IGES-Institut

Arzneikosten bleiben bis Ende 2017 stabil

Wissenschaftler geben Entwarnung. Die Arzneimittelkosten entwickeln sich moderat. Und: Neue Therapien finden zu den Patienten.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:
Der neue Arzneimittelatlas wird demnächst veröffentlicht.

Der neue Arzneimittelatlas wird demnächst veröffentlicht.

© B. Wylezich / fotolia.com

BERLIN. Neue Medikamente zur Behandlung von Hepatitis C und neue Krebsarzneien werden für unverhältnismäßig hohe Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen verantwortlich gemacht.

Eine aktuelle Publikation liefert nun Zahlen zur Einordnung der Arzneimittelkosten der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung für Medikamente halten demnach ein stabiles Niveau.

Nach dem Anstieg um 4,4 Prozent im Jahr 2015 auf insgesamt 34,84 Milliarden Euro rechnen Wissenschaftler für 2016 mit einem Plus von 4,3 Prozent und für 2017 mit Mehrausgaben von 4,6 Prozent, 0,5 Prozentpunkte über dem vom Schätzerkreis erwarteten Einnahmenanstieg der GKV.

Diese Zahlen nannte Professor Bertram Häussler, Leiter des Berliner IGES-Instituts, bei der Vorstellung des von IGES-Autoren verfassten "Arzneimittelatlas 2016" am Dienstag in Berlin.

vfa für Therapien ohne belegten Zusatznutzen

Mit Blick auf die positive Entwicklung warnte die Hauptgeschäftsführerin des Verbands der forschenden Pharmaunternehmen Birgit Fischer davor, die Therapieoptionen für Ärzte aus formalen Gründen zu verengen.

Diese Gefahr drohe, wenn es zu Verordnungsausschlüssen komme, wie dies der Gesetzgeber aktuell plane. Auch Therapien ohne belegten Zusatznutzen könnten für Patienten Behandlungsoptionen darstellen.

Haupttreiber der Ausgabenentwicklung im Jahr 2015 sei der Mehrverbrauch gewesen, berichtete Häussler. Mit rund 1,8 Milliarden Euro habe diese Komponente rund 0,6 Milliarden Euro über dem Wert des Jahres 2014 gelegen.

Was die Kosten in die Höhe treibt

Ursache sei der Verbrauch an Immunsuppressiva, zu denen auch Therapien gegen Asthma gehören, und Mittel gegen die altersbedingte Makuladegeneration.

Zu den Auslösern höherer Kosten gehören auch die neuen antiviralen Therapien gegen Hepatitis C. Fischer sieht darin ein Anzeichen, dass Therapiedurchbrüche tatsächlich bei den Patienten ankämen. Für 2016 rechnet Häussler mit einem spürbaren Rückgang der Ausgaben für neue Hepatitis-C-Arzneimittel.

Neue Medikamente verursachten 2015 Mehrkosten von 1,1 Milliarden Euro. Wie im Jahr zuvor standen dabei die antiviralen Mittel im Vordergrund, gefolgt von Krebstherapien und Blutgerinnungshemmern. Dem stehen laut IGES Einsparungen von rund 1,5 Milliarden Euro im wesentlichen durch Rabatte und Erstattungsbeträge gegenüber.

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