Langzeitpflege

Demografie nimmt Pflege in die Zange

Immer mehr private Anbieter drängen europaweit in den Markt für die Langzeitpflege. Das muss laut einem Bericht der EU-Kommission nicht unbedingt Schlechtes heißen. Gebraucht wird jeder seriöse Anbieter.

Matthias WallenfelsVon Matthias Wallenfels Veröffentlicht:
Wagniskapitalgebern – gerne Heuschrecken genannt – wird oft vorgeworfen, mit einer Beteiligung an privaten Langzeitpflegeanbietern nicht das Wohl der diesen anvertrauten Menschen, sondern nur die maximal erzielbare Rendite zu fokussieren.

Wagniskapitalgebern – gerne Heuschrecken genannt – wird oft vorgeworfen, mit einer Beteiligung an privaten Langzeitpflegeanbietern nicht das Wohl der diesen anvertrauten Menschen, sondern nur die maximal erzielbare Rendite zu fokussieren.

© Christian Ohde/imageBROKER/picture alliance

Brüssel. Angesichts des Demografiewandels steigt der Bedarf an Langzeitpflegekapazitäten europaweit immens. Belief sich der Anteil der über 65-Jährigen 2020 noch auf 20 Prozent, so soll er 2030 bereits 30 Prozent betragen.

2021 bedurften EU-weit bereits 31 Prozent der über 65-Jährigen einer Langzeitpflege – im häuslichen, teilstationären oder stationären Umfeld. Das geht aus einem jetzt veröffentlichten Bericht der EU-Kommission hervor, indem für 16 Mitgliedstaaten – darunter Deutschland – gemeinsam mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG Markt und Perspektiven der Langzeitpflege analysiert werden.

Die Kommission treibt dabei die Frage um, ob der im Prinzip 18 der europäischen Säule sozialer Rechte verbriefte Anspruch jedes einzelnen in der EU auf bezahlbare und hochwertige Langzeitpflegedienste, insbesondere häusliche Pflege und wohnortnahe Dienstleistungen, realisiert werden kann.

Teils multinationale Player am Markt aktiv

Laut Bericht ist ein gemeinsamer Trend unübersehbar: Es drängen immer mehr private – und damit gewinnorientierte – Anbieter auf den Markt. Wie Vertreter der teils von Wagniskapitalgesellschaften gesteuerten Anbieter im Interview geäußert hätten, sei es für sie europaweit kein Problem, die Gewinnorientierung mit den einzelnen regulatorischen Anforderungen in den jeweiligen Mitgliedstaaten unter einen Hut zu bringen.

Mit Belgien, Deutschland, Irland, Italien und Rumänien sei in fünf Mitgliedstaaten ein eindeutiger Trend zur Privatisierung im Markt für die Langzeitpflege zu verzeichnen.

Auf weniger Staaten konzentriert seien multinationale Player am Markt für Langzeitpflegeangebote. Die meisten hätten dabei ihren Sitz in Frankreich und seien in den Märkten der Nachbarstaaten Belgien, Deutschland, Italien und Spanien, aber auch den Niederlanden aktiv. Skandinavische Anbieter bedienten die dortigen Märkte inklusive des nicht zur EU zählenden norwegischen.

Unterschiedliche Ansätze

Der Bericht verdeutlicht, dass die untersuchten Mitgliedstaaten jeweils unterschiedliche Ansätze zur Sicherung der Langzeitpflege im jeweiligen Markt verfolgen – allen gemein ist ein anhaltender Fachkräftemangel sowie der sich abzeichnende Überhang der Nachfrage gegenüber dem Angebot.

In Deutschland sind in der Langzeitpflege immer weniger öffentliche Angebote verfügbar, wird der Markt zunehmend dominiert von freigemeinnützigen Trägern oder eben privaten Pflegeunternehmen. Letztere stehen wegen ihrer Gewinnorientierung – und damit ihrem Renditestreben – immer wieder in der öffentlichen und auch politischen Kritik.

Mehr zum Thema

Prävention stärken

Pflegeheime müssen Bewohner mehr unterstützen

Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Gendern oder nicht? Die Debatte darüber verlief beim Ärztetag kontrovers.

© Rolf Schulten

Kontroverse Stimmungslage

Anträge zum Gendern bescheren emotionale Ärztetags-Debatte

Erfahrungen aus der Behandlung von Patienten mit Affenpocken aus dem UK legen nahe, dass die Isolation den Patienten psychisch zusetzt (Symbolbild).

© David Pereiras / stock.adobe.com

Ärzte berichten

Auch psychische Behandlung nach Affenpocken-Infektion mitunter nötig