Berufspolitik

Beschneidungsverbot: Ärzte sehen Gefahr für Jungen

Gibt es bald wieder religiös motivierte Beschneidungen in Kellerräumen und Garagen? Durchgeführt von medizinischen Laien? Die Gefahr besteht, warnen Mediziner.

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KÖLN (akr). Die Kritik am Urteil des Landgerichts Köln zum Verbot religiös motivierter Beschneidungen von Jungen reißt nicht ab. Ärzte fürchten, dass künftig wieder mehr Zirkumzisionen von medizinischen Laien unsachgemäß ausgeführt werden.

Allerdings gibt es auch erste befürwortende Stimmen. Die internationale Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes stimmt der Entscheidung der Richter zu.

"Wir begrüßen dieses Urteil", sagt die Vorsitzende Irmingard Schewe-Gerigk. "Es zeigt deutlich, dass die körperliche Unversehrtheit von Kindern nicht mit religiösen Argumenten verletzt werden darf."

Ärzte sehen aber die Gefahr, dass gerade durch das Urteil die Gesundheit der Jungen gefährdet wird. "Eltern werden sich nicht abhalten lassen, Jungen beschneiden zu lassen", sagt der Kölner Allgemeinmediziner Dr. Kenan Demir.

Er fürchtet, dass sie dabei unprofessionelle Hilfen in Anspruch nehmen. Diese Sorge hat auch der Kölner Kinderchirurg Dr. Hikmet Ulus. In seiner Praxis steht das Telefon nicht mehr still.

"Durch das Urteil haben wir eine Rückentwicklung"

In Nordrhein-Westfalen beginnen bald die Sommerferien. Viele Eltern haben für diese Zeit Termine für eine religiös motivierte Zirkumzision vereinbart - die der Kinderchirurg jetzt alle absagt.

"Türkische Ärzte haben jahrelang darum gekämpft, dass Beschneidungen aus religiösen Gründen von Medizinern vorgenommen werden", sagt Ulus.

Früher hätten die Eingriffe in Kellerräumen oder Garagen stattgefunden und für Jungen schlimme Folgen wie behandlungsbedürftige Vernarbungen zur Folge gehabt. "Durch das Urteil haben wir eine Rückentwicklung", sagt er.

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