Dr. Thomas Neundorfer im Interview

Basketball-Teamarzt: „Lassen uns die Vorfreude auf Olympia nicht verderben!“

Er war einst Hausarzt von Basketball-Superstar Dirk Nowitzki: Dr. Thomas Neundorfer (63), Teamarzt der deutschen Basketball-Nationalmannschaft, berichtet über komplizierte Vorbereitungen auf Olympia und Auflagen der Japaner zu COVID-19, die ihn ratlos machen.

Von Christoph FuhrChristoph Fuhr Veröffentlicht:
Überraschend für Tokio qualifiziert: Begeisterung bei deutschen Basketball-Nationalspielern.

Überraschend für Tokio qualifiziert: Begeisterung bei deutschen Basketball-Nationalspielern.

© Tilo Wiedensohler / dpa / picture alliance

Ärzte Zeitung: Die deutsche Basketball-Nationalmannschaft hat sich überraschend für das Olympische Basketball-Turnier in Tokio qualifiziert. Wie hat COVID-19 im vergangenen Jahr die Arbeit der Trainer und medizinischen Betreuer mit dem Team beeinflusst?

Dr. Thomas Neundorfer: Es gab und gibt klare Vorgaben: Alle Spieler müssen vor Länderspielen und Trainingslagern beim Eintreffen im Hotel einen negativen PCR-Test vorweisen, der am Tag vorher gemacht worden ist. Ausgenommen sind Spieler, die entweder bereits eine abgeschlossene Impfung haben oder die den Nachweis erbringen, dass sie nach einer COVID-19-Erkrankung genesen sind.

Nicht jeder unserer Spieler kommt aus Deutschland, einige Team-Mitglieder haben Verträge in den USA, Russland oder Frankreich. Aber wir haben ständig Kontakt und sind mit Blick auf COVID-19 gut informiert, welche individuellen Vorgeschichten die Spieler haben. Unmittelbar nach dem Eintreffen im Hotel wird dann ein neuer PCR-Test gemacht, die Jungs gehen in ihr Zimmer und warten auf das Ergebnis. Ist es bei allen Akteuren negativ, kann es losgehen mit dem Training oder der Vorbereitung fürs nächste Spiel.

Das sind hohe Anforderungen. Aber war denn immer klar, dass auch ihre Länderspiel-Gegner die gleichen aufwändigen Kontrollen durchgeführt haben?

Eigentlich sind die Vorschriften international für alle Teams gleich. Ich war mir aber im vergangenen Jahr ehrlich gesagt manchmal nicht ganz sicher, ob man das immer voraussetzen konnte. Hinzu kam ein weiterer Risikofaktor. Wie sieht es zum Beispiel mit den Angestellten in den Hotels aus, in denen wir übernachtet haben? Vor einigen Monaten waren die wenigsten Menschen bereits geimpft. Da gab es keine Transparenz. Am Ende ist aber alles gut gegangen.

Dr. Thomas Neundorfer, seit 2007 Mannschaftsarzt des deutschen Basketballteams

Dr. Thomas Neundorfer, seit 2007 Mannschaftsarzt des deutschen Basketballteams

© Tilo Wiedensohler / camera4 / pi

Was verlangen die Japaner bei der Ankunft in Tokio von den Athleten, die aus aller Welt anreisen?

Die Auflagen sind hoch. Wir müssen, um ein Beispiel zu nennen, bei der Einreise zwei negative PCR-Tests vorlegen, die nicht älter als 96 beziehungsweise 72 Stunden sind – aus deutschen Laboren, die von den Japanern zertifiziert wurden. Ob man geimpft ist oder nicht, spielt dabei keine Rolle.

Gesundheitsexperten warnen davor, dass Tokio zu einem Superspreading-Event werden könnte…

… das ist durchaus begründet. Ob allerdings alle Vorsichtsmaßnahmen des Veranstalters tatsächlich Sinn machen und durchdacht sind, darüber kann man sicher diskutieren.

Sie sind mit dabei, wenn in Tokio der Anpfiff fürs erste Spiel des deutschen Teams ertönen wird. Sind das ihre ersten Olympischen Spiele?

Nein, ich bin Mannschaftsarzt seit 2007 und war schon bei den Sommerspielen 2008 in Peking dabei. Damals spielten die deutschen Basketballer nicht besonders erfolgreich, aber die Erinnerung an unvergessliche Tage bleibt. Wir hatten Dirk Nowitzki im Team, der mit uns im Olympischen Dorf einquartiert war…

Sie kennen Dirk Nowitzki schon sehr lange. Wie kommt das?

In Rattelsdorf in der Nähe von Bamberg habe ich meine Praxis, hier steht auch die Sporthalle, in der Dirk Nowitzki in jungen Jahren mit seinem Mentor und persönlichen Trainer Holger Geschwindner unermüdlich an seiner Spieltechnik gearbeitet hat. Man sagt, dort sei das Fundament für seine spätere Karriere als Basketball-Weltstar gelegt worden. Dirk kenne ich seit seinem 16. Lebensjahr, der Kontakt zu ihm ist nie abgerissen. Er ist auch nach seinem Karriereende oft unterwegs, aber eine gewisse Hausarztfunktion habe ich für ihn immer noch.

Wie schaffen Sie es, ihre Arbeit als Basketball-Teamarzt mit den Herausforderungen als Hausarzt unter einen Hut zu bekommen?

Ich habe vor mehr als 30 Jahren meine Hausarztpraxis gegründet. Inzwischen arbeiten wir in einem großen Team mit mehreren Ärzten und bieten Versorgung aus einer Vielzahl medizinischer Teilgebiete an. Da bleiben genügend Freiräume für meine Arbeit als Basketball-Mannschaftsarzt.

Dr. Thomas Neundorfer (63)

  • Hausarzt in einer Praxis in Rattelsdorf bei Bamberg, die er 1989 gegründet hat. Heute sichern hier sechs Ärzte die hausärztliche und internistische Versorgung in der Region.
  • Mannschaftsarzt der deutschen Basketball-Nationalmannschaft, 2007 hat er die Betreuung übernommen.
  • Hausarzt von Basketball- Superstar Dirk Nowitzki, bevor dieser Karriere in den USA machte – bis heute bleibt Neundorfer ein medizinischer Ansprechpartner Nowitzkis, der seine Karriere beendet hat.

Was erwarten Sie von Olympia in Tokio?

Unsere Gegner in der Vorrunde werden Italien, Nigeria und Australien sein. Wir freuen uns auf diese Begegnungen und hoffen, dass das Turnier danach für uns noch nicht vorbei ist. Aber machen wir uns nichts vor: Diese Wettbewerbe werden mit Olympischen Spielen, mit der Atmosphäre, wie wir sie bisher gekannt haben, nicht zu vergleichen sein. Es gibt keine Zuschauer, die Sorge vor COVID-19 verändert sämtliche Abläufe.

Sie gehen also mit Sorgen und Verunsicherung ins Turnier – in der Hoffnung, dass alles gutgeht?

Oh nein, völlig falsch! Wir haben die Qualifikation geschafft, sind stolz darauf und wollen eines unmissverständlich klarstellen: Die Deutsche Basketball-Nationalmannschaft wird sich die Vorfreude auf dieses faszinierende Sportereignis nicht verderben lassen!

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