Ärztliche Weiterbildung ist besser als ihr Ruf

Note 2 minus - so beurteilen junge Ärzte die Qualität ihrer Weiterbildung. Das Ergebnis fällt laut BÄK-Umfrage besser aus als 2009. Allerdings unverändert sind die aufreibenden Arbeitsbedingungen.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:
Ärzte tauschen sich über eine Laborprobe aus. Teamgeist lässt Ärzte in Weiterbildung über den Arbeitsstress hinwegsehen.

Ärzte tauschen sich über eine Laborprobe aus. Teamgeist lässt Ärzte in Weiterbildung über den Arbeitsstress hinwegsehen.

© Alexander Raths / fotolia.com

BERLIN. Die ärztliche Weiterbildung in Deutschland ist besser als ihr Ruf. Das ist nach Einschätzung des Präsidenten der Ärztekammer Schleswig-Holsteins und Vorsitzenden der Weiterbildungsgremien der Bundesärztekammer (BÄK) Franz-Josef Bartmann das wichtigste Ergebnis der zweiten Auflage des Projektes "Evaluation der Weiterbildung".

Die rund 20.000 Weiterzubildenden und 10.000 Weiterbildungsbefugten, die die 106 Fragen beantworteten, gaben der ärztlichen Weiterbildung in Deutschland die Note 2,44.

Das ist zwar nur ein Zehntel besser als 2009. Bemerkenswert sei jedoch, dass sich die Bewertung aller Fragenkomplexe verbessert habe, sagte Bartmann.

Die erfassten unter anderem die Vermittlung von Fachkompetenz, die Lernkultur, die Kultur zur Fehlervermeidung und die Betriebskultur, die allesamt eine zwei erhielten.

Klassenprimus ist Thüringen

Großen Spielraum für weitere Verbesserungen sahen die Befragten vor allem bei der Fehlervermeidung und beim Komplex wissenschaftlich begründete Medizin, die lediglich mit der Note drei abschnitten.

Über die 17 Landesärztekammern hinweg ergibt sich ein sehr ausgeglichenes Bild. Klassenprimus ist mit der Note 1,85 Thüringen. Bremen liegt mit 2,41 hinten.

Auch "schneidende und sprechende" Medizin hätten in etwa gleiche Einschätzungen zur Qualität der Weiterbildung abgegeben, sagte Dr. Annette Güntert von der BÄK.

Die praktische Weiterbildung, auch dies ein Ergebnis der Umfrage, liegt weitgehend in den Händen der Oberärzte, nicht der Chefärzte. Weiterbildungspläne und -ziele sind längst noch nicht die Regel. Die Arbeitsbedingungen seien teilweise "unter aller Kritik", sagte Bartmann.

Mehrarbeit und Überstunden fallen bei fast allen an

Die Umfrage hat ergeben, dass 80 Prozent der Ärzte in Weiterbildung Bereitschaft schieben und überwiegend im Anschluss daran in den regulären Dienst wechseln müssen.

Mehrarbeit und Überstunden fallen praktisch bei allen an. Bezahlt oder ausgeglichen werden sie nicht immer. Zeit für wissenschaftliches Arbeiten bleibt den Wenigsten.

Um so erstaunlicher ist, dass das Betriebsklima durch die Bank freundlich beurteilt wird. In den Abteilungen herrschten offensichtlich Kollegialität und der Wille, sich gemeinsam gegen die schlechten Arbeitsbedingungen zu wehren, schätzte Bartmann dieses Ergebnis ein.

Um die Weiterbildung weiter zu verbessern, müssten die Kliniken "vernünftige Stellenpläne" erarbeiten.

Lesen Sie dazu auch: Note 2 minus für die ärztliche Weiterbildung

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