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Großbritannien außerhalb der EU

„Brexit und Pandemie sind der perfekte Sturm“

Seit dem 1. Januar sind die Briten nicht länger Mitglied in der EU. Unter Ärzten und Patienten auf der Insel herrscht Verunsicherung. Es droht ein Personalengpass.

Arndt StrieglerVon Arndt Striegler Veröffentlicht:
Big Ben um 23 Uhr Ortszeit am 31.12.2020

Fünf vor zwölf? Nein, um 23.00 Uhr Londoner Ortszeit am Silvestertag war Großbritannien (aus Sicht der mitteleuropäischen Zeit) endgültig aus der EU ausgetreten.

© Han Yan/XinHua/dpa

London. Der Brexit ist mit Beginn des Jahres 2021 endgültig vollzogen. In den britischen Arztpraxen und Kliniken ist zum Start ins neue Jahr zu hören, dass der Brexit direkt und indirekt ein großes Problem für den Medizinbetrieb im Königreich sei – gerade in Zeiten der Corona-Pandemie.

Bis zuletzt hatten britische Berufsverbände appelliert, den Vollzug des Brexit zum 31. Dezember 20202 zu verschieben. Dabei wurde argumentiert, daß der staatliche britische Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) denkbar schlecht vorbereitet sei, zusätzlich zu den Herausforderungen, die COVID-19 für das Gesundheitswesen bringt, obendrein auch noch die Folgen des Brexit bewältigen zu können.

„Brexit und Pandemie sind der perfekte Sturm“, sagte zum Jahreswechsel ein Londoner Klinikarzt der „Ärzte Zeitung“.

Unsicherheit bei Ärzten und Patienten

Das Horror-Szenario vieler britischer Ärzte eines chaotischen No-Deal-Brexits konnte zwar in letzter Minute noch verhindert werden. Dennoch herrscht in britischen Arztpraxen, Kliniken und auch bei Patienten zum Jahresbeginn große Unsicherheit, wie die praktischen Auswirkungen des EU-Austritts konkret aussehen werden.

Sowohl die NHS Confederation – eine Mitglieder-Organisation für leitende NHS Entscheidungsträger und Organisatoren – als auch der Think Tank „Nuffield Trust“ warnen zu Jahresbeginn zum Beispiel vor drohenden Versorgungsengpässen bei Arzneimitteln, medizinischem Hilfsgerät und Verbrauchsmaterialien.

Zu wenig sei bekannt über zukünftige Formalitäten beim Im- und Export, heißt es. Zusätzliche Grenzkontrollen seien ein weiteres Problem.

Die Insel vor einem Personalengpass

Interessant: die Experten des „Nuffield Trust“ nennen mehrfach Brexit-bedingte, restriktive Aufenthalts- und Arbeitsbeschränkungen für EU-Ärzte und EU-Pflegepersonal. Die britische Krankenpflegergewerkschaft (Royal College of Nursing, RCN) beklagt, dass qualifizierte Pflegekräfte dank Brexit deutlich seltener nach Großbritannien zum arbeiten kämen.

Das RCN rechnet für das neue Jahr 2021 mit einer Verschlechterung der Lage. Großbritannien sei seit Jahresbeginn noch unattraktiver als Arbeitsplatz im Medizinbetrieb geworden.

Dort schließt sich der Kreis. Momentaufnahmen zum Jahresbeginn in britischen Kliniken zeigen, dass ein Mangel an qualifiziertem Personal erheblich zur prekären Versorgungslage beiträgt.

Der britische TV-Sender „Sky“ zitierte am Neujahrstag einen auf Intensivstationen tätigen NHS-Krankenpfleger. Der Pfleger bezeichnete die Zustände dort als „horrend“ und „unglaublich“. Anstatt wie gewöhnlich pro Intensivpatient eine Pflegekraft zu haben, müssten sich Pflegekräfte auf vielen NHS-Intensivstationen um „zwei, manchmal auch drei“ Patienten gleichzeitig kümmern.

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