Krankenkassen

AOK startet 2009 ohne Zuschlag in den Fonds

Die 15 Allgemeinen Ortskrankenkassen wollen zumindest zum Start des Gesundheitsfonds 2009 ohne Zusatzbeitrag ihrer Mitglieder auskommen.

Von Bülent Erdogan Veröffentlicht:

Das sagte der zum Jahresende scheidende Chef des AOK-Bundesverbands, Dr. Hans Jürgen Ahrens, auf einer Veranstaltung seines Verbandes im brandenburgischen Joachimsthal. Allerdings werde der Verzicht auf den Zusatzbeitrag für die Ortskrankenkassen ein schwieriges Unterfangen darstellen. Denn diese sind bis zum Jahresende noch mit dem Abbau von Restschulden beschäftigt. Für den Aufbau von Rücklagen dürfte daher kaum Geld vorhanden gewesen sein. Spätestens 2010 oder 2011 erwartet Ahrens dann flächendeckend Zusatzbeiträge.

Ahrens erneuerte seine Kritik an der Deckelung des Zusatzbeitrags auf ein Prozent des Einkommens. Die Regelung sei zwar gut gemeint gewesen, ein Teil der Kassen werde aber nicht in der Lage sein, damit einen auskömmlichen Zusatzbeitrag zu erheben, sagte er. Folge: Mitglieder mit höherem Einkommen müssten dann überproportional zahlen.

Durch die Einführung des Gesundheitsfonds erwartet Ahrens eine Konsolidierung der Kassenlandschaft. Die AOK habe mit Zusammenschlüssen der vergangenen Jahre bereits Schritte getan. Darüber hinaus werde innerhalb des AOK-Systems diskutiert, wie dessen Zukunft weiter aussehen könne. Eine einheitliche Ortskrankenkasse auf Bundesebene schloss er allerdings aus. Die Stärke der Ortskrankenkassen liege gerade in ihrem regionalen Auftritt, sie seien "praktisch die Kasse eines Landes".

Gravierendere Folgen erwartet Ahrens für die übrige Kassenlandschaft. Hier werden insbesondere kleinere Kassen vom Markt verschwinden, meint Ahrens. "Ich glaube, es wird da schon eine ziemlich einschneidende Veränderung der Kassenlandschaft geben."

Die Verantwortlichen anderer Kassen forderte Ahrens auf, den Gesundheitsfonds zu akzeptieren. Dieser sei "das Herz" der Gesundheitsreform der großen Koalition. Er verstehe zwar, dass manch ein Kassenfunktionär noch immer die Hoffnung hege, dass der Fonds noch aufgehalten werden könne. "Man kann solche Träume haben, aber die Träume werden nicht wahr werden." Die Politik wolle den Fonds. Ahrens rechnet mit einem Beitragssatz von 15,5 bis 15,8 Prozent für den Fonds.

Da die Ortskrankenkassen jetzt auch an den Beiträgen wohlhabender Mitglieder beteiligt werden, erwarten die AOK-Manager zusätzliche Einnahmen von 600 Millionen Euro. Allerdings werden sie diese offenbar direkt wieder abschreiben müssen. Grund: Bisher haben sie deutlich weniger Geld an die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) überwiesen als die Konkurrenz. Der neue bundeseinheitliche Orientierungspunktwert wird dagegen für deutlich höhere Ausgaben der Ortskrankenkassen sorgen: Im Gespräch sind zwischen 400 Millionen Euro und 700 Millionen Euro.

Der künftige Mann an der Spitze des Verbands, Dr. Herbert Reichelt, kritisierte die Vorgaben zur Ermittlung der morbiditätsorientierten Risikozuschläge aus dem Fonds an die Kassen. Bei 94 der 106 Morbiditätsgruppen finde keine Unterscheidung nach ambulanter und stationärer Diagnose statt. Damit werde aber der Durchschnittswert stark von eher leichten ambulanten Fällen dominiert und kostspielige Krankenhausfälle untergewichtet. Zudem müsse bei der Ermittlung der Zuschläge im ambulanten Bereich deutlicher auf die Verordnung von Arzneimitteln abgestellt werden, so Reichelt.

Unklar ist, in welcher Höhe das AOK-System insgesamt vom neuen Risikostrukturausgleich der Kassen profitieren könnte. Reichelt nannte hierzu keine Zahlen.

AOK-System will 2015 wieder Spitze sein

Kampfansage: Die Allgemeinen Ortskrankenkassen wollen 2015 der "im Markt führende Krankenversicherer sein." Dieses Ziel gab Jürgen Graalmann, der künftige Vizechef des AOK-Bundesverbandes, auf der Veranstaltung der Organisation in Joachimsthal aus. Seit 1996 sank die Zahl der Versicherten um 4,5 Millionen auf heute noch 24 Millionen. Größte Kasse im Verbund der 15 Ortskrankenkassen ist die AOK Bayern mit vier Millionen Versicherten - Deutschlands größte Kasse Barmer hat über sieben Millionen.

Mehr zum Thema

Kommentar zur Krebsfrüherkennung

Boni auch für Vorsorge-Muffel

GKV-Fachfrau aus SPD

Bärbel Bas soll Bundestagspräsidentin werden

Schlagworte
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Hüftfraktur: Durch eine Optimierung der Kalzium- und Proteinzufuhr lässt sich bei älteren Menschen in Pflegeheimen das Risiko für Frakturen deutlich senken.

© Springer Medizin Verlag GmbH

Ernährung als Prävention

Milchprodukte bewahrten Heimbewohner wohl vor Frakturen

Verdacht auf Tuberkulose: Bei Patienten mit therapieresistenter Erkrankung hat sich ein verkürztes Behandlungsregime als wirksam und recht gut verträglich erwiesen.

© dalaprod / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodellen)

Erfolgreiche Phase II/III-Studie

Resistente Tuberkulose in nur sechs Monaten im Griff