Pflege

Die Pflegeversicherung wird zum Pflegefall

Das Vertrauen der Deutschen in die Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Pflegeversicherung schwindet. Viele fürchten, im Pflegefall nicht genügend abgesichert zu sein.

Thomas HommelVon Thomas Hommel Veröffentlicht:

BERLIN. Eine Mehrheit der Bundesbürger erwartet von der künftigen schwarz-gelben Regierung eine klare Ansage bei der Frage, wie die finanzielle Absicherung im Pflegefall aussieht. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Allensbach-Instituts im Auftrag des privaten Heimbetreibers Marseille Kliniken AG hervor, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Insgesamt wurden 1804 Bundesbürger zu den Themen Qualität, Finanzierung und Zukunftsfestigkeit des Pflegesystems befragt.

Die Ergebnisse lassen aufhorchen: So sind etwa 71 Prozent der Befragten der Meinung, das Thema Pflege nehme in der Welt der Politik bislang nicht den Stellenwert ein, den es verdient habe. Gering fällt auch das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Pflegeversicherung aus: Nur zehn Prozent der Befragten fühlen sich dadurch ausreichend abgesichert. 75 Prozent der Bundesbürger befürchten hingegen, im Pflegefall nicht genügend versorgt zu sein.

Dabei fällt auf: Die Sorge über die finanzielle Absicherung wächst vor allem bei den einkommensschwachen Haushalten (53 Prozent). Weniger stark ausgeprägt ist sie bei Bürgern, die über ein überdurchschnittliches Einkommen verfügen (38 Prozent).

Die Frage, wie für eine ausreichende finanzielle Absicherung im Pflegefall zu sorgen ist, spaltet die Bundesbürger laut Umfrage in zwei Lager: 34 Prozent sehen demnach den Staat in der Pflicht, 39 Prozent setzen lieber auf private Vorsorge. Die Einstellung der Deutschen zu dieser Frage hänge maßgeblich von ihrer wirtschaftlichen Situation ab, erläuterte Allensbach-Chefin Professor Renate Köcher. "Man sieht hier eine starke Staffelung nach Einkommen." Während einkommensschwache Schichten die Finanzierung von Pflege ausschließlich bei der gesetzlichen Pflegeversicherung sehen und dafür auch höhere Beiträge in Kauf nehmen würden, entscheide sich etwa jeder zweite Besserverdiener für eine zusätzliche private Absicherung. Dieser Punkt werde in der politischen Diskussion "viel zu wenig" gesehen, kritisierte Köcher. "Alle Konzepte zur eigenverantwortlichen Vorsorge - und in diese Richtung muss sich die Gesellschaft zwangsläufig entwickeln - sind Konzepte, die letztlich nur von der oberen Mittelschicht und der Oberschicht umgesetzt werden können."

Die Unterschicht und die untere Mittelschicht tue sich dagegen schwer mit privater Vorsorge, "weil sie einfach keine nennenswerten, frei verfügbaren Ressourcen haben", so Köcher. Wenn jetzt über einen Einstieg in die Kapitaldeckung nachgedacht werde, müsse die Politik auch dafür sorgen, "dass der Sozialstaat für die da sein muss, die aus eigener Kraft zu wenig vorsorgen können", mahnte die Expertin.

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