Berufspolitik

Bonuspunkte für Patienten sollen das Grüne Rezept aufwerten

Die AOK Rheinland/Hamburg und der Apothekerverband Nordrhein haben ein Bonusprogramm mit dem Fokus auf rezeptfreie Arzneien gestartet.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:

Ziel ist es, das Bewusstsein der Patienten dafür zu schärfen, dass auch nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel eine hohe therapeutische Wirksamkeit haben können. Versicherte, die am Bonusprogramm "Vigo" der AOK Rheinland/Hamburg teilnehmen, erhalten für die Einreichung eines grünen Rezepts in der Apotheke Bonuspunkte - vorausgesetzt, sie lassen sich vom Apotheker beraten.

"Die Verordnung von Arzneimitteln auf einem Grünen Rezept ist Teil der ärztlichen Therapie", sagt der Vorstandsvorsitzende der Kasse Wilfried Jacobs der "Ärzte Zeitung". Die Bemühungen der Ärzte auf diesem Gebiet wolle die Kasse unterstützen. Die intensive Beratung der Patienten durch den Apotheker könne den Therapieerfolg fördern, so Jacobs.

Der Apotheker soll die Versicherten über die Wirkung etwa eines naturheilkundlichen Mittels ebenso aufklären wie über Neben- und Wechselwirkungen, aber auch über mögliche weitere Maßnahmen wie die Stärkung des Immunsystems. Bonuspunkte erhält der Versicherte nur dann, wenn die Beratung durch den Apotheker auf dem grünen Rezept dokumentiert ist. Dafür erhalten sie 200 Punkte, maximal sind hier 800 Punkte im Jahr möglich.

Der Vorsitzende des nordrheinischen Apothekerverbands Thomas Preis begrüßt das Engagement der AOK Rheinland/Hamburg zur Förderung des grünen Rezepts. "Nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel sind wichtiger Bestandteil einer wirksamen Therapie", sagt er. Wenn dafür das Bewusstsein der Patienten geschärft werde, können mehr Ärzte zum Einsatz des grünen Rezepts motiviert werden, hofft Preis.

Nach seinen Angaben beteiligen sich weit mehr als die Hälfte der rund 2800 Verbandsmitglieder an der Vereinbarung mit der AOK Rheinland/Hamburg, die im Herbst 2008 angelaufen ist. Sie sieht neben Bonuspunkten für das grüne Rezept für die Versicherten auch fünf Prozent Rabatt auf Nebensortimentsprodukte vor. "Mehrmals im Jahr wollen wir zu einzelnen Beratungsthemen besondere Aktionen durchführen", sagt Preis. In Verbindung mit diesen Aktionen erhalten die AOK-Versicherten für spezielle Produkte zeitlich befristet sogar acht Prozent Rabatt.

Was Patienten sagen, wenn die Kassen nicht zahlen

Ärzte erleben die Reaktionen von Patienten im Sprechzimmer ganz unterschiedlich, wenn die Sprache auf die fehlende Erstattung rezeptfreier Arzneien kommt. Das ist ein Ergebnis der nicht-repräsentativen Umfrage der "Ärzte Zeitung", an der fast 700 Leser teilgenommen haben.

Dass die Kassen nicht mehr zahlen, verstehen die Patienten bei fast zwei von drei der antwortenden Ärzte "als reine Sparaktion des Gesetzgebers". Fast 41 Prozent der Leser (Mehrfachantworten waren möglich) berichten, bei den Patienten überwögen immer noch "Unkenntnis und Unverständnis".

Einige Umfrageteilnehmer berichten, Patienten betrachteten die fehlende Erstattung als "Willkür". Doch mehrheitlich gibt es eine "murrende Akzeptanz", schreibt der Allgemeinarzt Dr. Richard Muß aus Regensburg. Die Patienten verstünden, "dass nicht Geld für alles und jeden vorhanden ist", sagt Dr. Peter Schweiger aus Neckargmünd.

Ein klassisches Reaktionsmuster der Patienten zitiert Dr. Peter Kremer, Facharzt für Frauenheilkunde aus Langenselbold: "Die Krankenkasse spart, obwohl ich so viel einzahle!" Dagegen betont der Allgemeinmediziner Dipl.-Med. Christian Rättig aus Brüsewitz, man müsse "Patienten aufklären. Rezeptfrei ist auch gut!"

Fast 14 Prozent der Ärzte berichten über weitere Folgen der Leistungskürzung: Die Nicht-Erstattung wirke sich auch auf das Image der Rezeptfreien aus. Demnach dächten Patienten, was nicht bezahlt werde, könne auch nicht wirksam sein. (fst)

Lesen Sie dazu auch: Rezeptfreie Arzneien sind weiter in der 1. Liga OTC auf Rezept - dafür hilft ein Blick in die Liste

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