Fachkräftemangel

Runder Tisch in Bayern: Ausländische Berufsabschlüsse rasch anerkennen

Bayerns Gesundheitsminister Holetschek fordert eine standardisierte Kompetenzprüfung bei Pflegefachkräften, um qualifiziertem Personal aus dem Ausland den raschen Jobeinstieg zu ermöglichen.

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München. Weil qualifiziertes Personal händeringend gesucht wird, sollen ausländische Berufsabschlüsse in der Pflege und Medizin schneller anerkannt werden: Darüber hat Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Montag bei einem runden Tisch in München mit Vertretern von Kliniken und Pflegeeinrichtungen sowie den zuständigen Landes- und Kommunalbehörden gesprochen.

Initiiert hatte das Treffen Bayerns Integrationsbeauftragte Gudrun Brendel-Fischer. Die Anerkennung der Abschlüsse von Pflegefachkräften soll schrittweise für ganz Bayern beim Landesamt für Pflege gebündelt werden. Gemeinsam müssten arbeitnehmerfreundliche Lösungen entwickelt werden, betonte Brendel-Fischer. Helfen sollen auch Qualifizierungsmodule, in denen fehlende Kenntnisse berufsbegleitend erworben werden können.

Bedeutung der Kenntnisprüfung stärken

Gleichzeitig unterstrich Holetschek: Die Beschleunigung der Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen dürfe nicht zulasten der Qualitätsstandards gehen. Beim Bundesgesundheitsministerium setze er sich für eine standardisierte Kompetenzprüfung bei Pflegefachkräften ein und plädiere bei allen Gesundheitsberufen dafür, die Bedeutung der Kenntnisprüfungen zu stärken.

„Der Bund soll in den Berufsgesetzen ein Wahlrecht verankern, dass auf die dokumentenbasierte Gleichwertigkeitsprüfung verzichtet werden kann, damit die ausländischen Fachkräfte sofort die Kenntnisprüfung absolvieren können“, fordert Holetschek. Viele Einzelfallprüfungen der jeweiligen Unterlagen könnten dann entfallen und ausländische Fachkräfte könnten direkt eine Prüfung ablegen, um ihre Kenntnisse zu verifizieren. Noch im Januar will Holetschek bei Bund-Länder-Gesprächen das Konzept erneut vorstellen.

Verfahrensdauer variiert stark

Indes dauern die Verfahren für die Anerkennung von Berufsqualifikationen je nach Bundesland unterschiedlich lang. Beispiel Ärzte: In Bayern ziehen sich die Verfahren im Schnitt über 364 Tage hin, in Schleswig-Holstein brauchen die Behörden dagegen exakt einen Tag für das Anerkennungsprozedere, in Hamburg sind es durchschnittlich sieben Tage.

Der Sachverständigenrat (SVR) für Integration und Migration, ein Beratungsgremium der Bundesregierung, hat in seinem Jahresgutachten 2022 die Anerkennungsverfahren für Gesundheitsfachkräfte als komplex, langwierig und intransparent gerügt. (mic)

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