Transplantationen

Bayern führt Sechs-Augen-Prinzip ein

Nach dem Transplantationsskandal in Regensburg will Bayerns Wissenschaftsminister sofort das Sechs-Augen-Prinzip einführen. Bayern sei damit das erste Bundesland, in dem drei Ärzte die notwenigen Papiere unterschreiben müssen.

Veröffentlicht: 13.08.2012, 18:47 Uhr
Bayern führt Sechs-Augen-Prinzip ein

Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) hat schärfere interne Kontrollen in den sechs Transplantationszentren angekündigt.

© Tobias Hase / dpa

MÜNCHEN (sto). In allen Transplantationszentren in Bayern gilt ab sofort das Sechs-Augen-Prinzip: Vor einer Organtransplantation sollen künftig Ärzte aus drei verschiedenen Fachrichtungen die notwendigen Papiere unterschreiben.

Als Konsequenz aus dem Organspende-Skandal werden jetzt die internen Kontrollen in den sechs Transplantationszentren verschärft, teilte Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch im Anschluss an ein Treffen mit Vertretern der Kliniken mit. Zusätzlich zur Einführung des Sechs-Augen-Prinzips sollen Transplantationen künftig stichprobenartig durch unabhängige Experten überprüft werden.

Damit sei Bayern Vorreiter bei der Verbesserung der Abläufe und Strukturen an den Transplantationszentren, betonte Heubisch. Ein entsprechendes System werde er auch auf Bundesebene vorschlagen.

"Nur so können wir auf Dauer das Vertrauen der Bevölkerung in die Transplantationsmedizin wieder herstellen", sagte Heubisch.

Keine Bonuszahlungen an Zentren

Die laufenden internen Untersuchungen aller Lebertransplantationen an den bayerischen Transplantationszentren hätten bisher keine weiteren Verdachtsfälle innerhalb der letzten fünf Jahre ergeben. Auch gebe es an keinem der Zentren im Freistaat Bonuszahlungen für Transplantationen, erklärte der Minister.

Alle bisherigen Manipulationen müssten aufgeklärt und "mit aller Deutlichkeit auch straf- und standesrechtlich verfolgt werden", so Heubisch.

Unterdessen hat die SPD-Landtagsabgeordnete Sabine Dittmar einen umfassenden Bericht zu den Manipulationsvorwürfen am Uni-Klinikum Regensburg seit 2004 gefordert.

Es sei unverständlich, weshalb die beteiligten Institutionen und Behörden nicht schon 2005 "den bekannten Verfehlungen des Regensburger Chirurgen nachgegangen sind", erklärte Dittmar.

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