Anwalt: Fremdbesitzverbot für Apotheken ist mit EU-Recht konform

BRÜSSEL/LUXEMBURG (spe/eb). Das deutsche Fremdbesitzverbot, wonach nur zugelassene Pharmazeuten eine Apotheke besitzen dürfen, ist nach Auffassung des Generalanwalts am Europäischen Gerichtshof (EuGH), Yves Bot, mit europäischen Rechtsvorschriften vereinbar.

Veröffentlicht:

Die Einschränkung der Niederlassungsfreiheit sei gerechtfertigt, um eine angemessene Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln garantieren zu können, machte Bot in Luxemburg deutlich.

Der Generalanwalt stellte damit eine entscheidende Weiche in der Rechtssache DocMorris. Das saarländische Gesundheitsministerium hatte der niederländischen Aktiengesellschaft 2006 erlaubt, eine Filialapotheke in Saarbrücken zu betreiben. Mehrere Apotheker und ihre Berufsverbände hatten dagegen geklagt. Die Sache landete schließlich vor dem EuGH.

Bot erinnerte daran, dass die EU keine uneingeschränkte Zuständigkeit im Bereich der Gesundheit der Bevölkerung besitzt. Er stellte zugleich fest, dass eine nationale Regelung, nach der nur Apotheker eine Apotheke besitzen und betreiben dürfen, mit den gemeinschaftsrechtlichen Vorschriften zur Niederlassungsfreiheit im Einklang stehen müsse. Es sei aber Sache des Mitgliedstaates zu bestimmen, wie er den Schutz der Gesundheit der Bevölkerung gewährleisten will. Die Qualität der Arzneimittelabgabe stehe zudem in engem Zusammenhang mit der Unabhängigkeit, die ein Apotheker bei der Erfüllung seiner Aufgabe wahren müsse.

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) begrüßte die Einschätzungen. "Der Generalanwalt hat sensibel die außergewöhnliche heil- und freiberufliche Verantwortung des Apothekers gewürdigt", so ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf. Der Schlussantrag des Generalanwaltes ist für den EuGH nicht verbindlich. Meist folgen die Richter jedoch den Empfehlungen.

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie teilte mit, er stehe hinter dem System der inhabergeführten Apotheke als "Garant für unabhängige Beratung und Therapiequalität". Der Verband plädiert auch dafür, nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel grundsätzlich apothekenpflichtig zu lassen.Fritz Oesterle, der Vorstandsvorsitzende von Celesio, der Muttergesellschaft von DocMorris, sagte: "Mit dem Schlussantrag sind wir der endgültigen Entscheidung des EuGH ein Stück näher gekommen." Er fügte hinzu: "Für uns wird mit dem Urteil des EuGH endgültig Klarheit über die weitere Entwicklung des deutschen Apothekenmarktes herrschen."

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Herzchirurg mit Installateurfirma

Das Doppelleben des Dr. Jean-Philippe Grimaud: Arzt und Klempner

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Arzneiforschung: Von Innovationen profitieren nicht nur Patienten, sondern immer auch die Gesellschaft als Ganzes.

© HockleyMedia24 / peopleimages.com / stock.adobe.com

Nutzenbewertung

Arznei-Innovationen: Investition mit doppeltem Nutzen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa)
AMNOG-Verfahren: Plädoyer für ein Update

© Springer Medizin Verlag GmbH

AMNOG-Verfahren: Plädoyer für ein Update

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Pro & Contra

Was bringt die Messung von Lipoprotein(a)?

Herzchirurg mit Installateurfirma

Das Doppelleben des Dr. Jean-Philippe Grimaud: Arzt und Klempner

Lesetipps
Endoskopische Auffälligkeiten bei der Colitis ulcerosa

© Gastrolab / Science Photo Library

Interview

Das ist neu in der S3-Leitlinie Colitis ulcerosa

Was bringt die Messung von Lipoprotein(a)?

© Gina Sanders / stock.adobe.com

Pro & Contra

Was bringt die Messung von Lipoprotein(a)?