Direkt zum Inhaltsbereich

Ärzte verordnen laut KBV nicht verantwortungslos

Die KBV wehrt sich gegen Vorwürfe, Ärzte verordneten Demenzkranken zu viele Beruhigungsmittel.

Veröffentlicht:
Zu viele Beruhigungsmittel verordnet? Die KBV schenkt dem jüngsten Arzneimittelreport 2011 der Barmer GEK wenig Glauben.

Zu viele Beruhigungsmittel verordnet? Die KBV schenkt dem jüngsten Arzneimittelreport 2011 der Barmer GEK wenig Glauben.

© photos.com

BERLIN (sun). Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat Vorwürfe zurückgewiesen, Ärzte verordneten zu viele Neuroleptika an Demenzkranke. "Pauschal das Bild zu entwerfen, dass Ärzte verantwortungslos verordnen, ist perfide", sagte KBV-Sprecher Roland Stahl.

Die Ärzte stützten sich bei ihren Verordnungen "selbstverständlich" auf aktuelle medizinische Leitlinien. Die Macht des Rezeptblocks gebe es nicht mehr, so Stahl.

Zuvor waren Vorwürfe laut geworden, Ärzte verschrieben trotz Warnhinweisen und Gegenanzeigen demenzkranken Menschen zu viele Beruhigungsmittel.

Und zwar "weiter in kritischer Größenordnung", hatte Professor Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen moniert. Er bezog sich mit der Aussage auf den von ihm verfassten Arzneimittelreport 2011 der Barmer GEK.

Die Analysen des Arzneimittelreports für den Zeitraum der Jahre 2004 bis 2006 belegen hingegen einen Rückgang der Verordnungsprävalenz von 35,5 auf 32,2 Prozent. Seither stagniere das Verordnungsniveau bei etwa 32,5 Prozent, heißt es in dem Arzneimittelreport.

Lediglich bei den atypischen Neuroleptika sei ab dem Jahr 2005 "ein leichter Aufschwung" der Verordnungen bis zum Jahr 2009 zu erkennen. Bei den 85-Jährigen ging das Verordnungsniveau von knapp 42 Prozent (2004) auf knapp 39 Prozent (2009) zurück.

Die geschlechterspezifische Analsyse belegt, dass demenzerkrankte Frauen etwa fünf Prozent mehr Neuroleptika verordnet bekommen als Männer.

Nach Ansicht der Deutschen Hospiz Stiftung ist es in jedem Fall ein "Skandal", demenzkranke Patienten "auszuschalten". "Ruhigstellung ist kein Ersatz für die Pflege von dementiell erkrankten Menschen", sagte deren Vorstand Eugen Brysch.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Soziale Pflegeversicherung

Betriebskrankenkassen warnen vor „Hängepartie in der Pflege“

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Haustiere

Kasuistik: Was passieren kann, wenn der Hund die Wunde ableckt

Patienten häufig überwässert

Praxistipps zur Hyponatriämie: „Trinken nur bei Durst!“

Lesetipps
Nicht alles können Ärzte in der Rheumatologie delegieren – die strukturierte Vorbereitung einer Anamnese allerdings schon.

© auremar / stock.adobe.com

Aufgabenteilung

Wie Delegation in der Rheumatologie funktionieren kann

Dreidimensionale gerenderte Illustration von Darmkrebs.

© appledesign / stock.adobe.com

Ergebnisse einer Vergleichsstudie

CT-Kolonografie oder FIT: Welches Verfahren Darmkrebs früher aufspürt

Ins Fitnessstudie statt zum Geburtstag der Oma: Wer eine starke Verpflichtung spürt, Sport zu treiben, könnte eine Muskeldysmorphie haben.

© ME Image / Stock.adobe.com

Krafttraining bis zur Erschöpfung

„Adonis-Komplex“: Was Ärzte beim Verdacht auf Muskeldysmorphie tun können