Krankenkassen

Ärzte verordnen laut KBV nicht verantwortungslos

Die KBV wehrt sich gegen Vorwürfe, Ärzte verordneten Demenzkranken zu viele Beruhigungsmittel.

Veröffentlicht: 16.06.2011, 15:02 Uhr
Zu viele Beruhigungsmittel verordnet? Die KBV schenkt dem jüngsten Arzneimittelreport 2011 der Barmer GEK wenig Glauben.

Zu viele Beruhigungsmittel verordnet? Die KBV schenkt dem jüngsten Arzneimittelreport 2011 der Barmer GEK wenig Glauben.

© photos.com

BERLIN (sun). Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat Vorwürfe zurückgewiesen, Ärzte verordneten zu viele Neuroleptika an Demenzkranke. "Pauschal das Bild zu entwerfen, dass Ärzte verantwortungslos verordnen, ist perfide", sagte KBV-Sprecher Roland Stahl.

Die Ärzte stützten sich bei ihren Verordnungen "selbstverständlich" auf aktuelle medizinische Leitlinien. Die Macht des Rezeptblocks gebe es nicht mehr, so Stahl.

Zuvor waren Vorwürfe laut geworden, Ärzte verschrieben trotz Warnhinweisen und Gegenanzeigen demenzkranken Menschen zu viele Beruhigungsmittel.

Und zwar "weiter in kritischer Größenordnung", hatte Professor Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen moniert. Er bezog sich mit der Aussage auf den von ihm verfassten Arzneimittelreport 2011 der Barmer GEK.

Die Analysen des Arzneimittelreports für den Zeitraum der Jahre 2004 bis 2006 belegen hingegen einen Rückgang der Verordnungsprävalenz von 35,5 auf 32,2 Prozent. Seither stagniere das Verordnungsniveau bei etwa 32,5 Prozent, heißt es in dem Arzneimittelreport.

Lediglich bei den atypischen Neuroleptika sei ab dem Jahr 2005 "ein leichter Aufschwung" der Verordnungen bis zum Jahr 2009 zu erkennen. Bei den 85-Jährigen ging das Verordnungsniveau von knapp 42 Prozent (2004) auf knapp 39 Prozent (2009) zurück.

Die geschlechterspezifische Analsyse belegt, dass demenzerkrankte Frauen etwa fünf Prozent mehr Neuroleptika verordnet bekommen als Männer.

Nach Ansicht der Deutschen Hospiz Stiftung ist es in jedem Fall ein "Skandal", demenzkranke Patienten "auszuschalten". "Ruhigstellung ist kein Ersatz für die Pflege von dementiell erkrankten Menschen", sagte deren Vorstand Eugen Brysch.

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