Sachsen

Der Bedarfsplan steht

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Die neue Bedarfsplanung in Sachsen ist auf den Weg gebracht worden. Die Hoffnung war, dass die Versorgung auf dem Land davon profitiert. Doch nun drohen bei Hausarzt-Zulassungen böse Überraschungen -  wie schon in Thüringen.

Von Thomas Trappe

DRESDEN. Die KV Sachsen hat sich mit den Kassen auf eine neue Bedarfsplanung geeinigt. Genaue Zahlen sind noch unbekannt, allerdings scheint klar, dass Psychotherapeuten profitieren werden. Auch bei Hausärzten deuten sich Änderungen an - ob diese positiv sein werden, ist aber offen.

Die KV erklärte in einer gemeinsamen Mitteilung mit dem vdek, dass sich mit der neuen Bedarfsplanung "die Systematik zur Ermittlung von Versorgungsgraden grundlegend" geändert habe.

So seien die Verhältniszahlen und der Demografiefaktor angepasst und neue Zuschnitte "für zahlreiche Arztgruppen" festgelegt worden. "Die Größe der Planungsbereiche steigt dabei mit dem Spezialisierungsgrad der Arztgruppe."

Droht der Thüringen-Effekt?

In welchem Maße und vor allem in welche Richtung es Anpassungen gibt, lässt die KV offen. Sprecher Ingo Mohn verweist bei Nachfrage darauf, dass zunächst noch das sächsische Sozialministerium der Einigung zustimmen müsse.

"Da die Beanstandungsfrist aktuell noch läuft und noch keine Beschlüsse hinsichtlich von Zulassungsmöglichkeiten durch den Landesausschuss gefasst wurden, können derzeit noch keine konkreten Angaben zu der Zahl möglicher neuer Zulassungen mitgeteilt werden."

Allerdings erklärte der KV-Vorstandsvorsitzende Dr. Klaus Heckemann bei der jüngsten Vertreterversammlung in Dresden, dass sich die Zahl der Arztsitze "fast durchgängig reduziert" habe.

Damit wird sich in Sachsen der Planungsatlas wohl ähnlich verändern wie zuvor in Thüringen, wo massiv Sitze verloren gingen.

Dipl.-Med. Ingrid Dänschel, Vorsitzende des Sächsischen Hausärzteverbands, erklärte, dass sie bis jetzt weder von der KV noch vom Ministerium Prognosen über die künftigen Hausarztsitze im Freistaat bekommen habe.

"Wir sind nicht involviert", so Dänschel. In der Mitteilung der KV heißt es, dass es "kleinräumigere Planungsbereiche" geben soll, "um die lokale Versorgungssituation realistischer abbilden zu können".

Auch bei den Fachärzten wird auf eine kleinteiligere Planung gesetzt. So werde von den bundeseinheitlichen Vorgaben abgerückt, um "die Nachbesetzung von Arztstellen genauer" steuern zu können, wird erklärt. Grundlage seien meist die sächsischen Altkreise und nicht die größeren nach der Gemeindereform 2008.

Psychotherapeuten profitieren

Profiteure der neuen Planung scheinen vor allem die Psychotherapeuten zu sein.

Dr. Peter Schuster, Vorsitzender der sächsischen Landesgruppe der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung und Mitglied des Fachausschusses Psychotherapie der Landes-KV, erklärte auf Anfrage, dass auf dem sächsischen Land "für die ärztlichen und psychologischen Psychotherapeuten sowie die Kinder- und Jugendpsychotherapeuten neue Sitze hinzukommen und in den Städten keine abgebaut" würden.

"Am meisten profitieren die ärztlichen Psychotherapeuten, da diese einen Mindestanteil der Sitze zugesprochen bekommen."

Die KV erklärte dazu, dass die "ungleichen Verteilungsmuster zwischen städtischen und ländlichen Regionen" bei den Psychotherapeuten in Sachsen "ausgeglichen" worden seien, "woraus insbesondere in ländlichen Räumen Zulassungsmöglichkeiten resultieren".

Das Ministerium als Aufsichtsbehörde äußerte sich auf Anfrage nicht. Am 26. Juni soll der Landesausschuss erstmals Beschlüsse auf Grundlage der neuen Bedarfsplanung treffen.

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