Überflieger startet mit 16 ins Medizinstudium

Abitur mit 15, Start des Medizinstudiums mit 16: Deutschlands jüngster Student heißt Michael Jachmann. Seit einigen Monaten studiert er in München. Doch damit nicht genug: Der 800-Meter-Läufer will auch an den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften teilnehmen.

Von Pete Smith Veröffentlicht:
Start ins Medizinstudium mit 16: Michael Jachmann studiert seit Oktober an der LMU in München. © Marcus Schlaf

Start ins Medizinstudium mit 16: Michael Jachmann studiert seit Oktober an der LMU in München. © Marcus Schlaf

© Marcus Schlaf

MÜNCHEN. Als Überflieger würde er sich selbst nicht bezeichnen, als Streber schon gar nicht, wahrscheinlich sei er bloß "effizienter als manch anderer", ein "Saisonlerner" eben, mehr nicht. Dabei war Michael Jachmann erst 15, als er im Frühling vergangenen Jahres sein Abitur hingelegt hat - und das mit einem Notendurchschnitt von 1,2, dem zweitbesten seiner Schule! Ende Mai 2009 ist er 16 geworden und seit Beginn des Wintersemesters 2009/2010 Deutschlands wohl jüngster Medizinstudent.

Der Mann von der Schulbehörde glaubte zunächst an einen Computerfehler. Geburtsjahr 1993? Da konnte etwas nicht stimmen. Sicherheitshalber kontrollierte er den Eintrag. Und ja, alles hatte seine Richtigkeit: Abiturient Michael Jachmann aus Garmisch-Partenkirchen ist tatsächlich 1993 geboren. Er hat gleich drei Klassen übersprungen: am Domgymnasium in Freising die vierte sowie sechste Klasse und nach seinem Wechsel an das Werdenfels-Gymnasium in Garmisch-Partenkirchen dann auch noch die elfte Klasse.

Obwohl beide Eltern Juristen sind, hat sich Jachmann schon früh auf ein Medizinstudium festgelegt. Wieso? "Intuitiv", antwortet er im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung", "für mich kam nie etwas anderes in Betracht."

Möglicherweise hat sein früherer Kinderarzt den Samen gesetzt, aus dem jetzt das Studium erwuchs. Bei dem Pädiater in Freising jedenfalls hat Jachmann während seiner Schulzeit auch ein Praktikum absolviert, das ihm die weite Welt der Medizin erstmals vor Augen geführt hat. Naturwissenschaften hatten ihn schon immer fasziniert, Biologie und Chemie waren in der Schule seine Lieblingsfächer.

In welche Richtung er einmal gehen wird, weiß er noch nicht. "Ich habe noch zu wenig gesehen", erklärt Jachmann. Es ist ja auch gerade erst ein paar Monate her, dass er sein Studium an der Ludwig-Maximilian-Universität in München begonnen hat. Seinen Studienplatz hat er ganz normal über die ZVS erhalten, die in diesem Jahr einen Numerus clausus von 1,4 forderte, den Jachmann locker unterbot. Die Kommilitonen hätten ihn gut aufgenommen, sein Alter spiele keine Rolle. "Fakultät und Lehre sind großartig", schwärmt der 16-Jährige, "auch wenn unser Semester etwas übervölkert ist." Alles in allem erwartet er an der Münchener Universität "eine intensive, wegweisende Zeit".

Während er die Schule eher als Pflicht empfand, ist die Universität seine Kür. Daher verschwendet er auch keinen Gedanken daran, wieder in Rekordzeit zu reüssieren. Vielmehr will er sich ein reiches Wissen und viele Kompetenzen aneignen, um einmal ein guter Arzt zu werden. Dass er dafür viel lernen muss, schreckt ihn nicht, auch wenn er das in der Schule eigenem Bekunden nach gar nicht gern gemacht hat.

"Dem Michi, dem gefällt's an der Uni total gut", freut sich seine Mutter Monika Jachmann, die als Richterin am Bundesfinanzhof in München arbeitet. Sie und ihr Mann, der als Anwalt und Steuerberater tätig ist, haben ihren Sohn selbst über seine Zukunft entscheiden lassen: in der Frage, ob er auch noch die dritte Klasse überspringen sollte, genauso wie bei der Wahl seines Studienfachs.

Seine Eltern unterstützen auch Michaels zweite Leidenschaft, die Leichtathletik. Als 800-Meter-Läufer hat er sich kein geringeres Ziel als die Deutsche Meisterschaft gesetzt. Ausreichend Zeit zum Training bleibe ihm trotz des Studiums, sagt der Jugendliche. Die Leichtathletik ist für ihn mehr als das reine Kräftemessen im Wettkampf. "Sport bedeutet für mich Lebensqualität und Freude", sagt er und umschreibt damit das, was ihm derzeit am wichtigsten ist.

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