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COVID-19-Situation in Großbritannien

Corona: Licht und Schatten im UK

NHS-Hauptgeschäftsführer Sir Simon Stevens sieht das staatliche britische Gesundheitswesen wegen Corona in der schwersten Krise seit Jahrzehnten. Gleichzeitig gibt es aber auch positive Signale.

Arndt StrieglerVon Arndt Striegler Veröffentlicht:
Menschen ruhen sich am Mittwoch in der Kathedrale von Salisbury (Südengland) aus, nachdem sie ihre Corona-Impfung erhalten haben.

Menschen ruhen sich am Mittwoch in der Kathedrale von Salisbury (Südengland) aus, nachdem sie ihre Corona-Impfung erhalten haben.

© dpa

London. Das britische Gesundheitswesen stehe auf der Kippe und befinde sich „in der schwersten Krise seiner 72-jährigen Geschichte“ – alarmierende Worte eines Mannes, der es wissen muss: der Hauptgeschäftsführer des staatlichen Gesundheitsdienstes (National Health Service, NHS), Sir Simon Stevens.

Kliniken und Arztpraxen sind überfordert, greifen immer öfter zu Notmaßnahmen wie die Unterbringung kranker Patienten auf den Fluren oder in Nebenräumen. Hausarztpraxen verlängern ihre Öffnungszeiten auf 16 Stunden oder noch länger und Haus- und Klinikärzte, Pflegepersonal und Arzthelferinnen und -helfer verzichten auf Urlaub oder sogar auf Babypausen, um zu helfen.

Ruheständler melden sich wieder zum Dienst

Laut der britischen Krankenpflegergewerkschaft haben sich seit Jahresbeginn tausende bereits im Ruhestand befindliche Fachkräfte freiwillig zur Arbeit zurückgemeldet, um auf den Krankenhausstationen auszuhelfen. Doch das reicht laut Sir Simon noch immer nicht aus, da tausende Fachkräfte an COVID-19 erkrankt sind und jetzt fehlen.

Seit Weihnachten wurden nach Angaben des Londoner Gesundheitsministeriums mehr als 15.000 Patienten neu stationär in die NHS-Kliniken eingewiesen. Die Zahl der stationär behandelten COVID-19-Patienten ist nach Angaben von Gesundheitsminister Matt Hancock höher als je zuvor.

Unterdessen wurden neue Statistiken bekannt, wonach Großbritannien mittlerweile weltweit mit die höchste COVID-19-Mortalität hat – diese liegt aktuell bei 455 je 100.000 Einwohner (Deutschland: 136 Tote je 100.000). 33.355 neue Infektionsfälle wurden auf der Insel am Dienstag neu gemeldet. Zusammen mit den 1610 COVID-19-Sterbefällen vom gleichen Tag verzeichnet Großbritannien bisher insgesamt 91.470 Tote in Folge der Pandemie.

Bei Impfungen ist das Königreich weiter auf einem guten Weg

Die Tatsache, dass der Chef des NHS öffentlich und mit teils sehr alarmierenden Worten auf die Krise hinweist, zeigt nach Einschätzung gesundheitspolitischer Beobachter, wie ernst die Lage ist. Laut TV-Sender Sky wird derzeit „alle 30 Sekunden“ ein neuer COVID-19-Patient in eine britische Klinik eingewiesen. Hohe Funktionäre wie Sir Simon äußern sich gewöhnlich nicht öffentlich in dieser Art und Weise.

Unterdessen kommen die Impfungen gegen COVID-19 im Königreich deutlich besser voran als in Deutschland. Bislang wurden nach Angaben des Londoner Gesundheitsministeriums landesweit rund 4,2 Millionen Patienten vakziniert. Pro Minute werden derzeit 140 Impfungen verabreicht. Einige Impfzentren sind rund um die Uhr geöffnet und immer mehr Primärarztpraxen nehmen teil.

Gesundheitsminister Hancock sagte, „bis September“ solle jedem der sich in Großbritannien impfen lassen wolle, ein Termin angeboten werden. Nachdem Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, über 80-Jährige sowie Gesundheitspersonal vakziniert wurden, starteten in dieser Woche die Impfungen der über 70-Jährigen und von multimorbiden Risikopatienten.

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