Erhöhtes Risiko von Zoonosen

Was Transplantat-Empfänger bei Haustieren beachten sollten

Transplantat-Empfänger haben ein erhöhtes Risiko, bei Haustierhaltung an Zoonosen zu erkranken. Das Spektrum der Infektionen ist groß – und der Verlauf unter Immunsuppression ist häufig atypisch.

Von Nicola Siegmund-Schultze Veröffentlicht:
Hunde können – bei bestimmten Vorsichtsmaßnahmen – mit Transplantatempfängern zusammen leben.

So weit darf es nicht kommen. Hunde können – bei bestimmten Vorsichtsmaßnahmen – mit Transplantatempfängern zusammen leben.

© Luetjemedia / stock.adobe.com

Köln. Der Patient hatte ein Jahr nach einer Herztransplantation plötzlich Herzrhythmusstörungen und Fieber. Es folgte ein epileptischer Anfall. Eine Herzbiopsie ergab: Toxoplasmose.

Die MRT-Aufnahme machte einen Infektionsherd am Herzen sichtbar, das Schädel-CT einen weiteren im Gehirn. Der Patient hatte, so stellte sich heraus, regelmäßigen und auch engeren Kontakt zu Katzen eines Nachbarn.

Während bei immunkompetenten Menschen mehr als 90 Prozent der Toxoplasmoseinfektionen asymptomatisch chronifizieren, gibt es bei Immunsupprimierten häufiger aktive Infektionen oder Reaktivierungen persistierender Erreger.

„Risiko durch Zoonosen häufig unterschätzt“

Professor Andreas Zuckermann, Leiter der Herzchirurgischen Ambulanz am Universitätsklinikum AKH Wien, stellte die Kasuistik bei der 29. Jahrestagung des Deutschen Transplantationsgesellschaft vor, die als Präsenzveranstaltung in Köln und parallel virtuell stattfand. „Haustiere können eine wichtige emotionale Unterstützung für die Patienten sein und zu Bewegung motivieren“, so Zuckermann.

„Aber das Risiko durch Zoonosen wird häufig unterschätzt, das Thema müssen wir im Kontext einer Organtransplantation deutlich ansprechen. Wenn der Wunsch nach einem Haustier groß ist, sollte man sich auf Tiergruppen und Haltungsformen konzentrieren, bei denen sich die Risiken bewältigen lassen.“

Reptilien und Nager nicht geeignet

Nicht geeignet für Menschen mit fremdem Organ seien Vögel, Reptilien und Nagetiere: von ihnen gehe ein erhöhtes Risiko für die Übertragung seltener humanpathogener Erreger aus. Hunde oder Katzen könnten akzeptabel sein, wenn sie regelmäßig tierärztlich untersucht und bei der Anschaffung nicht jünger als zwölf Monate seien.

Denn Jungtiere machen viele Infektionskrankheiten durch und haben dabei oft keine Symptome. Außerdem sollten sie regelhaft geimpft sein. Diese Impfungen sind nicht mit Risiken für den Organempfänger assoziiert (Bundesgesundheitsbl 2010; 53: 357–88).

Neue Haustiere sollten veterinärmedizinisch untersucht werden, bevor es den ersten Kontakt zu einem Transplantatempfänger gibt. „Bei Haustieren, die in Kontakt mit immungeschwächten Patienten kommen, sind jährliche tierärztliche Kontrollen, Entwurmungen und eventuell Impfungen erforderlich“, sagte Zuckermann.

Bei Symptomen einer Infektion wie Diarrhöe sollte eine Erregerdiagnostik erfolgen, zum Beispiel auf Salmonellen, Campylobacter-Spezies oder Cryptosporidien.

Risiko für Multiorganbefall

Toxoplasma gondii kann vor allem bei Immunsupprimierten zu schweren, lebensbedrohlichen Erkrankungen führen. Interstitielle Pneumonie oder Enzephalitis sind mögliche Manifestationsformen einer Primärinfektion, es besteht das Risiko für einen Multiorganbefall.

Die Katze ist der Endwirt von T. gondii, Hund oder Mensch sind aber infizierbar. „Grundsätzlich ist es sinnvoll, Hunde und Katzen zu kastrieren, um Fremdkontakte zu reduzieren“, rät Zuckermann. „Die Tiere sollten im Haus gehalten werden, auch um den Kontakt zu wildlebenden Nagern zum Beispiel zu vermeiden.“

Generell solle kein rohes Fleisch verfüttert werden. Haustiere können sich darüber mit verschiedenen Pathogenen infizieren, zum Beispiel Yersinien. Bei Immunsupprimierten rufen Yersinien deutlich häufiger als bei immunkompetenten Menschen Bakteriämien und sekundäre septische Absiedlungen hervor.

„Bei Bissen und Kratzern ist besondere Vorsicht geboten, die betreuenden Ärzte sollten sofort informiert werden“, so der Experte. Dasselbe gelte für einen Infektionsverdacht, der eine richtige, rasche Diagnose erfordere.

Immunsuppression und Haustiere

  • Tipp 1: Nach jedem direkten Tierkontakt sollten sorgfältig die Hände gewaschen und eventuell desinfiziert werden.
  • Tipp 2: Immunsupprimierte Menschen sollten sich vom Haustier nicht ablecken lassen.
  • Tipp 3: Die Katzentoilette sollte mindestens alle zwei Tage gereinigt werden, aber nicht durch den Patienten.
  • Tipp 4: Katzen- oder Hundedecken sollten einmal pro Woche bei mindestens 60 ° C gewaschen werden.
  • Tipp 5: Haustiere sollten vom Essenstisch fernbleiben.

Quelle: Nach der Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim RKI: Bundesgesundheitsbl 2010; 53: 357–88

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