Spanien

Bereits 12 Prozent der Covid-19-Kranken sind Ärzte und Pfleger

Mindestens 4000 Ärzte und Pflegekräfte in Spanien haben sich mittlerweile mit SARS-CoV-2 infiziert.

Von Manuel Meyer Veröffentlicht: 23.03.2020, 19:26 Uhr
Bereits 12 Prozent der Covid-19-Kranken sind Ärzte und Pfleger

Gesundheitspersonal in Valencia. In Spanien haben sich bereits viele Ärzte und Pflegekräfte mit dem neuen Coronavirus infiziert.

© Ivan Terron / AFP7 / picture alliance

Madrid. Am Wochenende stimmte Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez sein Land im Kampf gegen die Coronavirus-Epidemie auf „sehr harte Tage“ ein. Nach Italien ist Spanien das am heftigsten von der Epidemie betroffene Land Europas. „Doch das Schlimmste kommt noch“, sagte der Regierungschef in einer Fernsehansprache.

Ausgerechnet in diesem Moment hat Spaniens Gesundheitssystem mit einem immer gravierender werdenden Problem zu kämpfen – der Ansteckung der Ärzteschaft und des Krankenhauspersonals mit dem Virus. „Wir verlieren immer mehr Kollegen, die dringend im Einsatz gebraucht werden“, versichert Rosa Atiénzar von der Valencianischen Ärztegewerkschaft. Durchschnittlich registriert Valencia täglich 250 Neu-Infizierungen. „Davon handelt es sich bei rund 80 Personen stets um Ärzte oder Krankenpfleger“, so Atiénzar. Schuld daran seien „fehlende Protokolle und vor allem fehlende Schutzkleidung“, meint die Gewerkschaftssprecherin.

Schutzkittel aus Plastikmüllsäcken

Die Küstenmetropole am Mittelmeer ist keine Ausnahme. Medien berichten von Gesundheitszentren und Krankenhäusern im ganzen Land, in denen sich das Personal sogar aus Plastikmüllsäcken Schutzkittel bastelte. „Mittlerweile sind rund 12 Prozent der Infizierten Ärzte, Sanitäter und Krankenpflegerinnen“, gibt auch Fernando Simón, Leiter des spanischen Seuchennotfallzentrums, offen zu. 4000 Ärzte und Pfleger insgesamt. Wobei Simón befürchtet, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt.

Aus diesem Grund sollen die ersten 640.000 zur Verfügung stehenden Tests nun am Klinikpersonal sowie Ärzten und Pflegepersonal in Altenheimen vorgenommen werden. In Spaniens Seniorenheimen wurden in den vergangenen Tagen besonders viele Todesopfer beklagt. Ein Großteil spanischer Altenpfleger hat sich bereits infiziert. Am Wochenende erhielt Spanien endlich die ersten Virus-Schnelltests aus China. Insgesamt bestellte Spanien sechs Millionen.

Experten fordern „totale Isolierung“

Unterdessen mobilisiert Spanien immer mehr Ärzte im Ruhestand und Medizinstudenten im Kampf gegen die Epidemie. Dennoch steht das spanische Gesundheitssystem kurz vor dem Kollaps. Eine Gruppe von 70 renommierten spanischen Epidemiologen, Molekularbiologen und Wissenschaftlern anderer Fachbereiche forderte deshalb am Wochenende bereits in einem offenen Brief an die Regierung die „totale Isolierung der Menschen“.

Die Experten empfohlen dringend, die Bewegungsfreiheit noch stärker einzuschränken, um die dramatisch schnelle Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und damit das Gesundheitssystem zu entlasten. So solle die Regierung auch die Fahrt zur Arbeitsstelle nur noch bei Arbeitnehmern der Grundversorgungssektoren gestatten. Ansonsten werde das spanische Gesundheitssystem um den 25. März komplett zusammenbrechen.

Behelfsklinik auf Messegelände

Zunächst kündigte Regierungschef Sánchez am Sonntag jedoch nur die Verlängerung des Alarmzustands und der Ausgehsperre bis zum 11. April an.

Besonders schlimm ist die Lage in Madrid, wo rund 60 Prozent aller Todesopfer gezählt werden. Auf dem IFEMA-Messegelände errichtete die Regionalregierung mit Hilfe der Armee auf 35.000 Quadratmetern bereits ein provisorisches Krankenhaus mit 5500 Betten zur Behandlung von Coronavirus-Kranken. Auch die ersten beiden Hotels wurden bereits in provisorische Krankenhäuser umgewandelt.

Die staatlichen Gesundheitszentren in Madrid schließen unterdessen abends ihre Notfallaufnahmen, um das Personal zur Unterstützung in die Krankenhäuser zu schicken. Fachbereiche wie Geburtshilfe, Pädiatrie und Gynäkologie wurden zudem auf vier Krankenhäuser konzentriert, um Kinder und werdende Mütter stärker von Virus-Erkrankten zu trennen.

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