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Arzneihersteller wappnen sich gegen Fälscherbanden

BERLIN (ble). Mit dem Einsatz von 2D-Barcodes zur Kodierung und Identifizierung jeder einzelnen Arzneimittelpackung will der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) dem Verkauf gefälschter Medikamente in Deutschland einen Riegel vorschieben.

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Sie hoffe, dass ein entsprechendes Pilotprojekt noch in diesem Jahr, spätestens aber Anfang 2009 starten könne, sagte VFA-Hauptgeschäftsführerin Cornelia Yzer am Montag in Berlin. An dem Projekt, dessen Kosten sich auf etwa eine Million Euro belaufen dürften, sollen außer einigen Herstellern und mindestens einem Großhändler auch rund 200 Apotheken teilnehmen. Hierzu liefen derzeit Gespräche.

Kernstück ist ein so genannter 2D-Barcode, mit dem jeder Packung eine spezifische Identifikationsnummer zugewiesen werden kann. Die Codenummer wird gleichzeitig auf einem Server hinterlegt. Mittels eines Scanners gleicht der Apotheker den Barcode auf der Verpackung mit den Daten des Servers ab. Ist die Nummer unbekannt oder schon auf einer anderen Packung gefunden worden, schlägt das System Alarm. Bislang stehen auf den Arzneiverpackungen nur Chargennummern. Bei in starker Stückzahl hergestellten Arzneien haben so durchaus bis zu 10 000 Packungen nur diese Chargennummer, eine Einzelidentifikation ist nicht möglich.

Mit dem neuen Barcode-System will die Industrie eine mögliche Unterwanderung der klassischen Vertriebswege durch mafiöse Fälscherbanden verhindern: "Die Angriffe auf dem legalen Weg werden mit Sicherheit zunehmen", sagte Dr. Siegfried Throm, Geschäftsführer für Forschung, Entwicklung, Innovation im VFA.

Yzer fordert, dass das Barcode-System nach der Erprobung mindestens europaweit eingeführt wird. Bis zur Einführung des Kontrollsystems dürften allerdings Jahre vergehen. Voraussetzung für dessen Erfolg ist zudem, dass jede Packung künftig versiegelt wird. Yzer plädiert außerdem für die Einrichtung weiterer Schwerpunktstaatsanwaltschaften nach dem Frankfurter Vorbild.

Im Vergleich zu den Entwicklungsländern ist die Abgabe von gefälschten Arzneien in Deutschland über Apotheken und den legalen Versandhandel noch ein Randproblem: Seit 1996 hat das Bundeskriminalamt nach eigenen Angaben bislang lediglich 38 Fälle von Medikamentenfälschungen registriert. Immerhin schätzen Experten die Gefahr, auf legalem Weg an gefälschte Medikamente zu geraten, hierzulande auf bis zu ein Prozent.

Mehr Kopfzerbrechen bereitet den Fahndern jedoch der illegale Handel über das Internet. Schwerpunkte sind Anabolika, schlank machende oder potenzsteigernde Lifestyle-Präparate oder hochpreisige Arzneien gegen schwere Krankheiten. Charakteristisch ist den Experten zufolge, dass viele Käufer die mit den Mitteln verbundenen Risiken ganz bewusst eingehen. Allerdings gibt es hier keine belastbaren Zahlen zur Verbreitung dieser Medikamente.

Insgesamt bewegt sich die durchschnittliche Fallzahl von Arzneimitteldelikten seit 1997 nach BKA-Angaben bei jährlich etwas über 2000 erfassten Vergehen. Darunter fallen auch Dopingdelikte oder Vergehen mit Tierarzneien. Trotz der "tendenziell gestiegenen Gefährdungslage" sieht der BKA-Experte Dr. Frank Lippert deshalb auch keinen Grund, die Situation zu dramatisieren: "Das geben die Zahlen nicht her", sagte er.

Lesen Sie dazu auch: Industrie will Medikamente einzeln kennzeichnen

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Gefährliche Produkt-Piraterie

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