Gesundheitsämter erhalten SORMAS

Warum die einheitliche Corona-Kontaktnachverfolgung holpert

Bis Ende Februar sollen alle Gesundheitsämter bundeseinheitlich mit der Kontaktnachverfolgungssoftware SORMAS ausgestattet sein. Das Ziel ist sportlich, denn es herrscht ein Flickenteppich: Bisher arbeiten die Ämter mit verschiedenen Lösungen, was den Datenabgleich schwer macht.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:
Lukas Murajda, Amtsarzt in Berlin-Mitte, erklärt im Lagezentrum des Gesundheitsamt Mitte das Kontakt-Personen-Management-System SORMAS. Die Zahl der Gesundheitsämter, die mit diesem System arbeiten, soll zügig erhöht werden. (Archivfoto)

Lukas Murajda, Amtsarzt in Berlin-Mitte, erklärt im Lagezentrum des Gesundheitsamt Mitte das Kontakt-Personen-Management-System SORMAS. Die Zahl der Gesundheitsämter, die mit diesem System arbeiten, soll zügig erhöht werden. (Archivfoto)

© Britta Pedersen / dpa-Zentralbild / dpa

Berlin. In der vergangenen Woche hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel für eine Umstellung auf ein einheitliches System geworben, nachdem das ursprüngliche Ziel gerissen worden war, bis Ende Dezember mit SORMAS (Surveillance and Outbreak Response Management System) einheitliche Verhältnisse bei der Kontaktverfolgung zu haben.

Entwickelt haben die Software das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam und das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig bereits vor sieben Jahren. Die ursprüngliche Motivation war, Ausbrüche von Ebola in Westafrika verhindern zu können. Das Bundesforschungsministerium hat die Softwareentwickler mit 700.000 Euro gefördert.

Aktuell arbeitet nur jedes dritte Gesundheitsamt mit der Software, hat die Bundesregierung Mitte Januar auf eine Anfrage der Grünen hin erklärt. Der Flickenteppich an technischen Lösungen sorge immer dann für Probleme, wenn Kontaktpersonen aus mehreren Landkreisen kämen und damit mehrere Gesundheitsämter zuständig würden, berichtete das ZDF-Magazin WISO.

Pilotphase für SORMAS

Offenbar ist die bundesweite SORMAS-Version aber noch gar nicht komplett. Viele Gesundheitsämter planten voraussichtlich erst dann einen Wechsel zu SORMAS, wenn die vollständige Vernetzung zur Verfügung stehe, sagte die Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes Dr. Ute Teichert der „Ärzte Zeitung“ am Montag. Die Version werde derzeit „pilotiert“, so Teichert. Sie werde „viele Telefonate und Schriftwechsel“ ersparen helfen.

Vor allem soll SORMAS die Medienbrüche beenden, die heute noch Alltag in der Kommunikation zwischen Ämtern und zum Beispiel den Laboren sind. Der Vorsitzende des Verbandes der Laborärzte Dr. Andreas Dombrowski verwies in WISO darauf, dass die Labore massiv Personal hätten aufstocken müssen, um die von den Ämtern händisch ausgefüllten Begleitformulare zu Tests zu digitalisieren. Mit SORMAS wären die Ämter unter anderem dazu in der Lage, Labormeldungen direkt aus dem Deutschen Elektronischen Melde- und Informationssystem für den Infektionsschutz (DEMIS) zu empfangen und Datensätze mit anderen Gesundheitsämtern digital auszutauschen.

Ministerium bezahlt die Wartung

Dass das Stand heute weitgehend nicht umgesetzt ist, liege daran, dass die Gesundheitsämter in den ersten neun Monaten der Pandemie „sich individuelle Prozesse zur Bewältigung der Arbeit“ angelegt hätten. Nun wieder umzusteigen stelle eine Herausforderung dar, erklärt Teichert. Dort gelte „never change a running system“.

Immerhin: SORMAS ist Open Source, kostet die Ämter mithin nichts, und das Bundesgesundheitsministerium übernimmt die Kosten für Installation, Betrieb, Wartung und Support bis Ende 2022. Zudem bietet die Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen zusammen mit dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsschutz Schulungen an, die „kurzfristiges Einarbeiten“ der Beschäftigten in den Ämtern ermöglichten.

Nach dem derzeitigen Stand der Technik bewältigen die Gesundheitsämter die Kontaktnachverfolgung bis zu einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner. In ihrer Pressekonferenz hat die Kanzlerin ausdrücklich darauf hingewiesen, dass diese Grenze von den Gesundheitsämtern gezogen worden sei und von der Politik lediglich übernommen.

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