Volkskrankheit Diabetes

DDG fordert mehr Partizipation und mehr Forschung

Die Einbindung von Wissenschaft und Patienten in politische Prozesse, die Stärkung der Forschung sowie ein Nationaler Diabetesplan sind zentrale Forderungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft.

Helmut LaschetVon Helmut Laschet Veröffentlicht:

BERLIN. Vier Aufgabenfelder hat die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) für die Gesundheitspolitik in der neuen Wahlperiode identifiziert.

  • Partizipation: Fachgesellschaften sollen gesetzlich legitimiert werden, Fragen der öffentlichen Gesundheit aktiv mitzugestalten. Der Gesetzgeber müsse nun eine "regelhafte Einbindung" der medizinischen Fachgesellschaften sicherstellen, wenn es darum gehe, den medizinischen Standard nach dem SGB V festzulegen. Dies gelte insbesondere für die Bestimmung patientenrelevanter Endpunkte bei der Evaluation von Arzneimitteln und Medizinprodukten. Die Patienten-Selbsthilfe müsse ein Stimmrecht im Gemeinsamen Bundesausschuss bekommen.
  • Stärkung der Forschung: Der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Versorgung müsse gestärkt, Lehre und klinische Ausbildung an Universitäten und nichtuniversitären Einrichtungen ausgebaut werden. Notwendig sei dazu auch eine Reform der Vergütungssystematik, um die sprechende Medizin aufzuwerten. Die Unterbewertung dieser Leistungen habe dazu geführt, dass Lehrstühle für Diabetologie sowie diabetologische Abteilungen in Kliniken dem Rotstift zum Opfer gefallen seien. Das gefährde die Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses und somit die Versorgung einer wachsenden Zahl von Diabetikern.

    Erweiterte Förderung: Konkret verlangt die DDG eine erweiterte Förderung des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung, eine stärkere Verankerung der Diabetologie im Medizinstudium, eigenständige Fachabteilungen in Kliniken und die Anerkennung der Qualifikation "Zusatzweiterbildung Diabetologie" durch die Ärztekammern. Patientendaten müssten in Registern zusammengeführt werden.

  • Digitalisierung: Die DDG sieht darin eine große Chance für die interdisziplinäre und sektorenübergreifende Vernetzung. Dazu sei ein flächendeckender Netzausbau mit Gigabit-Kapazitäten sowie die zügige Umsetzung des E-Health-Gesetzes notwendig. Datenschutz und Datensicherheit müssten mit den Belangen von Versorgung und Forschung abgewogen werden. Die DDG hat dazu einen "Code of Conduct Digital Health" entwickelt.
  • Nationaler Diabetesplan: Bisherige Anstrengungen, den Anstieg nichtübertragbarer Krankheiten zu stoppen, seien unwirksam geblieben. Die Prävalenz von Adipositas und Diabetes nehme weiter zu, besonders bei sozial schwachen und bildungsfernen Bevölkerungsschichten. Notwendig sei ein Paradigmenwechsel in der Präventionspolitik von der Verhaltens- und zur Verhältnisprävention. Konkret schlägt die DDG eine Reform für Verbrauchssteuern vor: eine Mehrwertsteuerbefreiung für gesunde Lebensmittel wie Obst und Gemüse. Alle anderen Lebensmittel sollen mit 19 Prozent besteuert werden. Für besonders ungesunde Lebensmittel mit viel Zucker, Salz und Fett, etwa Limonaden oder Chips sollte eine Mehrwertsteuer von 29 Prozent erhoben werden. Es wird davon ausgegangen, dass insbesondere soziale Unterschichten preiselastisch reagieren und den Konsum ungesunder Produkte vermeiden werden. Erfahrungen dazu liegen aus den 2000er Jahren mit Alcopops vor, die so gut wie verschwunden sind. Schließlich fordert die DDG einen Nationalen Diabetesplan als Strategie gegen Apipositas und Diabetes. Dies war in der letzten Legislaturperiode trotz einiger Anläufe gescheitert.
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