„ÄrzteTag“-Podcast

Warum brauchen wir Quoten in der Weiterbildung, Antje Bergmann?

Antje Bergmann brennt für ihr Fach. Die Dresdner Professorin für Allgemeinmedizin und niedergelassene Hausärztin spricht im „ÄrzteTag“-Podcast über Nachwuchsgewinnung, Quoten für die Weiterbildung, politische Baustellen – und darüber, warum die Sachsen besonders sind.

Denis NößlerVon Denis Nößler Veröffentlicht:

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Ihr Lebenslauf ist lang, auch die Liste ihrer Ämter, aber Antje Bergmann stellt erst mal klar: Sie ist Hausärztin. Ihr Alltag? Eine Mischung aus Praxis, Forschung, Lehre und Ehrenamt. „Ich habe jeden Tag Patientenkontakt – das erdet mich und hilft mir, die großen Diskussionen in Politik und Wissenschaft auf das Wesentliche herunterzubrechen.“ Praxisnähe statt theoretischer Debatten, das ist ihr wichtig. Bergmann, Jahrgang 1970, ist Professorin für Allgemeinmedizin und leitet an der Medizinischen Fakultät der TU Dresden den Bereich Allgemeinmedizin. Außerdem ist sie Präsidentin der Sächsischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (SGAM) – nur eines von zahlreichen Ehrenämtern der gebürtigen Zwickauerin.

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Sachsen ist das einzige Bundesland mit eigener Gesellschaft für Allgemeinmedizin. Auch eine eigene Impfkommission leistet sich das Land bekanntlich. Warum? „Vielleicht, weil uns Regionalität besonders wichtig ist“, sagt Bergmann. „Und vielleicht auch, weil wir Dinge gerne ein bisschen anders machen – und dürfen.“ Bergmann sagt, die Sachsen seien „vielleicht auch innovativer“.

Dass dieser Eigensinn sich auszahlt, zeigt ihr Engagement in der Nachwuchsgewinnung. Die von ihr mitgegründete Nachwuchsakademie in der Deutschen Stiftung für Allgemeinmedizin (DESAM) ist längst eine Institution, und die Zahlen sprechen für sich: Erstmals hat die Allgemeinmedizin an der Fakultät in Dresden die Innere Medizin und Chirurgie als Wunschfachgebiet der Studierenden überholt. Ein Erfolg? „Na klar! Und wenn ich es schaffe, dass selbst die künftigen Orthopäden und Kardiologen wissen, was wir Hausärzte wirklich tun, dann habe ich auch gewonnen.“

„Forschung in der Hausarztpraxis? Unbedingt!“

Wenn es nach Bergmann geht, muss die Allgemeinmedizin viel stärker als akademisches Fachgebiet wahrgenommen werden. „Wenn Versorgungsforschung sinnvoll sein soll, dann muss sie auch bei uns Hausärzten ansetzen.“ Ihr Forschungspraxen-Netzwerk arbeitet daran, genau das umzusetzen – mit messbarem Erfolg. Doch so einfach ist es nicht: „In der Klinik wird man sofort für ernst genommen, wenn man forscht. Bei uns müssen wir uns das noch erkämpfen. Aber es wird besser.“

„Jeder kann alles machen? Das ist teuer.“

Das Thema Facharztquotierung ist eines, das Bergmann nicht loslässt. „Wir investieren 200.000 Euro in ein Medizinstudium pro Kopf – und dann darf jeder nach Lust und Laune entscheiden, dass er Herzchirurg in einer überversorgten Region wird? Das können wir uns nicht leisten!“ Die Lösung? Mehr Steuerung, bessere Anreize und eine konsequentere Nachwuchsförderung. „Ich finde, eine Facharztquote für Allgemeinmedizin gehört zumindest ernsthaft diskutiert.“

„Der Hausarzt muss die zentrale Rolle spielen.“

Politische Forderungen hat Bergmann viele, eine sticht hervor: „Wir brauchen ein echtes Primärarztsystem! In Deutschland darf jeder direkt zum Facharzt laufen, das ist absurd. Wenn wir effizienter steuern wollen, dann muss der erste Weg zum Hausarzt führen.“ Dass sie mit dieser Forderung nicht nur Freunde gewinnen wird, ist ihr klar. „Aber mal ehrlich: Wir können nicht über Geldmangel jammern und gleichzeitig die ineffizienteste Versorgungsstruktur aufrechterhalten.“

„Gesunder Menschenverstand sollte in die Politik einziehen.“

Und dann wäre da noch die Politik. Was würde Bergmann den Koalitionsverhandlern in Berlin mitgeben? „Erstens: Hört auf, in Legislaturperioden zu denken. Zweitens: Setzt auf Prävention und Gesundheitsbildung. Drittens: Stärkt endlich die hausärztliche Versorgung – nicht nur mit Worten, sondern mit Strukturreformen. Und viertens: Wenn ihr nicht weiterwisst – ruft mich an!“ Das ist nicht als Witz gemeint. (Telefon: +49 351 458-3687, Anm. d. Red.) Bergmann steht für pragmatische Lösungen – und für eine Allgemeinmedizin, die sich nicht verstecken muss.

Antje Bergmann macht sich für ihr Fach stark – in der Praxis, an der Uni und im Ehrenamt. Und sie hat eine klare Botschaft: „Allgemeinmedizin ist nicht das, was übrig bleibt – es ist das Fundament des Systems.“ (Länge: 1:07:54 Stunden)

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Kommentare
Andreas Hoffmann 15.03.202517:12 Uhr

Schade, dass sich wieder einmal evidenzbasierte Verbesserungsvorschläge mit ideologiebasierten Wunschvorstellungen vermischen! Auf dieser Grundlage werden wir nur die heutigen Probleme gegen andere Probleme austauschen - nicht gerade etwas, wofür es sich zu kämpfen lohnt! Das hier beispielsweise mal wieder vorgeschlagene Primärarztsystem funktioniert wo genau nochmal wirklich gut? In Großbritannien? In Finnland? In Neuseeland? Wo? Nirgends! Es ist wie mit dem Sozialismus, die Protagonisten behaupten einfach immer wieder, bisher habe man es nur noch nicht richtig gemacht, man müsse es nur noch besser umsetzen, dann würde die Theorie auch in der Praxis funktionieren. In der Blase von Public Health und universitärer Forschung werden weiter die kollektivistischen Träume geträumt, die schon vielfach an der Realität gescheitert sind; das verwundert auch nicht, denn wenn man nicht mitmacht, dann macht man auch keine Karriere. Die Leidtragenden sind die Patienten. Toll!

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