Coronavirus und das Deutsch

Wie die COVID-Pandemie unsere Sprache prägt

Sprache verrät viel über den Zustand einer Gesellschaft – gerade dominiert die SARS-CoV-2-Pandemie. Das Leibniz-Institut stellt dar, welche Neuschöpfungen Corona mit sich gebracht hat.

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Social Distancing: Auch ein Wort, das erst in der Pandemie entstanden ist.

Corona-Pandemie prägt die Sprache: Social Distancing ist ein Wort, das erst in der Pandemie entstanden ist.

© MichaelJBerlin / stock.adobe.com

Mannheim. „Vollimmunisierungsquote“ – die Pandemie beherrscht nicht nur unseren Alltag, sie hat sich auch in unsere Sprache eingeschlichen. Neue Wörter entstehen infolge von Corona, werden umgedeutet, wiederbelebt oder aus dem Englischen ins Deutsche übertragen. Geläufig kommen uns Begriffe über die Lippen wie „Impfdrängler“, „2-G-Plusregel“, „Long-COVID“ oder „Lockdown“.

Das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) stellte solche neuen Wörter rund um Corona vor, die in sein Neologismen-Wörterbuch einziehen könnten, wenn sie weiterhin im Sprachgebrauch sind.

In der Sprache werden auch Phasen der Pandemie abgebildet, wie dieser Satz der IDS-Wissenschaftler veranschaulicht: „Während etwa im ersten Halbjahr 2021 Impfneid dazu führte, dass manche zu Impfdränglern wurden, trat im zweiten Halbjahr eher das Problem in den Vordergrund, wie man Impfschwänzer dazu bringen kann, sich ihre zweite und gegebenenfalls auch noch die Boosterimpfung abzuholen.“

Rund 2000 Beiträge haben die IDS-Experten von „Abflachen der Kurve“ bis zum „Zweitimpfling“ im Bereich der Pandemie bereits zusammengestellt. Letzterer ist „eine Person, die sich durch wiederholte Vakzination gegen einen bestimmten Erreger vollständig immunisieren lässt“. Ein Abflachen der Kurve wünscht man sich bei steigenden Corona-Infektionszahlen. Gute Aussichten, rasch in das Wörterbuch einzuziehen, hat die neue Corona-Variante Omikron.

„Alternative Fakten“ ist ein Renner

In puncto schnelle Verbreitung kann es aber nach Worten von IDS-Linguistin Annette Klosa-Kückelhaus kaum ein Begriff mit dem Unwort des Jahres 2017 aufnehmen: Die Formulierung „Alternative Fakten“ der Trump-Beraterin Kellyanne Conway legte nahe, dass es zwei Wahrheiten geben kann. „Der Begriff hat sich rasend schnell verbreitet und landete noch im selben Jahr im Wörterbuch“, erzählt Klosa-Kückelhaus.

Das Wörterbuch wird auf Basis umfangreicher Textsammlungen aus fiktiver und Sachliteratur, Magazinen, Zeitungen, Parlamentsprotokollen und Wikipediaeinträgen erstellt. Dieses Deutsche Referenzkorpus enthält 50,6 Milliarden Wortformen. Gut 2000 Neologismen stehen im Wörterbuch, 300 sind im Wartestand und werden bei steigender Nutzung ins Wörterbuch wechseln. Die Corona-Wörter sind meist noch zu jung, um in den Kanon der etablierten neuen Wörter aufgenommen zu werden.

Seit Kurzem ins Wörterbuch aufgenommen ist der „Männerdutt“. Mit lässig am Hinterkopf befestigten Haaren erregte etwa Schauspieler Brad Pitt Aufmerksamkeit. In die Kategorie Körperschmuck fällt auch der „Tattooärmel“, den sich zum Beispiel der deutsche Kunstturner Marcel Nguyen hat stechen lassen. Dieser ebenfalls dieses Jahr freigeschaltete Begriff bezeichnet Tattoos, die einen Arm vollständig bedecken oder vom Handgelenk bis zur Schulter reichende Stulpen aus mit Tattoomustern bedrucktem Material.

„Ampelkoalition“ aus den 80er Jahren wiederbelebt

Auch aktuelle politische Ereignisse schlagen sich im Wortschatz nieder. Das Ergebnis der Bundestagswahl hat die „Ampelkoalition“, ein Neologismus der 80er Jahre, wiederbelebt. In den Hintergrund treten damit die schwarz-rot-gelbe Deutschlandkoalition oder die erst kürzlich entdeckte grün-gelbe Zitrus- oder Limettenkoalition.

Letztere weilt noch wie viele andere im Beobachtungsstatus in Nachbarschaft von „Babymoon“, dem letzten Urlaub vor Geburt eines Kindes, von „Mukbang“, einem Video, auf dem der Verzehr großer Mengen Nahrung gezeigt wird, und „Lovebombing“, dem Zuschütten mit (elektronischen) Liebesnachrichten.

Sind Wörter wie diese im allgemeinen Sprachgebrauch angekommen, werden sie in die Sammlung des IDS aufgenommen, verschwinden aber auch wieder, wenn sie nicht mehr benutzt werden. Klosa-Kückelhaus: „Ich fände es super, wenn wir mal Corona-Begriffe verlieren würden.“ (dpa)

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