Diabetes-Prävention

Dicke Patienten ab zum Kochkurs

Hausärzte in Großbritannien sollen auf Wunsch des Gesundheitsministeriums bis zu 200.000 übergewichtige Patienten zu Kochkursen schicken.

Von Arndt Striegler Veröffentlicht: 07.04.2018, 10:00 Uhr
Dicke Patienten ab zum Kochkurs

Kochkurse gegen Übergewicht: 450 Euro kostet ein solcher Kurs, in den britische Hausärzte ihre adipösen Patienten schicken sollen.

© Vadym / stock.adobe.com

LONDON. Britische Hausärzte sind vom Londoner Gesundheitswesen angewiesen worden, in diesem Jahr "mindestens 200.000 Patienten" zu Kochkursen zu schicken. Weil in Großbritannien die Zahl der übergewichtigen und adipösen Patienten seit Jahren unaufhaltsam weiter steigt, soll der Hebel jetzt in den staatlichen Hausarztpraxen angesetzt werden. Die Kurse dauern 16 Wochen und kosten pro Patient umgerechnet rund 450 Euro.

Zwar versucht das Londoner Gesundheitsministerium seit den 80er Jahren mit teils groß angelegten Informationskampagnen, die Briten von den Vorzügen einer gesunden Ernährung und von ausreichend Bewegung und Sport zu überzeugen. Das hat freilich bislang nichts genutzt: Die Zahl der übergewichtigen und adipösen Patienten ist seither stetig gestiegen. Laut Gesundheitsministerium ist heute bereits jeder vierte Brite adipös. Diese Zahl hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten mehr als verdoppelt.

Gesundheitsminister Jeremy Hunt wies daher die Hausärzte des staatlichen britischen Gesundheitsdienstes (National Health Service, NHS) an, ihre schwergewichtigen Patienten zu neuen Kursen zu überweisen, in denen die Patienten nicht nur lernen, gesund zu kochen, sondern auch, wie sie sich durch mehr Bewegung und Sport körperlich fit halten können.

Das Ministerium kalkuliert, dass dies zwar Millionen Pfund an öffentlichen Geldern kosten wird. Da aber als Folge die Zahl ernährungsbedingter Krankheiten sinkt, zahle sich dieses Programm "spätestens nach 14 Jahren" wieder aus.

Entsprechende Probekurse laufen bereits seit 2017 in einigen Landesteilen sehr erfolgreich. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums haben NHS-Hausärzte bislang rund 50.000 Patienten zu den Kursen überwiesen, bei denen auch besonderes Augenmerk auf die Diabetes-Prävention gelegt wird. Diabetes kostet den NHS jährlich umgerechnet rund zehn Milliarden Euro an Behandlungskosten.

Die britische Evaluierungsbehörde (National Institute of Clinical Excellence, NICE) befürwortet die neue Präventionsstrategie und empfiehlt Hausärzten, die in Großbritannien als Primärärzte fungieren, Risikopatienten zunächst einem Bluttest zu unterziehen, um so zu ermitteln, wer genau von den Kursen profitieren könnte.

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