Pflege

"Beide Säulen profitieren"

Konkurrenz von privater und gesetzlicher Pflegeversicherung: Den Versicherten nützt der Systemwettbewerb, glaubt der Geschäftsführer des PKV-Verbands.

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KÖLN. In der Pflegeversicherung trägt die Dualität zwischen dem gesetzlichen und dem privaten System zu einer Weiterentwicklung des Systems bei, von dem beide Seiten und vor allem die Versicherten profitieren können.

Davon geht Dr. Timm Genett aus, Geschäftsführer des Verbands der privaten Krankenversicherung (PKV).

"Der Wettbewerb der Systeme macht es möglich, unterschiedliche Wege auszuprobieren und dann jeweils zu sehen, was in dem einem System besser läuft als in dem anderen", sagt Genett der "Ärzte Zeitung".

Ein Beispiel ist die Pflegeberatung. Während für die gesetzliche Pflegeversicherung das System der Pflegestützpunkte eingeführt wurde, hat die PKV auf die aufsuchende Pflegeberatung gesetzt und dafür ein eigenes Unternehmen gegründet, die Compass GmbH.

Das PKV-Beratungs-Konzept habe sich zum Erfolg entwickelt, sagt Genett. "Inzwischen gibt es die ersten Anfragen von gesetzlichen Kassen, die Leistungen für ihre Versicherten bei uns einkaufen wollen."

Bei der PKV hat sich in den vergangenen 30 Jahren eine große Erfahrung im Umgang mit der Pflegeversicherung angesammelt, betont er. Die Pflegeversicherung feiere in diesem Jahr nicht das 20., sondern eben das 30. Jubiläum. "Es wird oft vergessen, dass es die private Pflegeversicherung seit 30 Jahren gibt."

1984 hat die PKV zusammen mit dem Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen Musterbedingungen für die Pflegeversicherung erarbeitet. Bereits im Jahr 1981 hatte die Hallesche Krankenversicherung als erstes Unternehmen einen Entwurf für ein solches Produkt vorgelegt.

Doch auch wenn die Branche früh eine Absicherung gegen das Pflegerisiko auf den Markt gebracht hat - es hat lange gedauert, bis es sich durchgesetzt hat.

Schrittmacher Pflegeversicherung

Beim Start der gesetzlichen Pflegepflichtversicherung im Jahr 1994 hatten die Privaten weniger als 320.000 Policen im Bestand. "Die Einführung der gesetzlichen Pflegeversicherung war ein Schrittmacher", sagt Genett.

Das Bewusstsein für das Risiko wurde größer. Dennoch blieb die Nachfrage nach einer zusätzlichen privaten Absicherung verhältnismäßig gering. Erst 2006/2007 wurde die Millionen-Grenze überschritten.

Ende 2013 lag die Zahl der verkauften Policen bei über 2,3 Millionen, darunter waren mehr als 350.000 Verträge der geförderten Pflegezusatzversicherung, des sogenannten Pflege-Bahr. Die Diskussion über die geförderten Policen hat auch den Vertrieb der klassischen Policen angekurbelt.

"Vielen Menschen ist inzwischen klar geworden, dass die Pflegeversicherung nur eine Teilkasko-Versicherung ist", sagt Genett. Seiner Einschätzung nach gibt es zu einer zusätzlichen privaten Absicherung keine Alternative.

Angesichts der demografischen Entwicklung sei es wichtig, dass die Pflegeversicherung auf den beiden Säulen gesetzlich und privat ruht, findet er. "Es geht nicht um die Frage ob Umlage oder Kapitaldeckung, sondern darum, das Verhältnis zwischen beiden auszutarieren."

Einen Beitrag zur Weiterentwicklung des Systems kann die PKV seiner Einschätzung nach auch mit dem "Zentrum für Qualität in der Pflege" leisten, das sich wissenschaftlich mit verschiedenen Aspekten der Pflege befasst.

In diesem Jahr engagieren sich die privaten Krankenversicherer erstmals im Bereich der Prävention in der Pflege. Sie finanzieren ein neues Projekt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: "Altern in Balance". (iss)

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