Mehr Patienten, mehr Aufgaben

Britische Hausarztpraxen unter Druck

Immer mehr Patienten für immer weniger Ärzte und dazu noch die Pandemie, bringen Großbritanniens Hausärzte an die Grenzen der Belastbarkeit.

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Stopp, ich kann nicht mehr. Britische Hausärzte sind stark überlastet. (Symbolbild)

Stopp, ich kann nicht mehr. Britische Hausärzte sind stark überlastet. (Symbolbild)

© [M] Krakenimages.com / stock.adobe.com

London. Eine wachsende Zahl an Patienten und die zusätzliche Belastung durch die Coronavirus-Pandemie haben Hausärzte in Großbritannien an den Rand ihrer Belastungsgrenzen gebracht. Der Vorsitzende des Hausarztverbands Royal College of General Practitioners, Martin Marshall, meldete am Donnerstag dringenden Handlungsbedarf an, „um die Arbeitsbelastung und den Druck auf Hausärzte anzugehen“.

Eine Analyse von Daten des Nationalen Gesundheitsdiensts NHS im Auftrag der BBC hatte zuvor ergeben, dass allein im März 28 Millionen Arzttermine vereinbart wurden – eine der höchsten Zahlen, die jemals verzeichnet wurden. Gleichzeitig tragen die Hausärzte in Großbritannien derzeit mit 75 Prozent aller Impfungen die Hauptlast beim Impfen gegen das Coronavirus.

Die Zahl der Hausärzte ist in den vergangenen fünf Jahren ist unterdessen stetig zurückgegangen. Im größten Landesteil England praktizierten laut offiziellen Zahlen in diesem Jahr sieben Prozent weniger Allgemeinmediziner als noch vor fünf Jahren.

Schwer krank und trotzdem keinen Termin

Das spiegelte sich auch in der Anzahl der tatsächlich stattgefundenen Konsultationen im vergangenen Jahr wider, die im Vergleich zum Jahr davor um zehn Prozent abnahm. Rund die Hälfte aller Termine fand zudem rein telefonisch statt. Auch die Überweisungen für Krebsuntersuchungen gingen seit dem Beginn der Pandemie um 15 Prozent zurück.

Die Organisation Health Foundation sieht darin ein Zeichen, dass viele Patienten es nicht mehr schaffen, an Termine zu kommen und Leiden unbehandelt bleiben. Demnach haben potenziell 367.000 Menschen mit Krebssymptomen bislang keine weitergehenden Untersuchungen erhalten. Befürchtet wird auch, dass Patienten mit anderen schweren Krankheiten wie Herzproblemen oder Lungenkrankheiten teilweise unbehandelt bleiben. (dpa)

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