G20-Gipfel

Bekenntnis zu starken Gesundheitssystemen

Die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer haben sich trotz großer Differenzen am Samstagnachmittag auf eine gemeinsame Schlusserklärung verständigt.

Von Wolfgang van den BerghWolfgang van den Bergh Veröffentlicht:
Bekenntnis zu starken Gesundheitssystemen

© Ch_Alexandr / stock.adobe.com

HAMBURG. Der Streit über das Pariser Klimaschutzabkommen und den Protektionismus beim Handel hat Themen wie die Gesundheitsversorgung und den Gesundheitsschutz beim G-20-Treffen in den Hintergrund gedrängt. Dennoch: In der Schlusserklärung, die sich eng an die Berliner Erklärung der G-20-Gesundheitsminister von Mai anlehnt, bekennen sich die Staats- und Regierungschefs dazu, dass der Schutz vor Gesundheitskrisen hohe Priorität hat. Dabei wird an die Ergebnisse der Krisensimulationsübung erinnert, die die Minister im Mai durchgeführt hatten (wir berichteten). Nur starke Gesundheitssysteme seien in der Lage, Gesundheitskrisen wirksam zu bekämpfen, heißt es. Zudem verpflichten sich die Staats- und Regierungschefs, die Effizienz von Präventions- und Vorsorgemaßnahme zu unterstützen. Eines der Ziele: "Wir streben an, die Kinderlähmung vollständig auszumerzen."

In ihrer Abschlusspressekonferenz ging Bundeskanzlerin Angela Merkel auf die Rolle der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein. Dabei betonte sie, dass es während der deutschen G-20-Präsidentschaft erstmals ein Treffen aller Gesundheitsminister gegeben habe und zum ersten Mal auch der Generaldirektor der WHO beim G-20-Gipfel empfangen worden sei. "In der Kombination mit der Weltbank sind wir jetzt, glaube ich, durch verschiedene Mechanismen besser gerüstet, um auf Pandemien geschlossener und auch schneller antworten zu können", sagte die Bundeskanzlerin. Auf die in der Vergangenheit geäußerte Kritik am Krisen-Management der WHO in Afrika ging Merkel nicht ein.

Am Donnerstagabend hatte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe beim Konzert der "Global Citizen" erklärt, die WHO auch finanziell stärker zu unterstützen. So habe Deutschland die Zahlungen an die WHO von fünf auf 30 Millionen Euro in diesem Jahr erhöht. Das soll dauerhaft sichergestellt werden, versicherte der Minister.

Aufgenommen ins Schlussprotokoll wurde ein Bündel an Maßnahmen zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen (AMR). In diesem Kontext erinnern die Staats- und Regierungschefs an das "One-Health Konzept" und die Umsetzung nationaler Aktionspläne bis Ende 2018. Derzeit haben etwa ein Drittel der knapp 200 WHO-Mitgliedstaaten einen Aktionsplan gegen Antibiotikaresistenzen. Kernpunkt ist auch die Verschreibungspflicht. Ferner wird in der Schlusserklärung eine intensivere Forschung zur Tuberkulose gefordert. "Ärzte ohne Grenzen" lobte am Wochenende das Engagement zur Tuberkulose. Dennoch sei die Schlusserklärung insgesamt enttäuschend. Kritisiert wird, dass Angriffe auf medizinische Einrichtungen in Krisengebieten dort nicht erwähnt würden. Die Ankündigungen zu AMR seien eher vage.

Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller zieht ein positives Fazit des Treffens, auch weil die G-20-Staaten auf öffentlich-private Partnerschaften setzen, wenn es um die beschleunigte Entwicklung dringend benötigter Impfstoffe gehe.

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