener Muskelkraft

Von Klaus-Peter Voigt Veröffentlicht:

Menschen mit Querschnittlähmung können dank einer Idee aus Magdeburg wieder radfahren. Ein RehaBike, laut Hersteller eine Weltneuheit, läßt die über Jahre untrainierten Patienten ein kleines Wunder erleben. Ihnen gelingt es nunmehr aus eigener Muskelkraft, sogar längere Strecken selbständig zu bewältigen.

Geheimnis und Herzstück der Erfindung ist ein Stimulator. Das unscheinbare Gerät entpuppt sich als High-Tech-Minicomputer. "Elektrische Impulsen stimulieren Muskeln so, als wenn die Signale direkt aus dem Gehirn kämen", sagt Peter Weber, der Geschäftsführer der Hasomed GmbH Magdeburg und einer der geistigen Väter der Entwicklung.

Im Gegensatz zu Therapien in der neurologischen Rehabilitation bewegten sich Beine oder Arme tatsächlich durch Muskeln. Mit der sogenannten funktionellen Elektrostimulation werden die sonst aus dem Gehirn kommenden Befehle imitiert. Auf diese Weise gelingt letztlich das Fahren auf dem Dreirad, dessen Geschwindigkeit der Patient durch einen Gasgriff reguliert.

Künftig ermöglichen solche Aktivitäten eine weitaus höhere Lebensqualität bei Betroffenen als bisher. Sie sind etwa durch Schlaganfälle oder Schädel-Hirn-Verletzungen erheblich in ihren Bewegungsfähigkeiten eingeschränkt. Zugleich verbessert sich die Herz-Kreislauf-Situation, erhält die Haut eine optimale Durchblutung, und wird Druckgeschwüren entgegengewirkt. Das in Forschungseinrichtungen beispielsweise in Deutschland, der Schweiz und Großbritannien eingesetzte Verfahren, verlasse dank der Magdeburger Ingenieure erstmals tatsächlich das Laborstadium, erläutert Andrea Weber, zuständig für den Vertrieb.

Parallel dazu entstand mit RehaMove ein Gerät, dessen Grundlage ein handelsüblicher Bewegungstrainer ist, und das nach dem gleichen Prinzip arbeitet. Bei der Entwicklung wurde mit dem Max-Planck-Institut in Magdeburg, der Universität Glasgow in Schottland und verschiedenen Kliniken zusammengearbeitet. Die ersten Räder bestanden ihre Bewährungsprobe. "Für uns ist es schön, wenn wir das Leuchten in den Augen der Nutzer sehen, die ein Stück Freiheit zurückgewinnen," sagt Andrea Weber.

Carmen Brück aus Worms gehört zu den ersten Fahrern des RehaBike. Sie trainierte bisher auf unterschiedlichen Sonderanfertigungen und konnte jetzt ihr eigenes Rad von der Stange kaufen. Bei einem internationalen Wettkampf in Cardiff, auf dem fast nur Prototypen am Start waren, belegte sie damit im Sommer beim 100-Meter-Fahren den ersten Platz. "Ich habe durch das Dreirad Lebensqualität zurückgewonnen. Mit ihm kann ich, ohne unter Gesunden aufzufallen, wie es ja beim Rollstuhl der Fall ist, selbständig unterwegs sein", erzählt die querschnittgelähmte Frau.

Die Hasomed GmbH wurde 1995 in Magdeburg gegründet. Sie geht auf eine Spezialabteilung der Medizinischen Akademie, dem heutigen Uniklinikum, zurück. Dort wurden zu DDR-Zeiten wissenschaftliche Geräte gebaut, die in der Hirnforschung zwischen Rügen und dem Vogtland eingesetzt wurden. Bereits damals galt Magdeburg als Zentrum der Hirnforschung. "Diese Fertigung war nach der Wende in Frage gestellt, und wir entschlossen uns, das Wissen in einem innovativen Betrieb weiter zu nutzen", erklärt Peter Weber rückblickend.

Forschungseinrichtungen in der Stadt wie das Fraunhofer Institut und das Uniklinikum gehören zu den Partnern des Betriebes, der heute etwa 30 Mitarbeiter beschäftigt und vor gut zehn Jahren mit vier Leuten startete. Über drei Millionen Euro wurden in Technik und Gebäude investiert. (ddp.vwd)

Infos im Internet unter: www.hasomed.de

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