Leitartikel zur Op-Menge

Außerirdische auf der Flucht

In Deutschland wird mehr operiert als in den meisten anderen Ländern. Das verunsichert immer mehr Patienten und zerstört Vertrauen. Doch die Gründe sind vielleicht vielschichtiger, als es auf den ersten Blick erscheint.

Von Christiane BadenbergChristiane Badenberg Veröffentlicht:
Zuviel des Guten?

Zuviel des Guten?

© Jochen Tack / imago

Angenommen, ein Außerirdischer - der deutschen Sprache mächtig - wäre vor einigen Tagen bei uns gelandet, um sich in einem Krankenhaus behandeln zu lassen.

Würde er die Klinik voller Vertrauen aufsuchen oder gleich wieder sein Raumschiff besteigen und so schnell wie möglich das Weite suchen? Die zweite Variante wäre die wahrscheinlichere.

Denn er würde von Manipulationen auf Wartelisten für Spenderorgane hören, von einem Arzt, der in den Niederlanden unglaubliches Unheil angerichtet hat, hier aber unbehelligt arbeiten konnte, von Chefärzten, die am besten verdienen, wenn sie möglichst viele Patienten operieren und von korrupten Ärzten, denen endlich das Handwerk gelegt werden muss.

Hätte er dann noch Montagabend die ARD-Sendung "Vorsicht Operation" eingeschaltet, wäre er vermutlich umgehend abgereist.

Denn wer die Reportage gesehen hat, wird sich kaum noch unbefangen zur Operation in ein deutsches Krankenhaus begeben. Geben doch die Zahlen, die genannt wurden, jedem zu denken ...

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Denis Nößler

Per E-Mail erreichte und folgender Leserbrief

Sg Frau Badenberg,

ich möchte es kurz machen, einiges stimmt in Ihrem Beitrag nicht - Studien z.B..
"Kliniken sind auf Notfälle oder Einweisungen angewiesen" Sie könnten die Nachfrage nicht automatisch steuern.

Genau das können Sie. In vielen Kliniken gibt es über MVZ oder ermächtigte Chefärzte den direkten Zugriff auf die ambulanten Patienten. Dies betrifft z.B. auch Kardiologen und die ebenfalls ausufernde Anzahl von Linksherzkathetern. Ein Chefarzt der Orthopädie mit einer ambulanten Sprechstunde für orthopädische Problempatienten wird in erster Linie für Nachschub in seiner eigenen Klinik je nach Budgetauslastung sorgen. Der immer weitere Wegfall der Trennung zwischen ambulanter und stat. Medizin ist allgemein bekannt. Bitte lesen Sie in Ihrer eigenen Zeitung nach.

(Anm. d. Red.: Der Autor ist der Redaktion bekannt)

Denis Nößler

Per E-Mail erreichte und folgender Leserbrief

Sehr geehrte Frau Badenberg,
ich habe mit Interesse Ihren heutigen Artikel in der Ärzte-Zeitung gelesen.
Sie führen eine Reihe von Gründen an, die sich aus einer Studie ergeben haben und die zu einer Erhöhung der Fallzahlen diverser Operationen (Hüfte, Knie, Wirbelsäule u.s.w) beitragen. Diese Gründe mögen durchaus richtig sein. Man muss allerdings berücksichtigen, dass sie in allen zum Vergleich herangezogenen Ländern die gleichen sind.
Sie können also nicht erklären, warum Deutschland diese abnorm hohen Zahlen von Operationen im Vergleich zu den meisten anderen Ländern aufweist. Am Ende bleiben doch als Erklärung nur die leidigen Finanzen, sei es in die eigene Tasche oder in die Taschen der Einrichtung. Ich habe jedenfalls noch niemals gehört, dass sich durch die Straßen von Paris Menschen mit schmerzverzerrten Gesichtern wälzen, die um Hüft-, Knie- oder Wirbelsäulenoperationen flehen. Auf jeden Fall ist bei uns etwas nicht in Ordnung! Nicht zu unterschätzen ist, dass die teilweise hochspezialisierten Ärzte, die diese Operationen durchführen, bei Beschränkung auf die angezeigten Fälle arbeitslos wären bzw. umschulen müssten. Diese Situation ist übrigens mit dafür verantwortlich, dass Ärzte dort fehlen, wo sie gebraucht werden, z. B. um woanders "Bäuche" zu operieren.
Fazit: Trotz der durchaus richtigen Gründe, die Sie für eine Fallzahlerhöhung anführen, wird dadurch die im Titel aufgeworfene Frage "Zu viele Operationen?" nicht beantwortet. Ihre Gründe dienen eher der Verschleierung der Problematik.

(Anm. d. Red.: Der Autor ist der Redaktion bekannt)


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