BKK Dachverband

Corona brachte Krankenhäuser nicht ans Limit

Die BKKen sehen keine Anzeichen dafür, dass die Kliniken in Deutschland wegen COVID-19 an die Kapazitätsgrenzen geraten sind. Die befürchtete Krankheitswelle sei ausgeblieben. Ob die Häuser den Leerstand lukrativ nutzten, sei zu beobachten.

Von Thomas Hommel Veröffentlicht: 26.06.2020, 14:51 Uhr
Corona brachte Krankenhäuser nicht ans Limit

Krankenkassen und Krankenhausgesellschaft schätzen die Auswirkungen der Coronaviruspandemie auf die Kliniken unterschiedlich ein.

© Halfpoint / stock.adobe.com

Berlin. Überlaufende Intensivstationen, abgewiesene Patienten: Anders als in Italien oder Spanien sind die Krankenhäuser in Deutschland in der Coronavirus-Pandemie bislang nicht an Kapazitätsgrenzen geraten.

Das hebt der BKK Dachverband in einer Mitteilung hervor und verweist darin auf eigene wie auch Daten seiner 72 Mitgliedskassen.

18.000 Einweisungen wegen COVID

Die Auswertung zeige, dass die befürchtete Krankheitswelle von Corona-Patienten, die wegen schwerer Atemwegserkrankungen ins Krankenhaus mussten, in Deutschland bislang ausgeblieben sei, betont der Kassenverband.

Bis Mitte Juni ist es den Angaben zufolge zu knapp 18.100 Krankenhauseinweisungen von BKK-Versicherten aufgrund von COVID-19-Diagnosen gekommen. Knapp 1490 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 67,9 Jahren mussten beatmet werden. 502 verstarben. Insgesamt sind bisher fast 570 COVID-19 BKK-Patienten im Krankenhaus verstorben.

Normale Belegung steigt wieder

Laut BKK-Statistik sank die Zahl der Klinikaufnahmen von BKK-Versicherten im Zeitraum Mitte März bis Ende April zwischenzeitlich um bis zu 50 Prozent im psychiatrischen und 46 Prozent im somatischen Behandlungsbereich gegenüber dem Wochendurchschnitt im Februar.

Ab Mai sind die Belegungszahlen für somatische Fälle zwar wieder gestiegen, sie lagen den Angaben zufolge aber in der dritten Juni-Woche noch immer mit 23 beziehungsweise 24 Prozent unter dem Durchschnitt der Zeit vor der Pandemie.

„Ein Grund ist, dass viele planbare Operationen, soweit medizinisch vertretbar, durch die Aufforderung der Politik am 13. März, verschoben wurden“, sagt der Vorstand des BKK Dachverbands, Franz Knieps. Ob die vom Bund finanzierten leerstehenden Betten für die Krankenhäuser lukrativer seien als belegte, müsse man „im Auge behalten“.

Bezahlung für Leerstand?

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hatte den Vorwurf „Bezahlung für Leerstand“ zuletzt als grotesk beiseitegeschoben. „Zu keinem Zeitpunkt“ seien die Freihaltepauschalen zur Finanzierung von Leistungen für COVID-19-Patienten vorgesehen gewesen. Zweck sei und bleibe die „Vorsorge für den pandemischen Worst-Case“.

DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum betonte am Freitag gegenüber der „Deutschen Presseagentur“, eine Rückkehr zur Regelversorgung sei bis weit ins kommende Jahr nicht möglich. Die Zahl stationärer Aufnahmen von COVID-19-Patienten sinke zwar insgesamt, diese belegten inzwischen auch weniger Intensivbetten mit Beatmung. Die Kapazitäten würden aber weiter dadurch stark begrenzt, dass eine konsequente Infektionsvermeidung sicherzustellen sei.

So sei die Versorgung im Mehrbettzimmer kaum noch möglich, sagte Baum. Kliniken hätten durch Corona auch höhere Fallkosten: Für COVID-19-Erkrankte seien abgetrennte Intensiv- und Bettenstationen einzurichten. Personal müsse so weit wie möglich getrennt eingesetzt werden.

Insgesamt fahre der Normalbetrieb langsam hoch, es würden auch wieder schwere Operationen vorgenommen, die sich prinzipiell aufschieben ließen.

Aus Furcht Kliniken gemieden

Laut BKK-Statistik wurden in den vergangenen Monaten vor allem elektive Knie- und Hüftoperationen verschoben. Auch Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten gingen deutlich seltener ins Krankenhaus. So sanken die Fallzahlen beim Schlaganfall bis Anfang April um 30 Prozent, Herzinfarkte erreichten Ende März einen Tiefstand von 64 Prozent gegenüber den Vormonaten.

„Offenbar haben viele Patienten mit Herzinfarkt- oder Schlaganfallsymptomen in den vergangenen Wochen den Weg ins Krankenhaus gescheut aus Angst, sich mit COVID-19 zu infizieren. Diese Furcht kann lebensgefährlich sein“, sagte Knieps. Patienten dürften notwendige Akutbehandlungen nicht „verdrängen“.

Die Politik sieht Knieps in der Verpflichtung, die Klinikstrukturen nach der Krise erneut auf die Agenda zu heben. „Nach der Pandemie müssen wir einiges neu bewerten, nicht nur die Vorhaltung von Intensivkapazitäten, sondern auch die Versorgung durch Krankenhäuser in der Fläche und speziell in Ballungsgebieten“. Die Corona-Krise beweise, „dass wir nicht alle Kliniken brauchen“, so Knieps.

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