Berufspolitik

Ärzte und Kommunen: Hand in Hand gegen Unterversorgung

Wo Ärztemangel droht oder bereits eingetreten ist, sollten Kommunen und Ärzte ein Versorgungspaket schnüren.

Von Sabine Schiner Veröffentlicht:
Hand in Hand gegen Ärztemangel.

Hand in Hand gegen Ärztemangel.

© Robert Kneschke / fotolia.com

WIESBADEN. Der drohende Ärztemangel beschäftigt zunehmend auch die Kommunen. Um in unterversorgten Regionen die Versorgung sicherzustellen, rät der Wiesbadener Medizinrechtler Hans-Joachim Schade Städten und Gemeinden, zusammen mit engagierten Ärzten neue Organisationsstrukturen aufzubauen.

"Es ist eine Herausforderung", sagt Schade bei der Vorstellung des Konzepts vor Bürgermeistern in Wiesbaden.

Auf kommunaler Ebene ordnen

Die hausärztliche Versorgung müsse auf kommunaler Ebene neu geordnet werden, und zwar möglichst schnell, so der Fachanwalt. Am Anfang stünden eine Bestands- und Bedarfsdiskussion und viele Gespräche, um das Problem bei allen Betroffenen bekannt zu machen.

Zudem sollten alle Rechts- und Einflussmöglichkeiten im Anhörungsverfahren im Gemeinsamen Landesgremium und dem Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen ausgeschöpft werden.

Eine gute Organisation sei das A und O: Schade empfiehlt die Einrichtung einer Geschäftsstelle, die mit den kommunalen Strukturen und Abläufen vertraut ist.

Um gestalten zu können, sollte es auch eine Lenkungsgruppe und eine Bürgerwerkstätte geben: "Sie müssen die Menschen mitnehmen und sie brauchen Unterstützung, sonst droht der Stuttgart-21-Effekt."

Sinnvoll seien auch Arbeitsgruppen mit Vertretern der Kommunen, mit Sozialpartnern, Kirchen, Apothekern und Vertreter anderer Gesundheitsberufe, Patientenorganisationen und Wohlfahrtsverbänden. Ziel müsse sein, eine "gemeinsame Wir-Lokalverantwortung - aus der Region für die Region" zu schaffen.

"Es gibt viele Gestaltungsspielräume"

Ärzte gehörten zum Organisationskern eines solchen Versorgungspaketes. Schade empfiehlt den Kommunen, erste Gespräche mit Medizinern zu führen, die für Teamlösungen offen sind.

Etwa Ärzte, die bereits Weiterbildungsassistenten beschäftigen, die mit anderen Kollegen zusammenarbeiten oder selbst bereits Kollegen angestellt haben.

"In unterversorgten Regionen gibt es viele Gestaltungsspielräume", so Schade. Beispielsweise seien Hausärzte auf Basis des Versorgungsstrukturgesetzes von der Begrenzung des Regelleistungsvolumens befreit und könnten ärztliche Leistungen delegieren.

Eine Neustrukturierung der Praxis, etwa die Gründung einer überörtliche Berufsausbildungsgemeinschaft, sichere die Versorgung und mache die Praxis für junge Ärzte interessant.

"Die Zahl der Ärzte, die heute lieber angestellt, in Voll- oder Teilzeit arbeiten möchten, nimmt zu", sagte Schade. Geld allein sei für Ärzte längst kein entscheidender Motivationsfaktor mehr.

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