Gesellschaft

Sporttraining gegen Depression

Sportvereine sollen neuer Partner im Kampf gegen die Volkskrankheit Depression werden. Ein moderates Ausdauertraining soll Patienten helfen.

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HANNOVER (dpa). Psychiater und Sportwissenschaftler haben ein spezielles Trainingsprogramm für Menschen mit Depressionen entwickelt. Die Wirksamkeit des für Sportvereine konzipierten Angebots wird jetzt in einer Studie erprobt.

Bewegung helfe bei Depressionen, doch es gebe viel zu wenige spezifische Sport- und Bewegungstherapien, sagte Professor Marc Ziegenbein, stellvertretender Direktor der MHH-Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie.

Nach den Vorstellungen der Forscher soll das Programm "Aktiv aus dem Stimmungstief" in Vereinen genauso selbstverständlich werden wie zum Beispiel Rückengymnastik oder Kurse für Herzpatienten.

Entwickelt wurde ein moderates Ausdauertraining, das im Anschluss an den Kurs selbst weitergeführt werden kann. "Auf dem Programm stehen beispielsweise Walking, leichtes Lauftraining und spielerische Übungen", sagte der Sportwissenschaftler Olaf Hoos von der Uni Marburg.

Insgesamt nehmen 50 Patienten an der Studie teil, sie treffen sich drei Mal wöchentlich zu Trainingseinheiten von 45 bis 60 Minuten. Ziele sind die Verminderung der depressiven Symptome, ein besseres Körpergefühl und Selbstbewusstsein.

Erreicht werden soll auch, dass die Betroffenen wieder mehr unter Menschen kommen. Die Patienten werden in zwei Gruppen eingeteilt, von denen eine später startet. Die Bereitschaftspolizei Würzburg stellt eine Kontrollgruppe mit Gesunden, die das Programm ebenfalls absolvieren.

Geschätzte vier Millionen Menschen leiden in Deutschland unter Depressionen. "Es ist eine richtig gute Idee, die Sportvereine ins Boot zu holen", sagte Professor Frank Schneider, Leiter des Referats Sportpsychiatrie der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde zu dem Projekt.

In psychiatrischen Kliniken sei Physiotherapie ein wichtiger Bestandteil jeder Behandlung, im ambulanten Bereich fehlten aber spezielle Bewegungsangebote für psychisch Kranke, sagte der Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Universitätsklinikum Aachen.

"Beim regulären Vereinstraining besteht ganz schnell die Gefahr der Überforderung", so Schneider. Depressionen seien nicht nur nervliche, sondern auch schwere körperliche Erkrankungen. "Auch wenn die Krankheit abgeklungen scheint, steckt sie noch viele Monate später in den Knochen", sagte Schneider.

Auch die Robert-Enke-Stiftung unterstützt das Projekt.

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