Berufspolitik

"Depressionen dürfen kein Tabuthema sein"

KÖLN (iss). Der Forderung nach einer besser abgestimmten wohnortnahen und kontinuierlichen Versorgung von Patienten mit Depressionen müssen endlich Taten folgen, verlangt die Präsidentin der nordrhein-westfälischen Psychotherapeutenkammer Monika Konitzer.

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"Es ist an der Zeit, die Erkenntnisse, wie depressiv Kranke rechtzeitig und dauerhaft erfolgreich behandelt werden können, in die Praxis umzusetzen", sagte Konitzer anlässlich der Fachtagung "Depressionen erkennen und behandeln: Ein Gesundheitsziel in Nordrhein-Westfalen" in Münster.

Die Tagung wurde gemeinsam vom nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerium und der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) organisiert. "Depressionen sind bislang ein gesellschaftlich unzureichend wahrgenommenes Erkrankungsbild, nur selten gehen Betroffene offen mit ihrem Leid um", sagte der KVWL-Vorsitzende Dr. Ulrich Thamer.

Depressionen entwickelten sich zu einer Volkskrankheit, warnte Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). "Wir müssen sie aus der Tabuzone holen und gemeinsam mit allen Beteiligten des Gesundheitswesens die Möglichkeiten der Behandlung darstellen."

Er mache sich Sorgen, dass der Anteil von psychischen Erkrankungen an der Arbeitsunfähigkeit von Jahr zu Jahr zunehme, sagte Laumann, der auch Arbeitsminister in NRW ist. Er sieht die betriebliche Gesundheitsförderung in der Pflicht, psychisch belastende Faktoren am Arbeitsplatz stärker zu berücksichtigen.

Die Erkrankung werde zu häufig nicht erkannt, sagte Psychotherapeutin Konitzer. Außerdem müssten Betroffene teilweise zu lange auf die Versorgung warten. "Depressiv Kranke brauchen im Notfall schnelle und unbürokratische Kriseninterventionen." Notwendig seien wohnortnahe ambulante Angebote, um schweren Krankheitsverläufen und stationären Aufenthalten vorzubeugen.

Konitzer verwies darauf, dass bei einem Drittel der Patienten Depressionen wiederkehren. "Depressiv Kranke bedürfen deshalb einer besseren langfristigen Versorgung, um erzielte Behandlungserfolge zu stabilisieren." Eine patientenorientierte Versorgung lasse sich aber mit dem "engen Korsett der Richtlinienpsychotherapie" in der gesetzlichen Krankenversicherung kaum vereinbaren, kritisierte sie. "Langwierige Gutachterverfahren und rationierte Stundenkontingente sind nicht bedarfsgerecht."

STICHWORT

Gesundheits- konferenz

Die nordrhein-westfälische Landesgesundheitskonferenz hat das Thema "Depressionen erkennen und behandeln" 2004 in den Katalog der zehn vorrangigen Gesundheitsziele für NRW aufgenommen. Nach Angaben der Landespsychotherapeutenkammer ist zurzeit jeder 20. Erwachsene im bevölkerungsreichsten Bundesland depressiv krank, jeder fünfte Erwachsene erkrankt während seines Lebens mindestens einmal an einer Depression. In NRW gibt es in elf Kreisen und kreisfreien Städten "Bündnisse gegen Depression", vier weitere sind in Planung. Das Landesgesundheitsministerium fördert ein Projekt, das Präventionsprogramme und -strukturen für Kinder und Jugendliche entwickelt, deren Eltern psychisch krank sind, da diese Gruppe ein erhöhtes Krankheitsrisiko hat. (iss)

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