Direkt zum Inhaltsbereich

Bundesärztekammer

BÄK-Chef Reinhardt: GOÄ-Reform bleibt auch mit Minister Linnemann auf Kurs

Nach ersten Kontakten mit dem neuen BMG-Chef zeigt sich BÄK-Präsident Klaus Reinhardt optimistisch, dass die GOÄ-Reform den Amtswechsel gut überstanden hat. Seine Kritik am GKV-Sparpaket fällt milder aus – und er gibt ein Versprechen.

Veröffentlicht:
Das Foto zeigt Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer.

Kritisierte „populistische Vertreter“, die Menschen Angst machten, ihre medizinische Versorgung sei künftig gefährdet: Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer.

© Elisa Schu/dpa

Berlin. Neuer Gesundheitsminister – alter Kurs bei der Reform der GOÄ: Der Präsident der Bundesärztekammer Dr. Klaus Reinhardt geht davon aus, dass der Wechsel im BMG keine Auswirkungen auf den Reformkurs bei der ärztlichen Gebührenordnung haben wird.

„Wir erwarten, dass wir bis Ende des Jahres einen Referentenentwurf zu dem Thema aus dem BMG sehen“, sagte Reinhardt am Mittwoch bei einer Pressekonferenz der BÄK. Er gehe weiter davon aus, dass der Entwurf dann Anfang kommenden Jahres in das parlamentarische Beratungsverfahren geht.

Carsten Linnemann stehe für „ordnungspolitische Klarheit und Effizienz“. Effizienz dürfe aber nicht bedeuten, die Sparschraube in der Patientenversorgung weiter anzuziehen, warnte Reinhardt. Er habe bereits mehrfach mit dem neuen Ressortchef „guten Kontakt“ gehabt, so der BÄK-Präsident. Linnemann sei zwar gesundheitspolitisch noch nicht erfahren, bringe aber das „Rüstzeug“ mit, um „dieses Ministerium zu stemmen“, so seine Einschätzung.

Lesen sie auch

Zurückhaltend äußerte sich Reinhardt zu den Folgen des GKV-Spargesetzes. „Das Gesetz ist beschlossen, erledigt ist es für uns allerdings noch nicht“, machte Reinhardt klar. Die Bundesärztekammer werde die Auswirkungen auf Praxen, Krankenhäuser und Patienten genau beobachten und „dort, wo es erforderlich ist, auch auf Korrekturen drängen“.

Nach wie vor „Top-Versorgung“ in Deutschland

Die einnahmenorientierte Ausgabenpolitik, einer der Kernpunkte des Beitragssatzstabilisierungsgesetzes, bewertet die BÄK unverändert kritisch. Denn die Anbindung der Ausgaben an die Entwicklung der Grundlohnsumme sei allenfalls ökonomisch nachvollziehbar, nicht aber medizinisch, merkte Reinhardt an. Dass bestimmte Vorsorgeleistungen durch das Spargesetz wieder unter die Budgetierung fallen, werde die Prävention schwächen, warnte er.

Aus seiner Sicht hat Deutschland dennoch nach wie vor ein „exzellentes Gesundheitswesen“, in dem die Ärztinnen und Ärzte „Top-Versorgung“ auch künftig gewährleisten würden. Harsch kritisierte Reinhardt „populistische Vertreter“, die Menschen Angst machten, ihre Versorgung sei künftig gefährdet. Diese Angst sei unberechtigt. „Darauf weise ich noch mal eindeutig hin.“

Lesen sie auch

Erfreut zeigte sich der BÄK-Chef darüber, dass Koalitionspolitiker Nachbesserungsbedarf bei der sogenannten Fixkostendegression in der haus- und kinderärztlichen Versorgung signalisiert haben. Die Annahme sinkender Fixkosten sei von Anfang an irrig gewesen, so Reinhardt. Denn die Versorgung von Patienten sei „keine Stückproduktion wie beim Autobau“.

Beim politischen Großprojekt einer Primärversorgung gibt es nach Einschätzung von Reinhardt kein Zurück mehr. „Die grundsätzlichen Chancen und Möglichkeiten, die damit verbunden sind“, stünden „nicht mehr zur Disposition und zur Diskussion“, zeigte sich der BÄK-Chef überzeugt.

Kritik an „übergriffigen“ Krankenkassen

Wenn in einem Primärversorgungssystem Fragen wie Terminvergabe, Weiterbehandlung oder Mitbehandlung durch Fachärzte eines Tages „bündig und funktionierend“ organisiert sind, dann müsse eine solche Struktur auch „eine gewisse Verbindlichkeit haben“ für die Patienten. Voraussetzung dafür sei, dass das Versorgungsangebot „verlässlich und verstehbar“ für die Betroffenen ist.

Lesen sie auch

Wenig begeistert zeigt sich die Bundesärztekammer über das geplante Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG). Krankenkassen sollen demnach weitreichende Möglichkeiten erhalten, Gesundheitsdaten aus der elektronischen Patientenakte auszulesen, um Versicherte auf individuelle Gesundheitsrisiken hinzuweisen und ihnen Handlungsempfehlungen zu geben.

Impferinnerungen durch die Kasse könnten grundsätzlich eine sinnvolle Sache sein. „Aber die individuelle Bewertung gesundheitlicher Risiken und daraus abgeleitete medizinische Empfehlungen sind etwas anderes“, monierte Reinhardt. Das empfinde die Ärzteschaft als „übergriffig“. Zudem werde dieser „Paradigmenwechsel“ zu einer weiteren Diffusion von Verantwortung in einem ohnehin komplexen Gesundheitssystem beitragen, warnte der BÄK-Chef. (fst)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Welttag der Patientensicherheit

KBV: Diagnostik hat nichts in Apotheken und Drogerien zu suchen

Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Protest vor dem Bundestag: Die Aktionsgruppe „NichtGenesen“ positionierte im Juli auf dem Gelände vor dem Reichstagsgebäude Rollstühle und machte darauf aufmerksam, dass es in Deutschland über drei Millionen Menschen gebe, dievon einem Post-COVID-Syndrom oder Post-Vac betroffen sind.

© picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt

Symposium in Berlin

Post-COVID: Das Rätsel für Ärzte und Forscher

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: vfa und Paul-Martini-Stiftung
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums v.l.n.r.: Professor Karl Broich (BfArM), Dr. Jürgen Malzahn (AOK-Bundesverband), Dr. Christine Mundlos (ACHSE e.V.), Hauke Gerlof (Ärzte Zeitung), Dr. Johanna Callhoff (DRFZ), Professor Christoph Schöbel (Ruhrlandklinik, Universitätsmedizin Essen), Privatdozent Dr. Christoph Kowalski (Deutsche Krebsgesellschaft), Dr. Peter Kaskel (Idorsia)

© Thomas Kierok

ICD-11: Die Zeit ist reif für die Implementierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Idorsia Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Ein junges Mädchen wird geimpft – gegen HPV? (Symbolbild mit Fotomodellen)

© milanmarkovic78 / stock.adobe.com

Vision Zero Onkologie

Die Elimination des Zervixkarzinoms

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vision Zero e.V.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Sie fragen – Experten antworten

Alle Diabetes-Patienten gegen Herpes zoster impfen?

Euglykämische diabetische Ketoazidose

Kasuistik: Seltene Nebenwirkung unter SGLT2-Hemmern

Lesetipps
Illustration eines molekularen Modells von Messenger RNA.

© Dr_Microbe / Getty Images / iStock

Personalisierte mRNA-Therapien

Verheißungsvolle RNA-Krebsimpfstoffe: Wo steht die Forschung gerade?

Ein Mann niest und putzt sich die Nase.

© Dragana Gordic / stock.adobe.com

Kasuistik

Plötzliche Niesanfälle bringen Mann in Lebensgefahr

Auch 2024 war die Sterblichkeit durch Herzerkrankungen in Deutschland insgesamt erneut leicht rückläufig

© Rosi / stock.adobe.com / Generated with AI

Herzbericht 2026

Das sind die aktuellen Trends in der Herzmedizin