Schule

"Ziel ist, blinde Kinder auf die Welt der Sehenden vorzubereiten"

KÖLN (dpa). In der Kölner Severin-Schule für sehbehinderte und blinde Kinder werden 80 Mädchen und Jungen unterrichtet. Sie können dort auch den Hauptschulabschluss erwerben. Bundesweit gibt es 58 solcher Schulen - zu wenige, wie der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) mitteilt.

Von Yuriko Wahl Veröffentlicht: 03.04.2007, 08:00 Uhr

"Wir haben ein Riesenproblem bei der Qualitätssicherung", sagt Sozialreferent Reiner Delgado. "Davon betroffen sind die allgemeinen wie auch die Spezialschulen, aber in der Politik gibt es kaum Aufmerksamkeit für diese zentrale Frage." Nach Angaben des DBSV sind unter 155 000 Blinden und 500 000 Sehbehinderten in Deutschland etwa 10 000 blinde Kinder und Jugendliche sowie 30 000 junge Sehbehinderte bis 18 Jahre. Davon besuche nur eine Minderheit Regelschulen.

In der Kölner Einrichtung werden 80 Schüler unterrichtet und 160 Kleinkinder im Frühförderzentrum betreut. Manche sehen verschwommen, andere haben ein stark eingeschränktes Gesichtsfeld, nehmen stark verzerrt wahr, acht Schüler sind blind. Es wird nach den üblichen Richtlinien unterrichtet, vorgeschaltet ist aber in der Grundschule ein zusätzliches Unterrichtsjahr. In den Klassen mit blinden Kindern, die oft andere Aufgabenstellungen und andere Hilfsmittel brauchen, betreuen zwei Lehrer die Gruppe, erklärt Pädagogin Katrin Schmekel.

Hilfsmittel sind wichtig für den Unterricht. So kann die zehnjährige Öznur nur mit Hilfe eines vergrößernden Monokulars lesen, was an der Tafel steht. Zugleich nutzt sie ein Vergrößerungsgerät, das aus kleinen Buchstaben auf dem Papier riesige Buchstaben auf dem Bildschirm macht. Texte können auch eingescannt und mittels einer speziellen Software von einer Computer-Stimme vorgelesen werden. Die blinde Marina, die bald eine Realschule für Sehbehinderte in Soest besuchen wird, ist auf ihre Punktschrift-Schreibmaschine angewiesen. "Die blinden Schüler lernen als Vorbereitung auf die weiterführenden Schulen auch den Umgang am Computer mit der Braille-Tastatur", sagt Lehrerin Martina Schmidt.

"Wie gut die Bedingungen und Chancen für die Schüler auf ihrem Bildungsweg sind, hängt davon ab, in welchem Bundesland sie wohnen, es gibt hier große Unterschiede", betont Delgado. Behinderte hätten zwar heute so viele Rechte wie nie zuvor, es sei aber sehr schwierig, diese durchzusetzen. Für Schüler, die in Regelschulen mit nicht Behinderten unterrichtet werden, sei eine Betreuung durch geschulte Pädagogen nötig. Falle die Betreuung aus Kostengründen dürr aus, lerne das Kind Arbeitstechniken nicht richtig.

Nach der Schule haben es die Kinder mit Lehrstellen oder Jobs meist nicht einfach, so die Erfahrung der Experten. Viele Betriebe hätten Vorurteile. Das Wichtigste sei, die Kinder selbstständig zu machen, um ihnen eine Chance nach der Schulzeit zu eröffnen, heißt es etwa in der Kölner Einrichtung: "Unser Erziehungsziel ist, die Schüler auf das Leben in der Welt der Sehenden vorzubereiten."

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