Arzneimittelpolitik

Ärzte zeigen klares Kostenbewusstsein

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BERLIN (HL). Ärzte verschließen sich nicht grundsätzlich der Tatsache, dass auch wirtschaftliche Erwägungen in der Gesundheitsversorgung an Bedeutung gewinnen. Vorgaben von KVen und Kassen zum Verschreibungsverhalten werden aber überwiegend abgelehnt. Insofern decken sich die Auffassungen von Ärzten und Bundesbürgern insgesamt, dass Entscheidungen in der Arzneimitteltherapie primär individuell vom Arzt getroffen werden sollen.

Das ist das Ergebnis von zwei Umfragen von TNS Emnid im Auftrag des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA): einer Umfrage unter 1003 Bundesbürger und einer Umfrage unter 200 Ärzten.

Vor allem Ältere vertrauen auf ihren Arzt

Wer soll entscheiden, für welche Medikamente die Krankenkassen bezahlen sollen? Der Arzt, sagen zwischen 35 Prozent (14 bis 29 Jahre) und 63 Prozent (über 60-Jährige). Bei den Älteren, die häufig Medikamente benötigen, wollen nur kleine Minderheiten, dass ein staatliches Institut (13 Prozent), die Krankenkasse (neun Prozent), Richtlinien der Politik (sechs Prozent) oder gar der Patient selbst (zwei Prozent) darüber entscheiden soll, was die Kasse bezahlt.

Ob Krankenkassen die Kosten für Arzneimittel übernehmen, machen 86 Prozent an der Wirksamkeit fest, nur zehn Prozent an der Höhe der Kosten. Den Nutzen einer Therapie sehen die Bürger zu 91 Prozent in der Steigerung und Beibehalten der Lebensqualität, 88 Prozent darin, dass Patienten mit einer speziellen Krankheit erstmals behandelt werden können, 86 Prozent in einer möglichst langen Teilnahme am Arbeitsleben. 44 Prozent sind bereit, für einen höheren Nutzen auch eine höhere Zuzahlung zu leisten, 36 Prozent sind für höhere Kassenbeiträge.

81 Prozent der Ärzte verordnen unter Kostenaspekten

Die Umfrage unter den Ärzten zeigt generell dieses Bild: Sie sind sensibel für Fragen der Wirtschaftlichkeit, wollen sich aber eigenständige Entscheidungen überwiegend bewahren.

Im Unterschied zu Bürgern oder Patienten spielen Kostenaspekte bei Therapieverordnungen für Ärzte fast eine überragende Rolle: 19 Prozent sagen, Kosten hätten eine "sehr große Bedeutung", 62 Prozent sehen eine "eher große Bedeutung", nur 18 Prozent der Ärzte halten sie für "eher gering". Ebenfalls 18 Prozent der Ärzte sagen, Kosten spielten eine geringe Rolle, weil für sie das Patientenwohl wichtiger ist. 58 Prozent nennen als Ursache dafür die Vorschriften im Gesundheitswesen.

Generell zeigt sich jedoch, dass Ärzte ein Problembewusstsein für ökonomische Fragen haben. 31 Prozent lehnen wirtschaftliche Erwägung als "grundsätzlich schlecht" zwar ab. Aber 21 Prozent finden dies "grundsätzlich gut" und bei 49 Prozent kommt es auf die angewandte Methode an.

Den gegenwärtig üblichen Vorgaben für das Verschreibungsverhalten steht eine große Mehrheit der Ärzte sehr skeptisch gegenüber: 26 Prozent halten sie für völlig falsch, 53 Prozent für eher falsch.

Einen wachsenden Einfluss auf die Verordnungsmöglichkeiten der Vertragsärzte haben der Bundesausschuss und das ihm angeschlossene IQWiG beispielsweise durch die Kosten-Nutzen-Bewertung für Arzneimittel.

In der breiten Bevölkerung ist das IQWiG als Institution nur neun Prozent bekannt. Und von diesen neun Prozent haben 44 Prozent eine ungefähre, neun Prozent eine gute Vorstellung davon, was das IQWiG macht.

Zwei von drei Ärzten senken beim IQWiG den Daumen

Anders bei den Ärzten: 90 Prozent kennen das IQWiG, und bei 93 Prozent der Ärzte ist bekannt, dass es Entscheidungsorgane wie den GBA berät oder Empfehlungen gibt (62 Prozent). 23 Prozent der Ärzte verfolgen die Arbeit des IQWiG im Detail. Dessen Arbeit bekommt aber überwiegend (64 Prozent) mangelhafte Noten. Für 55 Prozent der Ärzte ist die Arbeit nicht nachvollziehbar. Das Verfahren zur Nutzenbewertung ist 46 Prozent der Ärzte bekannt, davon halten 55 Prozent es für reformbedürftig, 30 Prozent meinen, es sollte abgeschafft werden.

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