Coronavirus-Pandemie

Deutschland braucht „Inseln der Präzision“

Ein politisches Management muss auf Sicht fahren können. Daher kann es sich nicht leisten, keine Daten zu haben. Teil 5 unserer Serie in Kooperation mit IGES.

Von Prof. Dr. Bertram HäusslerProf. Dr. Bertram Häussler Veröffentlicht:
Mehr Informationen und Daten über das Corona-Geschehen sind nötig, betont Professor Bertram Häussler, Vorsitzender der Geschäftsführung des IGES-Instituts.

Mehr Informationen und Daten über das Corona-Geschehen sind nötig, betont Professor Bertram Häussler, Vorsitzender der Geschäftsführung des IGES-Instituts.

© flydragon / stock.adobe.com

Die Pest hat Europa entvölkert, sozial und politisch zerrüttet. Corona rüttelt bereits jetzt gewaltig an unseren Gesellschaften und Ökonomien. Es wird nicht die letzte Pandemie sein. Nicht zuletzt deshalb, weil die Technologie weit verbreitet ist, mit der Böswillige so etwas absichtlich reproduzieren können.

Die Digitalisierung des Lebens sowie die Technologie zur gezielten Intervention mit Impfungen und bald vielleicht auch mit Medikamenten sind die beiden technologischen Pfeiler, um hoffentlich auch Virusmutationen die Stirn zu bieten. Die Einhaltung von Regeln, um Ansteckungen zu vermeiden, ist der dritte Pfeiler. Aber was ist mit dem Management, der Koordination der vielfältigen Eingriffe in das gesellschaftliche Leben?

Das Informationsdesaster der Feiertage darf sich nicht wiederholen.

Niemand ist ein Vorwurf zu machen, wenn es zunächst knirscht. Wir haben so etwas noch nicht erlebt. Aber mittlerweile hinkt das politische Management deutlich hinterher. Wir haben in der ersten Januarhälfte ein Land im Blindflug erlebt, weil keiner wusste, was im 3. Lockdown gerade passiert.

Eine Mehrheit der Öffentlichkeit und Politik vereinigte sich hinter der Verschlimmerungs-These und forderte, den Druck aufs Bremspedal zu steigern. Dabei war lediglich die Frontscheibe verdreckt. In Wirklichkeit war das Land „on track“ – der Lockdown hat massiv gewirkt, wie wir jetzt wissen.

Datenquellen sind Faxgeräte, Briefe, Telefon

Ein politisches Management muss auf Sicht fahren können. Daher kann es sich nicht leisten, keine Daten zu haben. Diese kommen vielfach von Faxgeräten, Briefen oder per Telefon. Ab dem 24. Dezember halbierte sich die Menge an Tests, was einen Einbruch bei den gemeldeten Fällen nach sich gezogen hat, der mindestens 50.000 Infizierte betraf.

Meldungen von Corona-Todesfällen müssen sich oftmals über das Standesamt zur Meldestelle quälen, bis sie im nationalen Sensorium, dem RKI, zur Verfügung stehen. Die Gesundheitsämter melden oftmals ein „diffuses Geschehen“. Ob es ihnen tatsächlich „diffus“ vorkommt oder ob sie nicht sagen, was sie wissen, bleibt dahingestellt.

Die Software zur Kontaktverfolgung ist gerade bei einem Drittel der Gesundheitsämter angekommen. Politiker und manche Medien verbreiten missverständliche Zahlen von Todesfällen, deren Infektion im Durchschnitt drei Wochen zurückliegen und uns über die aktuelle Wirksamkeit des Lockdowns im Unklaren lassen.

Pilotregionen mit zeitnaher und umfassender Registrierung

Sind wir realistisch: Dieses Szenario können wir auf Bundesebene kurzfristig nicht verbessern. Daten brauchen wir jetzt. Daraus kann nur folgen, dass wir eine Zahl von Inseln der Präzision errichten: modellhafte Pilot-Regionen, in denen zeitnah und umfassend registriert wird. Das können ein oder zwei Metropolen sein, eine ländliche Region, eine in Grenznähe, an einem Transitweg, eine im Osten, eine im Westen, eine in Bayern, eine in NRW. Dort wird das Gesundheitswesen im Schnellgang digitalisiert, eine gut ausgebildete Taskforce wird bereitstehen.

Die Landräte und Bürgermeister werden als Partner gewonnen und mit ausreichenden Mitteln kompensiert, leistungsgerecht bezahlt. Wenn heute Corona-Register inaktiv bleiben, weil Ärzte in dieser Zeit nicht unterstützt und für Dokumentationen bezahlt werden, läuft etwas falsch.

Wir müssen erreichen, dass wir zwischen den Wirkungen von Restriktionen – besonders bei Schulen –, von Impfungen, Einträgen von außen und den gefährlichen Mutationen unterscheiden können. Mit geringem Verzug. Das Informationsdesaster der Feiertage darf sich nicht wiederholen.

Professor Dr. Bertram Häussler ist Vorsitzender der Geschäftsführung des IGES-Instituts

Pandemie-Monitor

Wie ist die zweite Pandemie-Welle entstanden? Wie hätte sie verhindert werden können? Was kennzeichnet das derzeitige Ausbruchsgeschehen? Antworten auf diese und andere aktuelle Fragen gibt der IGES Pandemie Monitor.

Er bietet differenzierte Analysen über die Entwicklung der Pandemie und über die Treiber von Infektionen mit SARS-CoV-2. Dies soll die Anstrengungen aller unterstützen, die Pandemiedynamik besser zu verstehen und die richtigen Maßnahmen zu treffen.

Der IGES Pandemie Monitor versteht sich auch als Antwort auf das durch die Corona-Krise entstandene, große allgemeine Interesse an Gesundheitsdaten.

Der IGES Pandemie Monitor wird als Internetseite präsentiert, deren Inhalt laufend an das Geschehen angepasst wird.

www.iges.com/corona

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