Berufspolitik

Ärzte können am Flughafen bald durchstarten

Derzeit ist es noch eine riesige Baustelle: Auf 660 Metern Länge und 65 Metern Breite entsteht auf der Plattform über dem Fernbahnhof am Flughafen Frankfurt das Airrail Center. Einziehen sollen dort auch Arztpraxen und eine Apotheke.

Von Sabine Schiner Veröffentlicht:
Sieht aus wie ein gigantisches Raumschiff: Das noch nicht vollendete Airrail-Center.

Sieht aus wie ein gigantisches Raumschiff: Das noch nicht vollendete Airrail-Center.

© Foto: Kathrin Jansing

Das neue Airrail-Center mitten auf der A 3 bietet Platz für Büros, Hotels und Einkaufszentren. Für Mediziner interessant ist aber die Ebene 7: Dort soll im Mai nächsten Jahres ein Fachärzte-Zentrum, das "Metropolitan Medical Center" einziehen.

"Der Standort ist einmalig - regional und international zugleich", sagt Frank Füßl. Der Apotheker und Betriebswirt ist zusammen mit dem Ärzteberater Christian Wagner Geschäftsführer der "Metropolitan Medical." Die GmbH betreibt auf den Flughäfen München, Berlin-Tegel, Düsseldorf und Frankfurt bereits seit Jahren Apotheken ("Metropolitan Pharmacies"). Nun haben die beiden drei neue Mietverträge im "Airrail Center" abgeschlossen: Auf Ebene 3 soll eine Apotheke entstehen, die rund um die Uhr geöffnet ist. Direkt darüber, auf Ebene 5 haben Füßl und Wagner auf 400 Quadratmetern ein Medical-Health- und Beauty Center samt Spa geplant. Apotheke und Health-Center werden eng mit den Ärzten auf Ebene 7 zusammenarbeiten. Dort soll auf 3500 Quadratmetern ein Fachärzte-Zentrum samt ambulantem OP-Bereich entstehen. Geöffnet an sechs Tagen, im Schichtbetrieb, von sechs bis 22 Uhr.

Die Entwürfe sehen Platz für 12 bis 13 Fachrichtungen vor, darunter sind Zahnärzte, Dermatologen, Orthopäden, Chirurgen, Radiologen, Uro- und Proktologen. Starke Partner sind erwünscht. "Unser Konzept ist auf freiberuflich tätige Mediziner ausgerichtet", sagt Füßl. Es werde keine MVZ-Struktur mit angestellten Ärzten geben. Das Projekt sei vielmehr als vertragsärztliche überregionale Berufsausübungsgemeinschaft geplant.

Dahinter steckt ein strammes Konzept: "Wir sind nicht nur eine Aneinanderreihung von einzelnen Facharztpraxen", sagt Wagner. Alle Ärzte werden unter einem Dach und einer Marke arbeiten. Das Corporate Design soll sich bis in die Praxen hineinziehen und eine Einheit bilden. Die enge Zusammenarbeit zeigt sich auch auf den Plänen: In roter Farbe sind die Räume eingezeichnet, die von allen Ärzten gemeinsam genutzt werden: Empfang und Wartezimmer zum Beispiel, die von Wagner und Füßl "Check-In" und "Lounge" genannt werden - "das Vokabular passt zum Flughafen", so Wagner. Gemeinsam genutzt werden von den Fachärzten auch Personalräume, Call-Center, Verwaltungsräume, IT-Administration.

Das Investitionsvolumen liegt derzeit bei 4,5 Millionen Euro. Es gibt die Option, den Ärzten die Praxen auch komplett eingerichtet zur Verfügung zu stellen. Dann erhöht sich der Betrag auf 10,6 Millionen Euro. Die Miete liegt bei 34 Euro pro Quadratmeter. "Das ist ein hohes Niveau", sagt Füßl. Ziel sei trotzdem, den Standort für den "einzelnen Arzt erschwinglich zu machen." Durch die räumliche Zusammenlegung können die Ärzte nach Berechnungen der beiden Geschäftsführer 15 bis 35 Prozent Fläche einsparen. Hinzu kommen weitere Synergie-Effekte, etwa durch die gemeinsame Nutzung von medizinischen Geräten. Interessenten gibt es nach Angaben von Füßl und Wagner für alle Fachbereiche.

Vom Standort sind Füßl und Wagner überzeugt: Am Flughafen arbeiten mehr als 70 000 Menschen. In das "Airrail Center" will zudem das Wirtschaftsprüfungsunternehmen "KPMG" einziehen. "In den nächsten Jahren werden dort auf 36 000 Quadratmeter Fläche mehr als 3500 Menschen arbeiten", erzählt Füßl. Hinzu kommen zwei Hotels der "Hilton"-Kette. "Das ist ein gewaltiger Fundus für Ärzte." Im Fokus stehen für die beiden Geschäftsführer zudem Geschäftsreisende, die sich zwischen zwei Flügen "mal schnell einem Check-up unterziehen.

" Die beiden rechnen aber auch mit Patienten aus dem Rhein-Main-Gebiet. "Der privatärztliche Anteil wird höher sein als an anderen Standorten", prognostiziert Füßl. Aber auch GKV-Patienten seien willkommen. Mit den Kassen sind die beiden bereits in Verhandlungen über mögliche Direktverträge. Auch Medizinrechtler sind eingeschaltet. Aus der Sicht der Geschäftsführer ist das Projekt damit "ready for take-off" - um in der Fliegersprache zu bleiben.

Das Airrail Center am Flughafen

Anfang Juni war Richtfest des "Airrail Center" am Flughafen Frankfurt/Main. Das Gemeinschaftsprojekt der IVG Immobilien AG und der Fraport AG hat ein Investitionsvolumen von mehr als 840 Millionen Euro. Etwa 60 Prozent der 140 000 Quadratmeter sind bereits an Unternehmen vermietet worden. Unter anderem an Hilton Hotel Internation und Hilton Garden Inn mit zusammen mehr als 500 Zimmern. Die Eröffnung des Centers ist für das kommende Frühjahr geplant. (ine)

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