Spanien

Twitter-Grüße als Corona-Therapiehilfe

Hier waren die sogenannten Social Media mal wirklich „social“: Tausende Botschaften gaben einem 79-jährigen Corona-Patienten Kraft zum Weiterleben.

Von Manuel Meyer Veröffentlicht: 08.05.2020, 13:32 Uhr
Twitter-Grüße als Corona-Therapiehilfe

Über Twitter rief der spanische Arzt Carlos Hernández dazu auf, Nachrichten für seinen 79-jährigen Corona-Patienten zu schicken - als Mutmacher.

© alexander kirch / Getty Images / iStock

Madrid. Pedro Carvajal wollte nicht mehr kämpfen. Seit 46 Tagen lag der 79-jährige Rentner aus der südspanischen Extremadura bereits mit einer schweren COVID-19-Infektion im Krankenhaus und sein Gesundheitszustand wollte sich einfach nicht verbessern. Depressionen überkamen ihn.

Die Einsamkeit machte ihn kaputt. Die Familie fehlte ihm. Als dann auch noch der fünfte PCR-Test positiv ausfiel, wollte Pedro aufgeben. „Bevor das so weitergeht, möchte ich lieber sterben“, sagte er seiner Tochter Loli am Telefon.

Auch dem behandelnden Arzt Carlos Hernández wurde klar, dass sich Pedro am Limit befand. So entschied er sich zu einem Alarmaufruf in den sozialen Medien. „Ich habe einen 79 Jahre alten Patienten, der nun zum fünften Mal positiv auf COVID-19 getestet worden ist und nach 46 Tagen im Krankenhaus das Handtuch schmeißen will. Wenn Ihr mir Botschaften schicken könntet, um ihm Mut zuzusprechen, würde ich sie ihm weiterleiten“, schrieb der junge Familienarzt auf seinem Twitter-Account.

Tweets aus aller Welt

Er rechnete mit ein paar Dutzend Rückmeldungen. Doch nach wenigen Stunden gingen bereits 300 Tweets und Facebook-Botschaften ein. Am nächsten morgen waren es bereits 1500. Nach wenigen Tagen waren es 15.000! Der Hilfeaufruf ging viral. Es kamen sogar Mails und Tweets aus Mexiko, Kolumbien, Island, Japan, Marokko, China, Kanada oder Peru. In lokalen Radiosendern schickten Menschen Pedro Besserungswünsche.

„Hallo Pedro, ich bin ein Jahr älter als Du und ich möchte Dich daran erinnern, dass unsere Generation eine Kämpfergeneration ist. Wir haben niemals das Handtuch geworfen, selbst in der schweren Nachkriegszeit nicht. Ich möchte Dich und Deine Frau diesen Sommer zu uns nach Benidorm einladen, um Dich fest zu drücken“, schrieb ein Pedro vollkommen Fremder aus der spanischen Küstenstadt.

Video aus dem Heimatdorf

Die spanische Polizei schickte ihm Grüße, Durchhalteparolen und sogar ein Video aus einem Polizeihubschrauber, auf dem Pedros Dorf Villafranco del Guadiana zu sehen ist.

Ein Spanier aus Lloret de Mar schrieb Pedro, dass auch sein Vater, Diabetiker und 72 Jahre, schwer an COVID-19 erkrankt war: „Nach zehn Tagen hatte ich mich schon darauf eingestellt, mich von ihm zu verabschieden. Doch dann erholte er sich. Ihr seid eine Kämpfergeneration. Bleibt mutig und zuversichtlich. Auch Du wirst dieses Virus besiegen“.

Tochter liest Texte vor

„Ich war überwältigt von den Nachrichten und dieser Anzahl an Rückmeldungen. Ich druckte Hunderte von ihnen aus und gab sie Pedros Tochter, damit diese sie ihm am Telefon vorlesen konnte“, berichtete Arzt Hernández der Tageszeitung El País. Der 79-jährige Rentner, der sein Leben lang in einer Tomatenfabrik arbeitete und in seinem 1500 Seelen-Dorf lebte, wusste gar nicht wie ihm geschieht.

Der Hilferuf seines Arztes zeigte Wirkung. Pedro fasste wieder Mut, weiter gegen das Coronavirus anzukämpfen. Nur knapp eine Woche später erhielt er die gute Nachricht. Der sechste PCR-Test fiel endlich negativ aus. Nach 53 Tagen und 15.000 Durchhaltebotschaften konnte er Anfang Mai das Krankenhaus verlassen.

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