Ausländische Abschlüsse

Anerkennungsgesetz nutzen vor allem Ärzte und Pfleger

Ärzte und Pflegekräfte stellen die größte Gruppe beruflich qualifizierter Zuwanderer. Die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse nützt dem Arbeitsmarkt.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:
Vor allem in Berufen mit hohem Fachkräftebedarf – etwa in der Pflege – hilft die Berufsanerkennung, bestehenden Engpässen zu begegnen.

Vor allem in Berufen mit hohem Fachkräftebedarf – etwa in der Pflege – hilft die Berufsanerkennung, bestehenden Engpässen zu begegnen.

© Dominique Leppin / dpa

BERLIN. Es gibt zu wenige Ärzte und Pflegekräfte in Deutschland. Ende vergangenen Jahres meldete die Bundesarbeitsagentur knapp 2000 offene Stellen für Ärzte. Die Zahl der fehlenden Pflegekräfte geht in die Zigtausende. Das Gesundheitswesen nimmt daher immer mehr Ärzte und Pflegekräfte, aber auch Angehörige anderer Gesundheitsberufe aus dem Ausland auf. Von den insgesamt 63.400 Menschen, die zwischen 2012 und 2015 ihre Qualifikationen in Deutschland haben prüfen lassen, haben mehr als drei Viertel einen Gesundheitsberuf erlernt. Die Mehrheit (56 Prozent) sind Frauen. Kaum jemand wird vollständig abgelehnt. Nur bei 2,6 Prozent der Antragsteller reicht die Berufsqualifikation für eine Anerkennung in Deutschland nicht aus.

Seit April 2012 haben Zuwanderer einen Rechtsanspruch auf eine Prüfung ihrer im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat die ersten drei Jahre des Anerkennungsgesetzes evaluiert. "Das Gesetz wirkt. Berufsanerkennung verbessert die Lebenslagen von Fachkräften, deren ausländische Qualifikationen anerkannt wurden", sagte Bildungsministerin Professor Johanna Wanka (CDU) bei der Vorstellung des Evaluationsberichts am Mittwoch in Berlin.

Ein Vorher-Nachher-Vergleich zeige, so Wanka, dass nach der erfolgreichen Anerkennung neun von zehn Fachkräften erwerbstätig seien. Das Bruttoeinkommen steigt nach einer Anerkennung im Schnitt um 1000 Euro im Monat. Vier Fünftel der für den Bericht befragten Menschen gaben an, dass die Anerkennung ihrer Berufsqualifikation ausschlaggebend für die Migrationsentscheidung war. Neue Zahlen, dann auch für 2016, erwartet das Bildungsministerium im September.

Bei der Umsetzung gerade auch bei der Bearbeitung der Anträge von Ärzten, hakt es jedoch. Erst im März dieses Jahres mussten die Länder einräumen, dass die Personalknappheit in den Anerkennungsstellen Vollzugsprobleme verursache. Erst im Februar stellten die Landesgesundheitsbehörden klar, dass die Anerkennungsstellen bei Anfragen aus dem Ausland keine Arbeitsplatzzusage im jeweiligen Bundesland verlangen können, um die Zuständigkeit festzustellen.

Um zu bundeseinheitlichen Regelungen zu gelangen, mithin auch einen Tourismus ausländischer Ärzte in die anerkennungsfreundlicheren Länder zu unterbinden, haben die Länder bei der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen, angesiedelt in der Kultusministerkonferenz, eine Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe aufgebaut. Zuständig ist die GFG für 21 Referenzberufe im Gesundheitswesen. Die GfG sei "funktionsfähig", heißt es im Bildungsministerium. Seit 1. September 2016 bearbeiten die bislang 16 Mitarbeiter Anträge. Noch werden die Instrumente erst erprobt, mit denen die Gleichwertigkeit von Berufsqualifikationen festgestellt werden soll. Ein Beschluss der obersten Landesgesundheitsbehörden dazu steht noch aus.

Die stärksten Zuwächse gab es 2016 mit 746 Ärzten aus Syrien, Rumänien (223) und Serbien (218). Die meisten ausländischen Ärzte stammen ausweislich der Statistik der Bundesärztekammer aus Rumänien (4285), aus Griechenland (3118) und Syrien (2895).

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Anerkennungsgesetz: Eine trügerische Bilanz

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